Burg l Sieben Wochen lang hat Christina Wegmann ihre Mutter nicht mehr gesehen. Im Seniorenzentrum des Corneliuswerkes herrschte wie auch in allen anderen Pflegeeinrichtungen im Jerichwer Land Besuchsverbot. Mit viel Vorfreude und ein wenig aufgeregt füllt sie den Anmeldebogen in der Empfangshalle aus. Dann nimmt sie im Warteraum platz, ihre Mutter wird aus ihrem Zimmer abgeholt.

Liedermacherin trat im Garten auf

Da die Anlage am Marienweg auch im Grünen liegt, waren die Bewohner in der Zeit nicht ganz von der Außenwelt abgeschnitten. „Die Angehörigen konnten ihnen vom Garten etwas auf die Balkone zurufen“, sagte Geschäftsführer Andreas Bethge. „Zu Ostern hatten wir auch ein Gartenkonzert der Burger Liedermacherin Siegi Wilke“, fügte Pflegedienstleiterin Andrea Kumpfert hinzu. Doch ansonsten war das Seniorenheim von außen unzugänglich, auch die Veranstaltungen in den Gesellschaftsräumen mussten abgesagt werden, die älteren Menschen mussten auf ihren Zimmern bleiben.

„Dann überlegten wir uns, wie wir den Spagat schaffen können“, sagte Bethge. Auf keinen Fall wollte man sich das Virus ins Haus holen, auf Dauer sei der Berufsstopp aber auch belastend, für Bewohner und Angehörige gleichermaßen. Zusammen mit der Diakonie Niedersachsen wurde ein dreistufiges Konzept erarbeitet. Bei schönem Wetter kann der Besuch im Garten erfolgen, mit genügend Abstand, versteht sich. Ist das Wetter schlecht, kommen Gast und Bewohner im Besucherraum zusammen, getrennt von einer Plexiglasscheibe. Und die gibt es auch in der mobilen Variante, für die Senioren, die ihr Zimmer nicht mehr verlassen können.

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Doch bis es zur Begegnung kommt, muss sich der Besucher in besagte Anmeldeliste eintragen. Damit gibt er nicht nur Namen und Telefonnummer an, sondern versichert mit seiner Unterschrift auch, frei von Covid-19 zu sein und in den vergangenen 14 Tagen keine Auslandsreise unternommen zu haben. Wer Symptome auch nur einer Erkältung zeigt, wird abgewiesen.

Dann galt es, die Organisation vorzubereiten. „Es heißt, dass jeder Bewohner an einem Tag eine Stunde Besuch empfangen darf, das lässt sich bei 88 Bewohnern natürlich nicht an einem Tag bewerkstelligen“, erklärte Bethge. So wurde ein Anmeldeverfahren entwickelt, der Tag in zwei Besuchsblöcke von 10 bis 11.30 und von 14.30 bis 17 Uhr eingeteilt. Am ersten Tag war besonders großer Trubel mit über 20 Gästen, doch bei 20 hat sich die Zahl auch in den Tagen danach eingepegelt.

Die Wiedersehensfreude ist stets groß. So wie auch bei Christina Wegmann, als ihre Mutter Ursula Miersch in den Besuchsraum gebracht wird. „Besonders schwer ist es bei uns den Ehepaaren gefallen, bei denen ein Partner nicht bei uns wohnt, aber üblicherweise fast den ganzen Tag hier verbringt“, sagte die Pflegedienstleiterin. Und für die Demenzkranken sei es eine belastende Situation gewesen. Die meisten anderen konnten aber die Zeit mit Telefonaten oder auch Videoanrufen ganz gut überbrücken.

Anrufe und Aufmerksamkeiten

„Ich habe öfter angerufen und ab und zu etwas an der Tür abgegeben“, erzählt Christina Wegmann. Offenbar hat das gut geholfen, denn ihre 83-jährige Mutter sagt: „Ich fühle mich pudelwohl“. Eine Szene, die auch Geschäftsführer und Pflegedienstleiterin ein zufriedenes Lächeln übers Gesicht huschen lässt. „Die Mitarbeiter haben auch einen ganz großen Anteil an dem Erfolg“, sind sich beide einig.