Viel Unsicherheit bei den Mietern in der Burger Einsteinstraße

Ein kurzer Brand mit unangenehmen Folgen

Von Franziska Ellrich

Zwei Wochen nach dem Brand im Keller eines Mehrfamilienhauses in Burg: Verrußte Möbel, fehlende Türen und Fenster im Keller, viele offene Fragen bei den Mietern. Eine davon: Wer kommt für den Schaden auf?

Burg l "Plötzlich für eine ungewisse Zeit auf der Straße zu stehen, ohne Hab und Gut, das war ein so hilfloses Gefühl", sagt René Sellmann. Er ist einer der Mieter, in deren Keller des Wohnhauses in der Burger Einsteinstraße sich der Gaskessel entzündete und einen Brand entfachte. Fast vier Tage lang konnten die sechs Parteien nicht zurück in ihre Wohnungen. Die Rauch- und Rußentwicklung sowie die Ermittlungsarbeiten der Polizei machten dies unmöglich. Zum Glück konnte René Sellmann erstmal bei seiner Mutter unterkommen, das hieß aber auch, 120 Kilometer zum Arbeitsplatz zu pendeln. Endlich zurück in seiner Wohnung, waren die Räume total ausgekühlt. Das Unglück passierte in der kältesten Woche des Winters mit Temperaturen von bis zu minus 20 Grad. Trotzdem der Vermieter so schnell wie möglich einen neuen Gaskessel einbauen ließ, reichte die kurze Zeit, um die Rohre im obersten dritten Stockwerk einfrieren zu lassen. Ein Wasserschaden in der Wohnung darunter war nicht zu vermeiden. Alles Folgeschäden, die eine Rückkehr in den Alltag nach so einem Schock erschweren. Die Mieter sind verunsichert. Was wird ihnen ersetzt, was nicht? Wie lange müssen sie mit den Schäden am Haus leben?

Die Bewohner im obersten Stock hatten nicht das Glück wie René Sellmann, in der Nähe bei Familienmitgliedern unterzukommen. Sie mussten in einer Pension übernachten, aber die Kosten dafür müssen in so einem Fall die Mieter nicht selbst tragen. Dafür sei die Versicherung des Eigentümers zuständig, diese müsse die Rechnung im Nachhinein ersetzen, erklärt Dieter Mika vom Mieterverein Sachsen-Anhalt. "Wir hätten uns eine Pension gar nicht leisten können", so eine Mieterin. "Für solche Fälle hat die Stadt Burg extra eine Wohnung eingerichtet", sagt Marina Döhlert von der Stadtverwaltung. Die Vierraumwohnung befände sich mitten im Zentrum und halte acht Betten bereit. Natürlich müssten die Betroffenen für die Unterbringung im Notfall nichts zahlen.

Die Kosten für den neuen Heizkessel im Keller in der Einsteinstraße von über 10 000 Euro hat der Hausbesitzer erstmal vorgestreckt. Auch, um so schnell wie möglich eine Reinigungsfirma durch das Haus zu schicken, ist er in Vorleistung gegangen. Doch mit dem Ruß ist es ein bisschen wie mit dem Felsblock von Sisyphos. "Kaum habe ich mein weißes Sofa abgeschrubbt, ist es wieder grau", erzählt eine genervte Mieterin. Ihre Nachbarin musste sogar für ihren chronisch kranken Sohn Bettzeug und Kleidung neu kaufen. Damien hat Asthma und leidet besonders unter der Ruß- und Rauchbelastung. "Am schlimmsten sind für mich die Nächte, ich kann einfach nicht mehr ruhig schlafen", erzählt die Mutter des Zweijährigen. Sie habe von der Feuerwehr erfahren, dass 30 Minuten später sie alle hätten an einer Rauchvergiftung sterben können. Die Mieterin hat nun sofort Rauchmelder für ihre Wohnung angeschafft.

Die Kosten für die Reinigung oder im schlimmsten Fall für die Neuanschaffungen müssen die Mieter vorraussichtlich selbst tragen, informiert Dieter Mika vom Mieterverein Sachsen-Anhalt, es sei denn, sie haben eine eigene Hausratversicherung.

Die Versicherung des Eigentümers kommt nur für die Schäden am Haus auf.

Die Mieter sind beunruhigt, für sie sei noch soviel ungeklärt. Das sieht Vermieter Frank Müller anders: "Auch die weiteren Maßnahmen sind in die Wege geleitet, aber wir müssen noch auf das Okay der Versicherung warten." Sobald Kostenvoranschläge eingereicht sind, dauere die Bearbeitung des Versicherungsfalls durchschnittlich zwischen zwei und drei Tagen, erklärt Beatrix Höbner von der Helvetia Versicherung. Nun lege es an dem Vermieter, schnellstmöglich Handwerker zu kontaktieren und solche Voranschläge einzuholen. Weitere Maßnahmen müssten unter anderem der Einbau neuer Kellerfenster und -türen sein, erzählt René Sellmann. "Die Feuerwehr hat ja alles eintreten, um den Rauchabzug zu gewähren", so der Mieter. Eintreten musste die Feuerwehr auch beide Wohnungstüren im dritten Stock, da die Retter in den blauen Uniformen davon ausgehen mussten, dass die Mieter noch schlafen.

Mit dem Austausch der Türen hat Vermieter Frank Müller nicht erst auf die Entscheidung der Versicherung gewartet. Doch es gibt noch viel zu tun. "Ich habe überall Risse in den Wänden entdeckt, die vor dem Brand noch nicht da waren", sagt René Sellmann. Zum Glück habe Raik Wedler noch Schlimmeres abgewendet, indem er den Brand früh genug entdeckt hat.

Bedankt hat sich der Vermieter in all dem Trubel bei seinem aufmerksamen Mieter noch nicht. Aber: "Das soll noch folgen", versichert Frank Müller.