Burg/Möser l Hier eine Million, dort eine Million. Die Beschäftigten des Bundesforstbetriebes Nördliches Sachsen-Anhalt haben in den vergangenen Jahrzehnten gut gewirtschaftet. Und weil die Ökologie seit jeher einen besonderen Stellenwert einnimmt, haben sie genau genommen mit Millionen von Öko-Punkten, die in Vorleistung geschaffen wurden, dafür gesorgt, dass die Natur bei vielen öffentlichen und privaten Bauvorhaben nicht zu kurz kommt. „Ein Verfahren, das sich auch in Burg bewährt hat und für Nachhaltigkeit steht“, sagt Steffen Bauling, als Funktionsbereichsleiter seit Jahresbeginn zuständig für Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen im Bundesforstbetrieb. Dieses Ökopunkteverfahren wird möglicherweise bei einer großen Investition, die in den kommenden Jahren in der Region geplant ist, genutzt: Und zwar beim Bau der rund zehn Kilometer langen Ortsumgehung B1n bei Burg. Sie ist Bestandteil des Bundesverkehrswegeplans und wird in dem Papier als vordringlich eingestuft.

Fakt ist: Die Herstellung der Umfahrung ist ein gewaltiger Eingriff in Natur und Landschaft, der letztlich kompensiert werden muss. Entweder, indem Ökopunkte vom Bundesforst gekauft oder eben andere Projekte umgesetzt werden – wie Neuanpflanzungen, Waldumbau, Streuobstwiesen oder Kleingewässer anlegen sowie Flächenrenaturierungen. Wie sich die Einzelheiten für die künftige Ortsumgehung darstellen, sei heute noch nicht vollständig darstellbar, „aber wir tasten uns jetzt an das Vorhaben des Bundes heran“, sagt Bauling, der jeden Schritt mit begleiten wird.

Der promovierte Forstmann, der in Göttingen Forstwissenschaft studiert hat, ist ein Verfechter des Ökopunkte-Systems, dessen Grundidee darin besteht, „eine Verschlechterung für Natur und Landschaft zu verhindern“. Das habe sich der Bundesforstbetrieb auf die Fahnen geschrieben. Mit Erfolg: Inzwischen gebe es innerhalb seines Bereiches 16 von den Unteren Naturschutzbehörden genehmigte Ökopunktetools in den Kreisen Magdeburg, Stendal, Salzwedel und Jerichower Land. „In der Summe wurden bereits rund 4,6 Millionen Ökopunkte durch Aufwertungsmaßnahmen in der Natur geschaffen“, erläutert Bauling. Für fünf weitere Ökopunktetools stehe die Genehmigung noch aus.

Dass sich der Punkte-Verkauf auch an private Investoren lohne, ist am Beispiel eines großen Funkturms nahe der Autobahnzufahrt bei Madel sichtbar. Für das Fundament des Masts musste eine Fläche versiegelt werden, die unterm Strich 8000 Ökopunkte erforderte. „Die hat der Investor erworben“, erläutert Bauling. Wie in jedem Kreditinstitut auch wurde diese Punkte-Summe abgebucht – in diesem Fall vom bestätigten Ökopunktepool „Strauch-Baumhecke Krähenberge“ am Rande der Stadt. Dabei handelt es sich um eine 6700 Quadratmeter große Fläche auf dem Standortübungsplatz, sagt Rainer Aumann, Leiter des Bundesforstbetriebes. Die ehemalige Tonkuhle hatte mit vier Ökopunkten pro Quadratmeter nur einen relativ geringen ökologischen Wert. Deshalb wurden in den vergangenen Jahren Eberesche, Hartriegel, Haselnuss, Mehlbeere, Schwarzholunder, Sanddorn oder Silberweide angepflanzt. Die geplante Strauch-Baumhecke besitzt nun einen Wert von 20 Ökopunkten pro Quadratmeter. „Jetzt können wir allein für diesen Teil mehr als 107 000 Ökopunkte verbuchen“, freut sich Bauling.

Diese Arbeiten hätten gezeigt, dass es sich lohne, auch Auffüllungsflächen sinnvoll aufzuwerten. Davon können auch übende Soldaten am Rande der Stadt profitieren.