Landesliste

SPD-Kreisvorsitzende Kay Gericke gratuliert Elrid Pasbrig

Markus Kurze (CDU) hat das Direktmandat im Burger Wahlkreis gewonnen. Mit Jan Scharfenort (AfD) ist noch ein zweiter Kandidat in den Landtag eingezogen.

Von Thomas Pusch
Der SPD-Kreisvorsitzende Kay Gericke hat SPD-Landtagskandidatin Elrid Pasbrig für ihren engagierten Wahlkampf gedankt.
Der SPD-Kreisvorsitzende Kay Gericke hat SPD-Landtagskandidatin Elrid Pasbrig für ihren engagierten Wahlkampf gedankt. Foto: Anke Reppin

Burg - Dass Markus Kurze den Burger Wahlkreises 6 bei der Landtagswahl gewinnen würde, hatte wohl keiner der anderen Direktkandidaten angezweifelt. Und so kam es auch. 10 295 Erststimmen wurden für ihn abgegeben, und so zog er mit 38,5 Prozent zum fünften Mal mit einem Direktmandat versehen wieder in den Landtag ein. Zwar hat er damit ein wenig schlechter abgeschnitten, als die CDU insgesamt, die im Wahlkreis 39,8 Prozent holte. Allerdings ist sein Stimmenzuwachs mit 9,7 auch einen halben Prozentpunkt größer als der der Partei. „Ich liebe meine Heimat und das habe ich mit meiner Arbeit unter Beweis gestellt“, sagte er am Wahlabend.

Zu dem Zeitpunkt stand noch nicht ganz fest, ob noch ein zweiter Kandidat aus dem Wahlkreis 6 den Sprung in den Landtag schaffen würde. Zwar lag Jan Scharfenort (AfD) mit fast 5000 Stimmen deutlich hinter Kurze, doch es gab immer noch die Möglichkeit über Listenplatz 21 einzuziehen, was schließlich auch gelang. „Ich hatte mir ein besseres Ergebnis erhofft“, sagte er am Montag im Gespräch mit der Volksstimme. Er landete bei 20,6 Prozent, die AfD bei den Zweitstimmen bei 20,4 Prozent. Positiv überrascht habe ihn sein Ergebnis in Burg. In der Stadt, die er eher als sozialdemokratisch einschätzen würde, erhielt er gut 25 Prozent. In der Fläche hätte aber mehr herausspringen sollen. Die relativ kleine Fraktion sei dann eben doch nicht in der Lage, an einer Materialschlacht mitzuwirken.

SPD-Kreischeffordert Konsequenzen

Zudem sei für die anderen Parteien das Hauptziel gewesen, die AfD zu verhindern, so hätten viele Wähler taktisch ihr Kreuz gemacht. Ein Wahlforscher habe jüngst auch die Ansicht vertreten, dass Parteien im Vorfeld künstlich nach oben gestuft würden, um am Wahlabend für Frustration zu sorgen. Zudem werde in Krisenzeiten eher das Bewährte gewählt, wofür Haseloff und Kurze nach Meinung der Mehrheit der Wähler offenbar stehen.

Scharfenort will sich im Landtag vorrangig seinem Spezialgebiet, den Finanzen, widmen. Dazu gehört für ihn nicht nur die Haushaltspolitik, sondern man sollte auch Unternehmen wie der Abfallentsorgung Jerichower Land (AJL) näher auf die Finger schauen. Schließlich müsse etwas für die Burger Innenstadt getan werden, für die man sich angesichts von Leerstand und Dreck nur schämen könne. Und schließlich will er in der Wirtschaftsförderung mehr für die Region Burg erreichen als es bislang getan worden sei.

