Burg l Unweit der Autobahn bei Madel kreischen die Kettensägen. Julian Stötzer und Tobias Endert fällen eine vom Borkenkäfer befallene Kiefer. Traurige Routine für die beiden Forstwirte – und die Folge des dritten Jahres, das durch Dürrephasen und hohe Temperaturen geprägt war. „Diese Umstände förderten wiederum Käferfraß und Pilzbefall und führten zu einer Massenvermehrung der holzbrütenden Borkenkäfer“, resümiert Rainer Aumann, Leiter des Bundesforstbetriebes Nördliches Sachsen-Anhalt zum Ende des Forstwirtschaftsjahres, das jeweils am 1. Oktober beginnt und 30. September endet. In Zahlen ausgedrückt: Liegt der normale nachhaltige Holzeinschlag bei rund 70 000 Festmetern (Festmeter gleich Kubikmeter), wurden in diesem Jahr lediglich 14 000 Festmeter eingeschlagen. Davon entfielen mehr als 10 000 Festmeter auf Schadholz durch Stürme, Käfer- oder Pilzbefall. Und weil die Wetterkapriolen keine Ländergrenzen kennen, habe das zu einem Überangebot an Holz und extremem Preisverfall geführt. Aus diesem Grund hat der Bundesforst alle „normalen Hiebe“ gestoppt, damit der Markt nicht noch mit mehr Holz überfrachtet wird. „Dadurch soll sich der Holzpreis stabilisieren, was vor allem für private Waldbesitzer von existentieller Bedeutung ist“, begründet Aumann. Daneben führten die Wetterextreme auch zu intensiven Arbeiten entlang von Straßen, Kasernenanlagen oder Biwakplätzen, deren Bereiche zweimal im Jahr kontrolliert werden müssten. „Denn als Bundesforst sind wir im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht für mehr als 500 Straßenkilometer zuständig“, so Aumann. Auch in diesen Bereichen seien mehr abgestorbene Bäume gefällt worden als gewöhnlich.

Die Folgen des Klimawandels spiegelten sich deshalb auch im Waldumbau wieder. So sind im vergangenen Jahr mehr als 200 000 Bäume und blühende Sträucher gepflanzt worden – teilweise auch aus eigenen Saatgutbeständen. Dabei setzten die Förster immer mehr auf trockenresistente Baumarten wie Eiche, Kiefer, Linde, aber auch Douglasie, Küstentanne oder Roteiche. „Grundsätzlich werden drei bis fünf verschiedene Baumarten in einer Mischung gepflanzt“, sagt Aumann. Von Vorteil sei in diesem Zusammenhang, dass der Bundesforst über anerkannte Bestände der Stiel- und Traubeneiche, Rotbuche, Winterlinde und europäischen Lärche verfüge.

Flächen sollen ökologisch aufgewertet werden

Einen besonderen Schwerpunkt hat laut Aumann auch im zurückliegenden Jahr der Naturschutz eingenommen. „Gerade auf den Truppenübungsplätzen finden sich zahlreiche bis zu 500 Jahre alte Eichen, Moorgebiete, Waldheideflächen und Pionierwälder, die sehr viele, oftmals besonders seltene und streng geschützte Pflanzen-, Vögel- und Insektenarten aufweisen.“ Truppenübungsplätze seien aus naturschutzfachlicher Sicht von europaweiter Bedeutung. „In enger Abstimmung mit der Bundeswehr werden diese besonderen Biotope erfasst, kartiert und im Einklang mit der militärischen Nutzung weiterentwickelt“, erklärt Aumann. Ein neues Projekt setzt der Bundesforst in diesem Zusammhang auch im Jerichower Land mit um: das „Blaue Band Deutschland“. Ziel sei es, die Flächen entlang der großen Flüsse weiter ökologisch aufzuwerten. Im Bereich des Bundesforstes sollen somit an Elbe und Elbe-Havel-Kanal unter anderem Auenwälder aufgeforstet oder Flutrinnen geschaffen werden.

Zudem gehören auch Teile des Bundesforstes zum Nationalen Naturerbe, dazu zählen die ehemaligen Schießplätze Körbelitz und Madel, der Biederitzer Busch sowie auf der westelbischen Seite die ehemaligen Schießplätze Tangerhütte und Kellerberge. Hintergrund: Um dem Artensterben entgegen zu wirken – allein in Deutschland hat sich die Masse der Insekten mittlerweile um 70 Prozent reduziert – hat der Bund rund 170 000 Hektar bereitgestellt, auf denen keine forstlichen Arbeiten mehr durchgeführt werden, um sichere Rückzugsmöglichkeiten für die Tiere und Pflanzen zu schaffen. „Der Bundesforst unterstützt das federführende Bundesamt für Naturschutz bei der Umsetzung sehr aktiv“, versichert Aumann.