Genthin/Burg l Bei technischen Innovationen ist man heutzutage schnell mit Versionsnummern zur Hand. Bezeichnete die erste industrielle Revolution die Einführung von Dampfkraft zur Arbeitserleichterung folgten ihr weitere Entwicklungen, die ihren vorläufigen Höhepunkt in der sogenannten Industrie 4.0 gefunden haben. Damit wird die fortschreitende Vernetzung zwischen Menschen, Maschinen und Computerprogrammen bezeichnet. Dies gelingt jedoch nur mithilfe schnellen Internets.

Der Breitbandausbau im Jerichower Land komme gut voran und soll planmäßig bis Ende des Jahres abgeschlossen werden, versicherte Landrat Steffen Burchhardt (SPD).

Doch das ist erst der erste Schritt auf dem Weg in eine verstärkte Digitalisierung, wie die Teilnehmer einer Gesprächsrunde in den Räumlichkeiten der Tür Control Systeme AG (TCS) in Genthin erörterten.

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Um dies zu bewerkstelligen, soll ein Digitalisierungszentrum vom Technologie- und Gründerzentrum Jerichower Land (TGZ) errichtet werden, das sich mit 47.000 Euro daran beteiligt. Weiterhin wird das Projekt mit 187.000 Euro vom Wirtschaftsministerium des Landes Sachsen-Anhalt gefördert. Den Bescheid übergab dessen Staatssekretär Thomas Wünsch (SPD).

Erstes Ziel des Digitalisierungszentrums ist es, eine digitale Agenda des Landkreises in Anlehnung an die des Landes zu formulieren, wie Elisa Heinke, Geschäftsführerin des TGZ erklärte. Diese soll auf drei Bausteinen beruhen, die in der Runde ausführlich besprochen wurden.

Damit ist die Digitalisierung in der Verwaltung gemeint. „Es geht darum, die Arbeitsabläufe zu vereinfachen und zu vereinheitlichen“, sagte Steffen Burchhardt und nannte beispielhaft digitale Rechnungen, Vergabeverfahren und Akten. Er hatte aber auch ein Negativbeispiel parat: „Die Online-Abmeldung von Autos wurde vom Bund verpflichtend eingeführt. Durchgesetzt hat es sich jedoch nicht, da man dafür ein Kartenlesegerät für den Personalausweis braucht“. Der Digitalisierungsprozess müsse also einen Mehrwert für Bürger und Verwaltungsmitarbeiter haben.

Wirtschaftsdigitalisierung

Weiterhin wurde die Digitalisierung in Unternehmen besprochen. Die einzelnen Gewerbe auf Baustellen kommunizierten heutzutage schon zu einem Großteil digital miteinander, um ihre Arbeitsabläufe zu koordinieren. Zugleich würden die Dokumente immer noch auf Papier übermittelt, kritisierte Gernot Kerl, Geschäftsführer des Unternehmens Sibau.

Florian Herth, Geschäftsführer von TCS, monierte, dass es schwierig sei, qualifizierte, IT-nahe Mitarbeiter in die Region zu holen, da diese vornehmlich in den Großstädten blieben. Beide Unternehmer wünschten sich zudem Workshops zur Weiterbildung ihrer Mitarbeiter, die es laut Staatssekretär Thomas Wünsch bereits gibt.

Stellvertretend für die Schülerschaft erzählte die Gymnasiastin Emma Hold, wie sie den Stand der Digitalisierung in der Schule derzeit empfindet. „Wir recherchieren auf vorgegebenen Internetseiten. Und unser Mathelehrer benutzt eine Lern-App mit uns“, sagte sie. Ansonsten halte sich der Einsatz digitaler Lernmedien in Grenzen. Sowohl Thomas Wünsch als auch Steffen Burchhardt wiesen darauf hin, dass viele, vor allem ältere Lehrer, erst für diese Thematik sensibilisiert werden müssten. Doch dürften auch die analogen Medien nicht vernachlässigt werden. „Wir brauchen beides nebeneinander“, so Steffen Burchhardt.

Bei der Gesprächsrunde wurden die Vor- aber auch Nachteile des Digitalisierungsprozesses diskutiert. Es wurde deutlich, dass auf dem Weg zu einer umfassenden Digitalisierung noch einiges zu tun ist. Das Digitalisierungszentrum soll dafür als Anlaufstelle und Vermittler für alle Teilnehmer dienen.

Zudem hat die Kreisverwaltung eine neue Stelle geplant, die die verschiedenen Vorhaben koordinieren soll. Eine konkrete Berufsbezeichnung gebe es indes noch nicht.