Suchtprävention

Der tägliche Kampf gegen Drogen

Im Kampf gegen Drogen setzen Streetworker auf Aufklärung. Seit kurzem gibt es dafür in Burg ein First Aid Kis mit kleinen Hilfen.

Von Nicole Grandt

Burg l Der Reiz des Verbotenen kann sehr verlockend sein. Gerade für Jugendliche. Und Drogen haben immer noch den Hauch des Verruchten. Dazu verlocken sie, unbekannte Bewusstseinszustände zu erfahren. Kombiniert man dies, ergibt dies eine Mischung, der zahlreiche junge Menschen nicht widerstehen können.

Dessen ist sich auch Katja Glomm, Streetworkerin des gemeinnützigen Jugendwerks Rolandmühle bewusst: „Ich als Streetworkerin kann es den Jugendlichen nicht verbieten, Drogen auszuprobieren und ich kann es auch nicht verhindern. Aber ich kann darüber aufklären.“

Um Aufklärungsarbeit zu betreiben, werden nun von der Streetworkerin so genannte First Aid Kits verteilt. Neu ist diese Idee nicht, allerdings neu umgesetzt in Burg. „Soweit ich weiß, gibt es diese Kits auch schon in Rostock, Schwerin und Berlin“, so Katja Glomm. Diese Kits nimmt sie nun bei ihrer täglichen Arbeit als Streetworkerin mit und verteilt sie an Jugendliche. „Auf diese Weise kommt man auch sehr leicht ins Gespräch“, erklärt sie. Und gerade das Sprechen mit den Jugendlichen stuft sie als Prävention als sehr wichtig ein. „Wenn ich so überlege, dann spreche ich schon täglich mit meiner Zielgruppe. Und auch wenn ich es nicht verhindern kann, dass der eine oder andere Drogen nimmt, kann ich ihnen bewusst machen, was in diesen Drogen auch enthalten sein kann und dass man damit sehr vorsichtig umgehen muss.“

Was ist drin in den First Aid Kits? „Zunächst haben wir ein Traubenzucker-Bonbon. Falls jemandem schwindelig wird oder der Kreislauf nicht mitspielt, dann kann dies eine erste Maßnahme sein“, erläutert Glomm. Zudem beinhaltet das Tütchen ein Pflaster. „Einfach, falls man sich mal weh tut, im Rausch stürzt oder auch, wenn jemand Drogen mit einer Nadel gespritzt hat und sich dabei verletzt hat“, so die Streetworkerin weiter. Zum Inhalt gehört ein Erfrischungstuch, das allgemein zur Reinigung gedacht ist. „Es kann ja sein, dass jemand ein Rauschmittel ausprobiert und ihm davon übel wird. Falls man sich übergeben muss, kann man sich mit dem Tuch zumindest notdürftig wieder sauber machen.“ Ein weiterer Inhalt hat weniger mit Drogen zu tun, Katja Glomm findet ihn aber dennoch sehr wichtig: „Dem Kit ist ein Kondom beigelegt. Geschützter Geschlechtsverkehr ist einfach enorm wichtig, und außerdem kommt das bei den Jugendlichen gut an.“

Auf dem Tütchen ist ein Aufkleber angebracht, der auf die Arbeit der Streetworker hinweist. „Ich wollte auf jeden Fall, dass dies so prominent zu sehen ist, damit Jugendliche gleich vor Augen haben, an wen sie sich wenden können, falls sie merken, dass sie mit Drogen ein Problem haben“, betont Katja Glomm.

Der Bedarf an den First Aid Kits sei groß: „Gerade habe ich die ersten 150 gepackt, insgesamt werden es 5000. Und diese werden in diesem Jahr auch alle verteilt.“ Dennoch ist sich die Streetworkerin nicht sicher, wie viele Jugendliche in Burg das Thema Drogenkonsum betrifft. „Das kann man ganz schwer sagen, weil ja bei weitem nicht alle darüber reden, ob und was sie mal ausprobiert haben.“

Allerdings konnte Jan Eiglmeier von der Drogen- und Suchtberatung Burg auf die Fallzahlen verweisen. „Die Zahlen von 2019 liegen noch nicht vor, aber ich denke, dass sie ähnlich hoch sein werden wie 2018. In dem Jahr hatten wir 781 Beratungen in Burg und Genthin, davon waren 102 für Angehörige.“ Im Bereich Genthin sei Alkohol das häufigste Suchtmittel, in Burg hingegen Methampetamin, umgangssprachlich Crystal Meth genannt. Hinzu kommen Beratungen wegen unterschiedlicher Stimulanzien (202 Fälle) und wegen Cannabis (133 Fälle). „Andere Substanzen wie Kokain oder Heroin werden durchaus auch genommen, aber sehr viel weniger“, so Jan Eiglmeier.

Er stimmt mit Katja Glomm überein, dass vor allem bei Jugendlichen Aufklärungsbedarf herrscht. „Die Jugendlichen nehmen Extasy und wissen oft gar nicht, was drin ist, weil das so oft mit Zusätzen gestreckt wird. Dann landen sie im Krankenhaus und der Drogentest schlägt auf alle möglichen Substanzen an, von denen sie gar nicht wussten, dass sie in der Tablette enthalten waren.“ Auch im Bereich Cannabis sehe er große Wissenslücken: „Manche Jugendlichen denken, das wäre schon legal, weil sie das von ihren Freunden gehört haben. So verbreiten sich dann auch falsche Informationen, das Cannabis überhaupt nicht süchtig machen könnte.“

Unterstützt wird die Streetworkerin der Rolandmühle von der Partnerschaft für Demokratie Burg und südliches Jerichower Land, die die nötigen finanziellen Mittel für die Umsetzung der First Aid Kits zur Verfügung gestellt hat. Neben den praktischen Utensilien liegt dem Kit auch ein kleines Faltblatt bei, auf dem die Kontaktdaten von Anlaufstellen vermerkt sind, an die man sich wenden kann, wenn man Probleme mit Drogen hat oder sich einfach informieren will. Zudem gibt es wichtige Tipps, wie die Jugendlichen vorgehen sollten, wenn sie einer Person, die Drogen genommen hat und der es schlecht geht, Hilfe leisten wollen.

Gerade diese Tipps seien wichtig, sagt Katja Glomm, denn ihr sei bei ihrer Arbeit als Streetworkerin aufgefallen, dass es oft Fragen zum Thema Drogen gibt: „Es gibt wirklich noch viel Handlungsbedarf. Ich bekomme oft Fragen von Jugendlichen, die wissen wollen, was denn Eigenbedarf ist oder ob es diesen überhaupt gibt. Viele wissen nicht, dass man sozusagen schon im Besitz von Drogen ist, wenn man nur einmal an einem Joint von einem Freund ziehen will. Und auch wenn ein einmaliges Vergehen oft nicht geahndet wird, können Konsequenzen drohen. Wer mehrfach als Konsument auffällt, kann zum Beispiel Probleme bekommen, wenn er den Führerschein machen will.“

Die Streetworkerin weist darauf hin, dass es sich bei dem First Aid Kit allerdings nicht nur um ein Hilfsmittel handelt, wenn jemand illegale Drogen konsumiert hat: „Auch Alkohol ist eine Droge und auch damit kann es dazu kommen, dass man Hilfe braucht.“

Wer sich umfassender zu dem Thema informieren will, kann dies bei Streetwork Burg in der August-Bebel-Straße 30 in Burg tun oder sich mit der Streetworkerin Katja Glomm besprechen, die oft in Burg anzutreffen ist.