Blühfläche in Lostau

Eine reiche Blüte ist nur mit Mahd möglich - weitere Wiesen für Möser denkbar

In dieser Woche wird die Blühwiese im Wohngebiet Grabenbruch in Lostau gemäht. Der Bauhof der Gemeinde Möser und die das Projekt begleitende Hochschule Anhalt erklären, warum das wichtig ist, obwohl die Wiese gerade so schön blüht.

Von Anke Reppin
Obwohl sie so schön blüht, wird die Blühwiese im Grabenbruch in Lostau jetzt abgemäht. Das ist eine wichtige Unterhaltungsmaßnahme.
Obwohl sie so schön blüht, wird die Blühwiese im Grabenbruch in Lostau jetzt abgemäht. Das ist eine wichtige Unterhaltungsmaßnahme. Foto: Gemeinde Möser

Lostau - Blühwiesen haben Hochkonjunktur. Nicht nur, weil es immer mehr davon gibt, sondern auch, weil sie zurzeit überall so schön blühen. In der Gemeinde Möser staunten manche Einwohner deshalb nicht schlecht, als in den vergangenen Tagen die Gemeindearbeiter die eine oder andere Wiese runter mähten. In einer geschlossenen Facebook-Gruppe äußerten sich einige Möseraner sauer, andere traurig darüber, dass die blühenden Wiesen plötzlich abgemäht waren. So auch im Gladiolenweg in Möser. Hier musste „leider aktuell abgemäht werden“, sagt Andrea Grams vom Bauhof der Gemeinde Möser, weil es eine invasive Entwicklung einer Pflanzenart gegeben habe. Die Blühwiese käme aber wieder in Gang, verspricht Grams.

Wiese im Grabenbruch wird gemäht

Auch an der Blühwiese im Wohngebiet Grabenbruch in Lostau, in der Nähe des dortigen Spielplatzes, werde in dieser Woche eine erste Mahd vorgenommen, kündigt Andrea Grams vorsorglich an. Der zweite Schnitt soll 14 Tage später erfolgen. Die hier vorhandenen Disteln sollen per Hand weggenommen werden.

Bei der Blühwiese im Grabenbruch sowie Flächen am Netto und im Gladiolenweg in Möser handelt es sich um ein Pilotprojekt „Umbruch von kommunalen Grünflächen“, mit dem die Gemeinde Möser 2019 begonnen hatte. Die allgemeine Sensibilisierung  für die Themen Insekten, Biodiversität und Artenvielfalt sei der Hintergrund gewesen, berichtet Andrea Grams.

Vor zwei Jahren war im Grabenbruch der Boden für die Blühfläche vorbereitet worden. Die Pflanzeinmischung wurde extra für sandige Böden abgestimmt, die innerhalb von Ortslagen des  mitteldeutschen Tief- und Hügellandes liegen. Eine entsprechende Liste habe die Hochschule Anhalt zur Verfügung gestellt, sagt Grams. Die Mischung sei dann bei einem zertifizierten Saatguthersteller erworben worden.

Der Fachbereich Landwirtschaft, Ökotrophologie und Landschaftsentwicklung der Hochschule Anhalt begleitet das Pilotprojekt der Gemeinde Möser. Zur anstehenden Mahd der Blühwiese erklärt die dortige Diplom-Ingenieurin Sandra Mann: „Die Pflege muss durch eine Mahd erfolgen, bei der das Mahdgut abgeräumt wird. Dies ist wichtig, damit Nährstoffe entzogen werden und sich keine Streuschichten bilden können. Durch die Mahd mit Biomasseentzug wird die Entwicklung der Kräuter gefördert.“

Die Mahd der Flächen dürfe nicht zu spät erfolgen. „Bis Mitte Juni sollte stets der erste Schnitt erfolgt sein“, rät Mann. Man habe allerdings verschiedene Möglichkeiten, um Teilflächen zu erhalten. So unter anderem das Belassen eines Altgrasstreifens. Dazu  könnten zehn bis 20 Prozent der Bestände stehen bleiben. Diese könnten dann bei einem zweiten Schnitt oder auch im nächsten Jahr mitgemäht werden, so die Diplom-Ingenieurin der Hochschule Anhalt. Solche Altgrasstreifen müssten allerdings in den Jahren rollieren.

Ebenfalls möglich sei es, so Sandra Mann, einen ersten Teil der Fläche jetzt recht kurzfristig zu mähen und den zweiten Teil zwei Wochen später. Bei der zweiten Mahd würden auf der zuerst gemähten Fläche bereits wieder die ersten Arten zu blühen beginnen, erklärt sie auch. „Da Sie mit ihrer Fläche erst im zweiten Standjahr sind, würde ich für dieses Jahr sogar eher diese zweite Variante empfehlen, da somit noch im Juni, spätestens Anfang Juli, einmal vollständig die Biomasse entfernt wird. Das ist für die sichere Etablierung vorteilhaft“, schreibt Mann an den Bauhof Möser. Die abschnittsweise Mahd empfehle sich auch deshalb, weil die Fläche hier am Grabenbruch relativ groß sei. Für die Tierarten könnten so Nahrungs- und Rückzugsräume erhalten bleiben.

Mahd ist wichtig für die Entwicklung der Fläche

Es werde sicherlich Beschwerden geben, wenn die schönen blühenden Pflanzen gemäht werden, sieht die Diplom-Ingenieurin voraus. „Für die Entwicklung der Fläche und den Erhalt blütenreicher Bestände ist es aber sehr wichtig, dass die Mahd nicht zu spät erfolgt“, erklärt Sandra Mann. Außerdem gebe es eine schnellere zweite Blütenentwicklung, umso eher man mähe.

Wenn es nach Andrea Grams geht, dann könnten perspektivisch weitere Blühwiesen in der Gemeinde Möser angelegt werden. „Jetzt sammeln wir unsere Erfahrungen und werden sehen, ob weitere Flächen dafür in Frage kommen“, sagt sie. Da die Mahd aufgenommen werden müsse, wolle die Gemeinde darüber hinaus schauen, ob sich zukünftig jemand findet, der die Mahd verwerten kann, oder ein örtlicher Bauer, der die Pflege einer Fläche übernimmt. Dazu müssten die Wiesen allerdings erst mal richtig stehen.

Mehrjährige Blühflächen fördern die biologische Vielfalt. Sie bieten wichtige Brut- und Nahrungsräume für Pflanzen und Tiere. Als ökologisch besonders hochwertig gelten mehrjährige Blühflächen aus regionalen Wildpflanzen, wie die im Lostauer Grabenbruch.

Die Blühwiese im Grabenbruch in Lostau wurde 2019 angelegt.
Die Blühwiese im Grabenbruch in Lostau wurde 2019 angelegt.
Foto: Gemeinde Möser