Sehr mit dem Ergebnis seiner Partei, vor allem auf Landesebene, haderte SPD-Kreisvorsitzender Kay Gericke schon am Wahlabend. Das wiederholte er am Montag gegenüber der Volksstimme. „Das ist eine Wahlniederlage, da braucht man nichts schönzureden und andere dafür verantwortlich machen“, sagte er. Sollte die SPD in Koalitionsgespräche eintreten, sollte Achim Willingmann der Verhandlungsführer sein. Ursprünglich sei von einem Dreigestirn mit der Spitzenkandidatin Katja Pähle und Sozialministerin Eva Grimm-Benne die Rede gewesen, davon habe er aber nichts mitbekommen. Um die Partei nach vorne zu bringen, müsse es nun doch darum gehen, wer die meisten Prozente bekommen hat. Während sich Grimm-Benne in Schönebeck mit 13 Prozent zufriedengeben musste, Pähle in Halle nur auf 15,8 Prozent kam, fuhr der Wissenschaftsminister in Wernigerode 24,4 Prozent ein. Zudem sollten auch kommunale Vertreter am Verhandlungstisch sitzen. Es gebe drei sozialdemokratische Landräte in Sachsen-Anhalt, die an der Basis mit den Auswirkungen der Landesentscheidungen leben müssen.

Mit dem Abschneiden von Direktkandidatin Elrid Pasbrig zeigte er sich ganz zufrieden. Immerhin habe sie mit 12,4 Prozent vier Prozentpunkte mehr geholt als die SPD landesweit. Möglicherweise lasse sich, abhängig von der Regierungskonstellation, ein Platz im Landtag für sie erreichen. Gedanken macht sich Gericke aber auch schon darüber, wie die SPD bis zur Bundestagswahl noch einen positiven Schub bekommen soll.

„Wir müssen unsere Erfolge herausstellen, dass das nicht passiert, ist ein großes Manko bei der SPD“, meinte er. Die Partei müsse auch wegkommen von einer Minderheitenpolitik, zeigen, dass sie den Sozialstaat repräsentiert. Dazu gehören für Gericke auch ganz konkrete politische Ziele. So müssten Großkonzerne konsequent besteuert werden, dürften sich Amazon und Co. nicht in Steueroasen flüchten. Auch müsse es möglich sein, dass Kommunen direkt Hilfe vom Bund bekommen können. Beim Weg über die Bundesländer gehe doch immer etwas verloren.

Kandidatin derTierschutzpartei gerührt

In ganz anderen Prozentsphären als die Sozialdemokraten landete eine dennoch überglückliche und auch am Montag immer noch vom Erfolg gerührte Carina Hansen von der Tierschutzpartei. 4,9 Prozent der Stimmen waren es am Ende für sie, „damit hatte ich nicht gerechnet“. Ihre Partei habe in den vergangenen fünf Jahren geschlafen, sei schlecht organisiert gewesen. Dabei berühre das Thema Tierschutz viele Menschen. Die Partei setze sich aber nicht nur für Tiere, sondern auch für Menschen und die Umwelt ein, nichts solle vernachlässigt werden. Natürlich gehe es um die großen Themen wie Massentierhaltung oder Tiertransporte. Manchmal seien aber auch die kleinen Schritte notwendig, etwa wenn es einem Hund in der Nachbarschaft nicht gut ergeht. Nun werde an den Strukturen gearbeitet und in fünf Jahren werde es sicherlich ein besseres Ergebnis geben.

Darauf hofft Rüdiger Claus schon bei der Bundestagswahl im September. Der Direktkandidat von Bündnis 90/Die Grünen holte 4,6 Prozent, bei den Zweitstimmen gab es 4,7 Prozent. „Das ist wirklich kein gutes, aber wenigstens ein verbessertes Ergebnis, das zeigt, dass wir ein wenig die gute Stimmung von der Bundesebene mitnehmen können“, analysierte er am Montag. Sicherlich hätten auch die Corona-Bedingungen einen Wahlkampf verhindert, um sich als Kandidat bekannter zu machen. Nun gehe es darum, in der Kommunalpolitik einen guten Job zu machen, um für die Partei zu werben.