Gedenken an Kriegsende

Burger erinnern Ende des Zweiten Weltkriegs als Sieg über die Unmenschlichkeit

Das Burger Bündnis gegen Rechts und die Partei Die Linke hatten zum Gedenken auf den Soldatenfriedhof in Burg eingeladen. Sie erinnerten an mehr als 35 Millionen Tote in Deutschland und Russland.

Von Thomas Pusch
Dramaturg David Schliesing fand bei der Gedenkfeier zum Tag der Befreiung bewegende Worte.
Dramaturg David Schliesing fand bei der Gedenkfeier zum Tag der Befreiung bewegende Worte. Foto: Thomas Pusch

Burg

Zum Gedenken an den Tag der Befreiung hatten das Burger Bündnis gegen Rechts und die Linkspartei am Sonnabend auf den Soldatenfriedhof eingeladen. Dramaturg David Schliesing sprach dabei als Gastredner bewegende Worte. Er begrüßte die „Mitstreiter für Frieden und Solidarität, gegen Krieg und Rassismus“. Es solle derer gedacht werden, die den 8. Mai 1945 nicht mehr erlebt haben, sei es durch die Vernichtung durch die Nationalsozialisten, den Krieg oder dass sie als Widerstandskämpfer ausradiert wurden. 6,3 Millionen Juden, 24 Millionen sowjetische Soldaten, drei Millionen sowjetische Zivilisten, 1,5 Millionen deutsche Zivilisten, nannte er Zahlen. Auch die fünf Millionen deutsche Soldaten ließ er nicht unerwähnt, mochte sie aber nicht ein einem Atemzug mit den anderen Opfern nennen.

Was zwölf Jahre anrichten können, hätten 1933 bis 1945 gezeigt, was ein Jahr anrichten könne, das vergangene. „Wenn eine junge Frau sich wegen der Corona-Regeln mit den Widerstandskämpfern der Weißen Rose vergleicht, dann hat sie im Unterricht geschlafen oder das Thema nicht verstanden“, sagte Schliesing. Bei einer Querdenker-Kundgebung hatte eine 22-Jährige aus Kassel bekundet, sie fühle sich wie Sophie Scholl, da sie seit Monaten im Widerstand sei. Sophie Scholl wäre am 9. Mai 100 Jahre alt geworden, wurde als 21-Jährige zum Tode verurteilt. So hatten die weißen Rosen, die Linke-Stadträtin Kerstin Auerbach zum Niederlegen an den Gräbern verteilte, besondere Symbolkraft.

Schliesing wehrte sich gegen die Forderungen, einen Schlussstrich unter das Kapitel Nationalsozialismus zu ziehen. „Wer das will, verdrängt, dass der Faschismus nicht in einem neuen Gewand auftaucht, sondern nie verschwunden war. Er, Jahrgang 83, wisse nicht, wie es ist, Hunger zu haben, die Eltern in die Gaskammer gehen zu sehen, Angst zu haben, verfolgt, verhört, vergast zu werden. „Es darf nie wieder so werden wie früher“, stellte er klar. Der Tag der Befreiung sei ein Aufatmen gewesen, doch sei das Paradies selten von Dauer. Peter Gümbel vom Bündnis bezeichnete den Tag als Sieg der Menschlichkeit über die Unmenschlichkeit und mahnte: „Lassen Sie uns immer wachsam bleiben“.