Loburg l Wer glaubte, der „Wiesenhorst“ auf dem Gelände der Vogelschutzwarte bietet nur Platz für Familie Adebar, wird eines Besseren belehrt: Turmfalken, Dohlen, Stare und zahlreiche Kleinvogelarten streiten sich um kleinen Höhlen im Geäst des großen Horstes. „Sie bewerben sich sogar um einen Platz als Untermieter im Mehrfamilienhaus Wiesenhorst“, scherzt „Storchenvater“ Christoph Kaatz in seinem aktuellen Rundbrief an die Vereinsmitglieder.

Fehlende Gäste bedeutet fehlende Spenden

Derweil herrscht am Boden ungewohnte Stille. „Alles wirkt ganz normal. Nur eines fehlt: es gibt keine Besucher auf dem Storchenhof“, beschreibt Kaatz die ungewohnte Situation: „Wir vermissen die großen und kleinen Gäste und deren neugierige Fragen, die erstaunten Blicke und das Gefühl, dass wir nach einer Führung über das Gelände die Besucher für die Notwendigkeit des Natur- und speziell des Weißstorchschutzes sensibilisieren konnten.“

Auch Christoph Kaatz‘ Sohn Michael, Geschäftsführer des Vereines, wünscht sich wieder Publikumsverkehr auf dem Hof, ist jedoch nicht sicher, wann es wieder so weit sein könnte. Die jüngsten Verordnungen zu den Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen hätten wohl für Tierparks Möglichkeiten zur Öffnung in Aussicht gestellt, aber: „Wir wollen jetzt nichts überstürzen oder vorschnell öffnen.“

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Arbeit auf Storchenhof geht weiter

Fehlende Gäste bedeuten für den Verein auch das Ausbleiben von Spenden. „Ein kleiner, nicht sichtbarer Erreger zwingt uns, unser Verhalten zu überdenken, uns einzuschränken und unseren Alltag zu ändern. Er vermag aber auch gute Seiten wie Solidarität und Hilfsbereitschaft in uns zu wecken“, so der Vereinsvorsitzende Christoph Kaatz, der damit an die Spendenbereitschaft der Bevölkerung appelliert.

Trotz ungewohnter Situation geht die Arbeit auf dem Storchenhof weiter. Ein Teil der Störche ist bereits eingetroffen. Jedoch sind die in der Ortschaft vorhandenen Horste nicht so gut besetzt, wie gewünscht. „Normalerweise haben wir hier fünf mit Paaren besetzte Horste. Stattdessen sind es jetzt nur zwei“, so Michael Kaatz.

Bisher nicht zurückgekehrt sind die Storchenmännchen „Jonas“ und „Magnus“. Michael Kaatz hat nur noch wenig Hoffnung, dass die beiden Stammgäste tatsächlich noch aufkreuzen. Seine Hoffnung setzt der Ornithologe daher auf Storchendame „Mina“. Im vergangenen Jahr flog sie am 22. April in Loburg ein. „Wäre schön, wenn das wieder so ist“, sagt Kaatz: „In dieser Woche sollten die letzten Störche spätestens ankommen.“

Nobby und Ulrike gemeinsam einsam

Umso mehr freut sich das Storchenhof-Team, dass der Ostzieher „Nobby“ mit einem Datenlogger der neuesten Generation vor einem Monat aus dem Tschad zurückkehrte. Auch Magnus‘ Vorjahrespartnerin „Ulrike“ ist bereits angekommen. „Gerne vertreiben sich die beiden die Wartezeit auf ihre Partner gemeinsam“, teilt der Storchenhof mit. Am anderen Ende der Stadt Loburg hat „Novi“ wieder ihr Domizil am Münchentor bezogen. Neuer Partner an ihrer Seite ist nach über zehn Jahren Anton. „Spannend wird es nochmal, wenn die übrigen Ostzieher, wie Nobbys Partnerin Mina eintreffen. Das Liebesleben der Störche gibt noch viele Rätsel auf“, notiert Christoph Kaatz in seinem Mitgliederbrief.

Unabhängig von allen Kontaktbeschränkungen nimmt der Storchenhof weiterhin verletzte und verwaiste Wildvögel auf. Zu den jüngsten Neuzugängen zählen ein Schwarzstorch und eine Waldohreule. Am Sonntag wurde ein verwaistes Gelege aus Levin bei Jessen abgeholt. „Einer der beiden Altstörche ist auf der Straße tödlich verunglückt“, erklärt Michael Kaatz. Die Eier liegen nun im Loburger Brutschrank. Im Horst wäre das Gelege verloren gewesen. Der überlebende Altvogel gibt die Eier auf, wenn der Partner nicht mehr zur Brutablösung zurückkehrt. „Zwei bis drei Tage hält er durch, dann muss er sich auf Futtersuche begeben“, so Michael Kaatz. „Nur wenn die geschlüpften Störche mindestens vier Wochen alt sind und mit den Temperaturen klarkommen, kann auch ein Elternteil die Brut großziehen.“ Bei Pretzien errichtete Kaatz mit Mitarbeitern der Stadtwerke Schönebeck am Freitag eine Nistgelegenheit für einen Storch, der auf einer Stromleitung nisten wollte.

Biotoppflege und Geländegestaltung

Neben der Wildvogelpflege widmen sich die Storchenhof-Mitarbeiter verstärkt der Biotoppflege und Geländegestaltung, der telefonischen Beratung in Fragen rund um den Storchen- und Naturschutz. Auch die Umbauarbeiten am Besucherzentrum laufen.

Vor einigen Wochen wurde am bereits erwähnten Wiesenhorst eine neue leistungsfähige Kamera angebracht. So kann wieder das ganze Geschehen des Nestbaus, der Brut und der Aufzucht der Jungen über Monitore beobachtet werden. Voraussetzung ist eben, dass auf dem Storchenhof auch wieder Menschen einfliegen dürfen.