Lostau l Wer in Lostau nach dem Einkauf den Bus in Richtung Möser nehmen will, muss ab dem 27. August einen 250 Meter weiteren Weg zur nächsten Haltestelle am Denkmalplatz auf sich nehmen. Der Unbequemlichkeit steht allerdings ein deutlicher Gewinn an Sicherheit gegenüber – insbesondere für die Schulkinder. Denn die Haltestelle gegenüber dem Netto-Markt war schon länger ein Grund zur Besorgnis, eine Beurteilung des Bauamtes Möser hat dem Haltepunkt am Ende ein verheerendes Zeugnis ausgestellt.

Die technischen Ausbauvorschriften werden demnach bei weitem nicht eingehalten. Die Breite der als Wartebereich nutzbaren Fläche unterschreite weit die Mindestvorgabe von 2,50 Metern. „Unter Berücksichtigung eines notwendigen Sicherheitsabstandes von 0,5 m zur Fahrbahnkante steht als Wartebereich nur 0,7 m zur Verfügung“, heißt es in der Beurteilung. Des Weiteren existierten weder Sitzmöglichkeiten noch ein Wartehäuschen, woraus eine erhöhte Belastung für die Fahrgäste resultiere. Die Haltestelle erfülle darüber hinaus in keiner Weise die Anforderungen an einen behindertengerechten Ausbau. Der Rampenzugang sei für stark bewegungseingeschränkte Personen nicht geeignet, da ein seitliches Gefälle vorliegt. Das im öffentlichen Bereich zulässige Gefälle von sechs Prozent wird nicht eingehalten. Das eine Fazit des Berichts: Für Menschen mit Bewegungseinschränkungen besteht an dieser Stelle ein erhöhtes Unfall- beziehungsweise Verletzungsrisiko.

Straßenbeleuchtung fehöt

Das zweite Fazit: Schulkinder leben gefährlich, wenn sie diese Haltestelle nutzen. Denn: Es fehlt eine ausreichende Straßenbeleuchtung, was die Unfallgefahr erhöht, und in unmittelbarer Nähe zur Haltestelle gibt es keine gesicherten Straßenübergänge, was Kinder zusätzlich gefährdet. Die nachträgliche Schaffung sicherer Gegebenheiten sei an der Stelle nicht möglich. Denn die Straße gilt als Hauptverkehrsweg mit bis rund 320 Fahrzeugen pro Stunde und sie ist zusätzlich ausgewiesene Umleitungsstrecke bei Stau oder Bauarbeiten auf der Autobahn 2.

Der Landkreis als zuständige Behörde hat nun die Konsequenzen gezogen. Die Bushaltestelle Lostau/Lindenstraße wird zum 27. August geschlossen.

Tempo reduziert

Bereits im März dieses Jahres hatte der Landkreis einen ersten Versuch unternommen, die gefährliche Situation zu entschärfen: An der Haltestelle sollte eine Tempo-30-Zone eingerichtet werden. Die Reduzierung auf Höhe des Netto-Marktes war vorgesehen von montags bis freitags, in der Zeit von 6 bis 8 Uhr, informierte damals Landkreissprecherin Claudia Hopf-Koßmann auf Volksstimme-Nachfrage. Die Anordnung „wegen einer Gefahrenlage“ erfolge zur Sicherung des Schülerverkehrs in diesem Bereich, so Hopf-Koßmann. Allerdings war dies vorerst befristet bis Ende Juli 2021.

Es war eine erste Reaktion auf zahlreiche Beschwerden von Anwohnern. Es gab eine Bürgerversammlung zur verschärften Verkehrssituation, die Anfang Dezember 2019 mit dem Landesverkehrsministerium in Lostau stattgefunden hatte. Die Anwohner der Landesstraße 52 hatten dort ihre Sorgen aufgrund der Vervielfachung insbesondere des Lkw-Verkehrs sehr deutlich zum Ausdruck gebracht. Vize-Landrat Thomas Barz (CDU) hatte den Lostauern damals die Prüfung ihrer Anliegen versprochen. Dazu gehörte auch die Frage nach der Einrichtung von Tempo-30-Zonen.

Starke Verkehrsbelastung

Hintergrund der Temporeduzierung und der nun bevorstehenden Schließung der Bushaltestelle war auch die Tatsache, dass Lostau seit diesem Frühjahr wieder stärker durch Verkehr belastet wird, denn auf der Autobahn 2 wird an mehreren Stellen gebaut. Und immer dann, wenn es hier zum Unfall und zum Stau kommt, schlängelt sich der Umleitungsverkehr durch die kleine Ortschaft und durch Straßen, die dafür gar nicht ausgelegt sind.