Burg/Genthin l „Aufgrund der aktuellen Situation betreffend des Coronavirus werden, bis auf Weiteres, alle Veranstaltungen, Kurse und Gruppen des Soziokulturellen Zentrums abgesagt. Die Einrichtung bleibt bis einschließlich 13. April 2020 geschlossen.“ So steht es auf der Internetseite des Soziokulturellen Zentrums, kurz Sokuz, der größten Freizeiteinrichtung für Kinder und Jugendliche in Burg. Wo sonst im Kinder- und Jugendtreff „U27“ oder dem Mädchen- und Frauenkommunikationszentrum „Tea-Treff“ zahlreiche Veranstaltungen laufen, herrscht Ruhe. Einzig im Hort der Einrichtung sind vier Kinder in der Notbetreuung.

Sokuz-Leiterin Silke Kirchhof weiß um die Herausforderung vor die Kinder und Jugendlichen nun stehen. Schließlich sind die Räume der Einrichtung immer gut besucht, nicht nur in den Ferien. Letztlich ist es ja eben genau darum wichtig, dass es Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit gibt. Derzeit treffen sich viele Jugendliche in Grünanlagen, werden kritisch beäugt, teilweise angefeindet. „Was haben die denn nicht verstanden an mit dem Hintern zu Hause bleiben“, fragte beispielsweise eine erzürnte Leserin am Volksstimme-Telefon. Dann hätte ja auch die Schule überhaupt nicht ausgesetzt werden müssen. Doch verboten sind diese Treffen nicht, es gilt keine Ausgangssperre. „Wir haben nur die Empfehlung abgegeben, soziale Kontakte zu meiden“, sagte René Teßmann von der Burger Stadtverwaltung und verwies auf einen Beitrag in dem die Stadt dazu auffordert, zu Hause zu bleiben, soweit dies möglich ist. „Erklären Sie Ihren Kindern, warum auch Sie zu Hause bleiben müssen. Halten Sie Abstand, handeln Sie verantwortungsvoll“, heißt es darin weiter. Und die Stadt hat auf „Stadt Burg – mitgestalten“ am Mittwoch auch einen Appell des Leiters des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, veröffentlicht. Er fordert darin noch einmal dringend auf, die Schutzmaßnahmen wie Händewaschen und Einschränkung der sozialen Kontakte einzuhalten. Einschränkung der sozialen Kontakte bedeute, dass unnötiges Verlassen der eigenen vier Wände vermieden werden muss. Auch wenn das schöne Wetter lockt, sollte diese Epidemie nicht auf die leichte Schulter genommen werden.

In Chaträumen treffen

Silke Kirchhof weiß, dass für viele Jugendliche jetzt ein beliebter Treffpunkt eine Grünanlage ist, sagt aber auch, dass im Sokuz an Projekten gearbeitet werde, mit denen die Jugendlichen beschäftigt werden können, ohne dass sie in die Einrichtung kommen. „Außerdem können sie sich doch in Chaträumen treffen und miteinander spielen“, nannte sie zwei weitere Beispiele. Die Mitarbeiter seien im Sokuz telefonisch oder per Mail (03921 98 93 90; leitung-sokuz@rolandmuehle-burg.de) zu erreichen.

Alle Pforten geschlossen sind auch im Thomas-Morus-Haus in Genthin, das unter Trägerschaft der katholischen St.-Marien-Gemeinde steht. „Jetzt sind erst drei Tage vergangen, ich denke, der große Koller hat bei den Jugendlichen noch nicht eingesetzt“, sagte Erzieher Sebastian Kroll. Das Problem sei natürlich, dass auf eine schulfreie Zeit die Ferienzeit folge. Doch auf die Ferien seien die Kinder und Jugendlichen ja vorbereitet. In der Zwischenzeit werde man vom Thomas-Morus-Haus auch einmal in der Stadt nachsehen, wie man den jungen Leuten helfen kann, klassische Streetwork betreiben eben.

Streetworker in Gommern erkältet

In Gommern läuft derzeit keine Kinder- und Jugendarbeit wegen der Coronasituation, sondern weil Streetworker Dennis Lapin erkältet ist. In der kommenden Woche soll abgesprochen werden, wie er auf die junge Generation zugehen kann. In Möckern gibt es gar keinen Streetworker. Die Jugendlichen haben sich bislang im Skaterpark getroffen, doch das ist seit gestern nun untersagt. In Biederitz waren vereinzelt Gruppen von mehr als fünf Jugendlichen zu Fuß oder mit Fahrrädern unterwegs. Andere treffen sich vorerst nur virtuell: Paul (15) und seine Kumpels halten Abstand. Sie spielen, jeder von seinem Zuhause aus, Spiele auf der Playstation.