Möckern l Eigentlich sollten die Zirkuswagen längst in Richtung Genthin weitergezogen sein, doch von dort gab es nach dem verhängten Veranstaltungsverbot eine Absage, sagt Zirkus-Direktor Alfonso Lauenburger. Auch die weiteren geplanten Stationen in Premnitz, Zossen und Großbeeren hätten unmissverständlich signalisiert: „Ihr braucht gar nicht erst kommen.“

Der Frühling ist für Zirkusunternehmen eine besonders wichtige Zeit. Nach dem Winterlager, welches dieses Jahr in Wolfsburg abgehalten wurde, sollte jetzt eigentlich wieder die Reise losgehen. Es sei noch ein wenig zu kalt für den Garten, bestes Wetter für den Zirkusbesuch, weiß man beim „Zirkus Bravo“.

Termine abgesagt

Die Zirkussaison geht je nach Wetter bis Ende Oktober. In den Wintermonaten und auch in den Sommerferien wird pausiert, weil dann keiner kommen würde. „Deswegen ist der Frühling ja so wichtig für uns. Wir hatten Termine bis in den Mai. Alle wurden abgesagt“, sagt Lesly Sperlich, die Schwägerin von Alfonso Lauenburger.

Anfang März hatten die Zirkusleute das gelb-rote Zelt auf dem Festplatz am Ende des Lochower Weges in Möckern aufgebaut. Gut 150 Leute passen dort hinein. Die erste Vorstellung war für den 12. März angekündigt. Doch wegen der fortschreitenden Corona-Krise kamen schon an den ersten beiden Tagen, dem Donnerstag und dem Freitag, nur wenige Leute. Am 14. und 15. März wurden die Aufführungen dann ganz abgesagt, gerade mal zwei oder drei Leute hatten sich noch zum Festplatz im Lochower Weg verirrt. Ohnehin stand da schon fest: Veranstaltungen gibt es nicht mehr: Versammlungsverbot. Der Zirkusvorhang fiel. Zunächst bis zum 19. April.

Zirkus mit Luftakrobatik und Feuerschluckern

Und so verharren sie in Möckern, die Zirkusleute, die doch gekommen waren, um als Artisten, Clowns oder Tierdresseure die Menschen in Möckern für ein paar Stunden in ihre zauberhafte Glitzerwelt zu entführen. Es ist ein klassischer Zirkus, unter anderem mit Luftakrobatik, Feuerschluckern und Tierdressur, zählt Zirkuschef Alfonso Lauenburger auf. Den Zirkus gibt es schon in der vierten Generation, sagt er.

Das Zirkuszelt auf dem Festplatz haben sie noch nicht abgebaut. „Wir müssen uns ja fit halten und trainieren“, erklärt Alfonso Lauenburger. Die Stadtverwaltung von Möckern habe signalisiert, dass die Zirkusleute auf dem Platz bleiben dürfen. Ob weiterhin eine Platzmiete anfällt, wie es mit den Strom- und Wasserkosten weitergeht, weiß der Zirkusdirektor noch nicht.

Kein festes Zuhause

Ein festes „Zuhause“, wohin sie in dieser Zeit zurückfahren könnten, haben die Zirkusleute nach Aussagen von Lauenburger nicht. Er rechnet damit, dass der Zirkus für die kommenden sechs Wochen in Möckern festsitzt.

Das bedeutet, dass die aufgestellten Wagen beheizt und die Menschen und Tiere ernährt werden müssen. Und das fällt schwer, wenn die Einnahmen durch Eintrittskarten ausbleiben. „Normalerweise helfen sich Künstler in solchen Situationen selbst, durch Auftritte in Seniorenheimen oder bei privaten Feiern, aber das ist alles derzeit nicht möglich“, so Alfonso Lauenberger.

Äpfel und Möhren sind gefragt

Aus zwei Familien mit insgesamt acht Mitgliedern, darunter vier Kinder im Vorschulalter, besteht der Zirkus, hinzu kommt ein mitreisender Artist, der auch die Tiere versorgt. Ein Kamel, ein Lama, zwei Pferde, drei Ponys sowie sechs Ziegen und zwei Hunde müssen versorgt werden.

Ein kleines Gatter ragt in den Schlosspark Möckern hinein. Die Tiere haben für die nächste Zeit wohl genügend Heu. Der Amtstierarzt, der den Zirkus in Möckern unlängst besuchte, habe dafür sorgen können, dass wenigstens das notwendige Heu für die anstehenden Tage bereitsteht. Dennoch freuen sich die Zirkusleute auf Spenden aus der Bevölkerung. „Trockenes Brot, Möhren, Äpfel sowie Heu und Stroh sind die Dinge, die uns jetzt helfen“, sagt Lesly Sperlich. Gerade nach der gerade beendeten Winterpause sieht es in der Zirkuskasse mit Rücklagen nicht besonders rosig aus. So wie dem „Zirkus Bravo“ geht es dieser Tage tatsächlich in ganz Deutschland einigen Zirkusunternehmen. Auch bekannte Zirkusse wie „Roncalli“ bekommen die Auswirkungen von Corona zu spüren und müssen Veranstaltungen absagen.

Erste Möckeraner helfen mit Geld und Essen

Die Idee eines Möckeraner Bürgers, dass jetzt alle ihren Grasschnitt aus dem Garten beim Zirkus vorbeibringen, könnte problematisch sein, sagt der Zirkuschef: „An sich eine liebe Idee, aber das kleingehäckselte Gras aus dem Rasenmäher ist für unsere Tiere zu fein. Wenn es dann noch in Plastiksäcken zu uns gebracht wird, hat es sich auch schon zu sehr erwärmt. Koliken könnten den Tieren gefährlich zu schaffen machen.“

Manch Möckeraner hat wohl geahnt, dass im Zirkuszelt Hilfe gebraucht wird. „Vor Kurzem kam ein Herr mit einem Umschlag vorbei, darin waren 100 Euro“, berichtet Alfonso Lauenberger. Eine andere Dame brachte einen Korb voller Lebensmittel vorbei. „Wir sind sehr dankbar und nehmen jede Spende an“, sagt Lesly Sperlich.

Wer glaubt, den Zirkusleuten ebenfalls helfen zu können, kann sich telefonisch unter der Rufnummer 01511/241 86 69 mit dem „Zirkus Bravo“ in Verbindung setzen.