Fledermäuse hautnah erleben

Den Fledermäusen auf der Spur: In Loburg wird im August zur ersten „Bat-Night“ eingeladen

Mit Hilfe der Jugendorganisation des Naturschutzbundes (Nabu) soll im August in Loburg eine „Batnight“ stattfinden, bei der Interessierte sich über die Lebensweise von Fledermäusen informieren können.

Von Stephen Zechendorf
Eine Langohr-Fledermaus krallt sich an eine Dachlatte  über dem Kirchenschiff der Loburger Kirche.
Eine Langohr-Fledermaus krallt sich an eine Dachlatte über dem Kirchenschiff der Loburger Kirche. Foto: Stephen Zechendorf
Jan Blaue (mitte) lässt sich von den Naju-Experten Hartwig von Bach und Anja Bäthge anhand von Fledermausskot erklären, welche Arten in der Kirche zu Hause sind.
Jan Blaue (mitte) lässt sich von den Naju-Experten Hartwig von Bach und Anja Bäthge anhand von Fledermausskot erklären, welche Arten in der Kirche zu Hause sind.
Foto: St. Zechendorf

Loburg - Es gibt vermutlich nicht viele Menschen, die sich über Fledermauskot freuen. Anja Bäthge gehört jedenfalls zu den Wenigen. Die Leiterin der Naju-Ortsgruppe Osterburg ist zusammen mit dem Naju-Jugendbildungsreferenten Hartwig von Bach nach Loburg gekommen, um nachzuschauen, welche Fledermaus-Arten sich hier tummeln. Der Naju ist die Jugendorganisation des Naturschutzbundes Nabu.

Auf Einladung des Loburgers Jan Blaue begannen die beiden Naju-Mitglieder vor wenigen Tagen mit den Vorbereitungen für eine erste Loburger „Batnight“. „Bat“ ist das englische Wort für Fledermaus. Seit 24 Jahren gibt es die Internationale Fledermausnacht. Die Batnight findet traditionell Ende August statt, und das weltweit in über 35 Ländern. In Deutschland wird die Batnight vom Nabu organisiert. Bundesweit soll es mehr als 100 Veranstaltungen geben. Erstmals dann auch in Loburg. Angedacht sind neben einer Führung in den Abendstunden auch Experimente und familiengerechte Angebote zur Wissensvermittlung zum Thema.

Fledermauskot als Dünger

Um zu ergründen, wo sich in Loburg denn Fledermäuse tummeln, statteten Fledermaus-Expertin Anja Bäthge und Hartwig von Bach zunächst der Loburger St.-Laurentius-Kirche einen Besuch ab. Gemeindekirchenratsmitglied Ulf Drzymala zeigt ihnen den verborgenen Weg hinauf in den Dachstuhl, dorthin, wo kaum ein Mensch seinen Fuß hinsetzt. Ideale Bedingungen also für Fledermäuse, die ein ruhiges Plätzchen für den Tagesschlaf brauchen. Und weil hier auch nur selten jemand kommt, um die historischen Holzbohlen zu fegen, herrschen auch ideale Bedingungen für Fledermausexpertinnen: „Das hier ist eine größere Art“ sagt Anja Bäthge, während sie etwas in ihrer Hand zerkrümelt. Es ist Fledermauskot. Große Exemplare hinterlassen große Exkremente, so die Expertin: „Fledermauskot ist ähnlich wie Mäusekot, den Unterschied merkt man erst, wenn man ihn in die Hand nimmt. Wenn man ihn zerdrücken kann, ist es Fledermaus“, sagt Anja Bäthge. Beim Naju kann man das Naturprodukt in Plastiktüten als Bio-Dünger erwerben.

Im Glockenstuhl angekommen, stellt die Expertin fest: Wenig Spalten und gut erhaltenes Mauerwerk bieten hier wenig Verstecke für kleine fliegende Mäuse. Nach oben hin nimmt die Menge an Krümeln auf dem Boden immer mehr zu. Vorsichtig werden mit einer Taschenlampe die Dachsparren angeleuchtet. Und tatsächlich, da hängen welche und blinzeln die Besucher an. Bäthge erkennt eine Langohr-Fledermaus. Schon starten die ersten Tiere zu Kurzflügen durch das Dachstuhlgebälk, während sich die Menschengruppe durch enge Gänge in Richtung Chorraum-Dachboden zwängt. „Wenn es nicht Abend wäre und die Tiere sowieso jetzt wach würden, könnten wir das nicht machen“, betont Anja Bäthge. Lange dauert es nicht mehr, dann sausen die kleinen Säuger (nicht Sauger!) durch die Schallluken im Glockenstuhl und andere enge Öffnungen nach draußen, um Insekten zu jagen.

Gerät macht Rufe hörbar

Bei der „1. Loburger Batnight“ wird es keine Führung auf Kirchturm oder Dachboden geben. Der Bereich bleibt geschützt. Draußen, am Fuße der Kirche, werden die Teilnehmer der Tour sicher trotzdem die kleinen Flieger zu Gesicht bekommen. Mehr noch: Mit Hilfe eines Gerätes werden die sonst unhörbaren Laute der Fledermäuse hörbar gemacht. Fledermäuse jagen und orientieren sich mit Hilfe der Ultraschall-Echoortung. Der Bat-Detektor wandelt die hochfrequenten Rufe der Fledermäuse in hörbare Laute um. Wenn das Geräusch in immer kürzeren Abständen zu hören ist und dann abbricht, weiß man, dass die Jagd erfolgreich war.

„Im normalen Suchflug erfolgt der Ortungsruf rund zehn Mal pro Sekunde. Wird Beute 'erhört', steigert sich die Ruffrequenz auf bis zu 100 Rufe pro Sekunde bis der Fang erfolgt“, kann man auf der Webseite des Nabu lesen. 

Genauer Termin wird noch bekannt gegeben

Weitere Stationen der „1. Loburger Batnight“ könnten ein Gewässer oder die Alte Mühle in Padegrim sein. Auch ihr stattete die Gruppe an dem Sichtungsabend einen Besuch ab.

Noch steht der genaue Termin für die „Loburger Batnight“ nicht fest. Es werde rechtzeitig informiert, versprechen die Organisatoren.

Die „Batnight“ in Loburg wird begleitet von der neu gegründeten Loburger Naju-Ortsgruppe. In dieser Gruppe sollen künftig Umwelt- und Naturprojekte mit Kindern durchgeführt werden.

Gut für Fledermaus-Experten, wenn nicht jeden Tag gefegt  wird. Kot als Nachweis für Fledermausbestand.
Gut für Fledermaus-Experten, wenn nicht jeden Tag gefegt wird. Kot als Nachweis für Fledermausbestand.
Foto: St. Zechendorf