Magdeburgerforth/Loburg/Zeppernick l „Das Wichtigste ist, dass der Vogel überlebt hat“, zeigte sich Mario Schmidt aus Magdeburgerforth erleichtert. „Denn so viele gibt es davon nicht mehr.“ Ehefrau Gaby „Ela“ Schmidt und Dalmatiner Amy hatten den Mäusebussard am 22. Dezember gefunden. Weil Weihnachten vor der Tür stand, nannte sie den Vogel kurzerhand einfach „Angel“ (Engel). „Er ist nicht geflüchtet. Er war zu schwach“, so „Ela“ Schmidt.

Sie ist nach dem Fund des Vogels schnell in das naheliegende Zuhause gelaufen und rief ihrem Mann zu: „Schnell. Wir brauchen eine Kiepe, eine Karre und einen Sack.“ Als beide mit diesen Utensilien zurück an den Fundort kamen, war der Mäusebussard verschwunden. Aber weit konnte er nicht gekommen sein. „Ela“ Schmidt: „Etwa 200 Meter von der Fundstelle entfernt saß er am Wiesenrand bei den Klingebergen.“ Er startete noch einen Fluchtversuch, kam aber nur bis zum nächsten Ast. Dort konnte ihn Mario Schmidt dann ohne Handschuhe fassen. Er kam in die Kiepe und auf die Karre, die mit dem Sack abgedeckt wurde.

Vogel war traumatisiert

Zu Hause angekommen, kam der Vogel in eine Palette. Am Abend wurde er in die Stube geholt. „Er war wohl traumatisiert, denn er ließ sich ohne Gegenwehr streicheln“, erinnert sich „Ela“ Schmidt. Futter hat „Angel“ nicht bekommen. Aber er wurde mit Wasser versorgt, welches er zunächst ablehnte. Aber nach einigen Versuchen nahm er es aus der Spritze dann doch. Zwischendurch wurde Kontakt mit dem Storchenhof Loburg aufgenommen und die Zusage erhalten, „Angel“ dort hinbringen zu können. Viel geschlafen hatte „Ela“ Schmidt in der Nacht nicht. „Ich habe immer geschaut, ob er noch lebt.“ Ihre Hunde Amy und Mischling Dittsche bewachten „Angel“, damit ihm ja nichts passiert.

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Als sie am anderen Morgen die Kiste öffnete, zeigte sich „Angel“ schon wieder recht munter und öffnete sogar seine Schwingen. Er bekam noch einmal Wasser und dann ging es auf zum Storchenhof nach Loburg.

Michael Kaatz fuhr am Abend des 23. Dezembers dann noch mit „Angel“ zum Tierarzt nach Magdeburg, weil der Vogel Medikamente benötigte. Michael Kaatz: „Der Bussard hatte zwei Löcher im Brustbereich und einen Schnitt auf der Haut. Vielleicht hat er sich bei einem Kampf verletzt oder er ist gestürzt. Er ist ein älteres Tier.“ Zurück im Storchenhof konnte er dort aber nicht bleiben, weil so kurz vor Weihnachten zu wenig Personal da war.

Mit Rindergulasch aufgepäppelt

Kurzerhand nahm ihn Storchenhof-Mitarbeiterin Antje Neumann mit zu sich nach Hause nach Zeppernick. Eine Woche päppelte sie „Angel“ mit Rindergulasch und Mäusen auf. Dann ging es am 30. Dezember wieder zurück auf den Storchenhof. Dort wurde der Mäusebussard auch beringt. Als sein Gesundheitszustand gut war, konnte er wieder ausgewildert werden. Das geschah am Sonnabendnachmittag in Magdeburgerforth ganz in der Nähe seines Fundortes. Die fünfjährige Miriam, Tochter von Antje Neumann, durfte „Angel“ dann in die Freiheit entlassen. Und er zögerte nicht lange. Als er seine Kiste verlassen hatte, steuerte er den nächsten Baum an. Dort verweilte er noch eine Weile. Alles Gute, „Angel“.

„Ela“ und Mario Schmidt entschlossen sich, eine Patenschaft im Storchenhof Loburg zu übernehmen. Ein Tier haben sie noch nicht ausgewählt.

Der Mäusebussard ist ein Greifvogel aus der Familie der Habichtartigen und der häufigste Vertreter dieser Familie in Mitteleuropa. Er ist mittelgroß und kompakt, das Gefieder variiert von Dunkelbraun bis fast Weiß. Er kann oft bei seinen kreisenden Segelflügen oder bei der Ansitzjagd beobachtet werden. Den Hauptteil der Nahrung machen Kleinsäuger aus.