Burg l Fünf Minuten laufen, dann Gymnastik, bis der Körper in Schwung kommt, und dann Seilspringen. Erst dann fliegen im Boxring die Fäuste... Roberto Komorowski hat schon Generationen von Boxern trainiert. Dass es eines Tages in der Kreisstadt keine Trainingsstätte mehr geben wird, wäre ihm nie in den Kopf gekommen. Jetzt hat er das Kündigungsschreiben in der Hand. Den Flachbau an der Niegripper Chaussee müssen sie aufgeben. „Die Zukunft ist total offen“, sagt Komorowski und fürchtet zugleich um die lange städtische Tradition dieser Sportart.

Was ist geschehen? Der DRK-Kreisverband Jerichower Land/Magdeburg hat das nebenstehende ehemalige und heruntergekommene Lehrlingswohnheim samt dem Flachbau gekauft. Der Plattenbau aus den 1970er Jahren soll für seniorengerechte Apartments umgebaut werden, der Flachbau, der bislang als Sportstätte diente, ist für eine künftige Tagesbetreuungsstätte geplant. Mit den eigentlichen Bauarbeiten rechnet das DRK nach allen Genehmigungen und Fördermittelzusagen im Herbst. „Wir haben die Sportler rechtzeitig über die Investition informiert. Beide Häuser benötigen wir für eine Einheit“, sagt DRK-Vorstand Frank-Michael Ruth.

Verständnis für Umbau

Dafür haben auch Burgs Boxer Verständnis. „Dass hier nach so vielen Jahren nun gebaut wird und etwas Neues entsteht, ist verständlich“, sagt Komorowski. „Doch wir stehen nun vor einem ernsten Problem.“ Die Sektion Boxen, die zum TSV Einheit Burg gehört, besteht noch aus 20 Mitgliedern. Viele von ihnen treffen sich bislang immer dienstags und donnerstags, um zu trainieren. „Es kommen natürlich nicht immer alle. Das ist schon arbeitsbedingt nicht möglich. Aber dennoch gehören viele zum festen Stamm“, sagt Komorowski. Auch das Stand up-Projekt, das das Jugendwerk Rolandmühle mit auf den Weg gebracht hatte, nahm in dem Gebäude erst richtig Fahrt auf. Unter dem Motto „Boxen für ein gewaltfreies Miteinander“ haben sich über Jahre junge Leute, auch mit Migrationshintergrund, zusammengefunden, um in der Gruppe Sport zu treiben. „Das war ein professionelles Projekt“, versichert Komorowski.

Auch Birk Gender gehört seit Jahren mit zu den Burger Boxern. „Ich hoffe, dass wir nicht aufgeben müssen und es weiter geht“ – und gibt im Ring sein Bestes. Eine geeignete Halle zu finden, werde nicht ganz leicht sein, wissen die Sektionsmitglieder. Benötigt wird etwa eine Fläche von 100 Quadratmetern für einen Ring, daneben sollte auch die Möglichkeit bestehen, die schweren Sandsäcke an der Wand montieren zu können. Die seien ein wichtiger Bestandteil für das Training. Denn ohne Übung kein Meister. Und dabei hat Burg schon einmal Geschichte geschrieben. Mit Bert Schenk beispielsweise konnte 1999 im Profi-Mittelgewicht bis 72 Kilogramm ein Burger einen Weltmeister-Titel erringen, erinnert Komorowski. „Wir können hier im Boxen auf viele sportliche Erfolge verweisen und stolz darauf sein.“ Solche Höhen werden zwar derzeit nicht mehr erreicht, aber zumindest wird der Boxsport noch aktiv betrieben, „wenngleich wir uns über Nachwuchs freuen“.

Bürgermeister Jörg Rehbaum (SPD) sieht durchaus Möglichkeiten, dass die Boxer weiter trainieren können. „Möglicherweise schaffen wir einen Ringtausch zwischen den Sportfreunden, die die Räume in der Kesselstraße nutzen, und denen, die jetzt in kommunalen Hallen trainieren.“ Die Stadt sei in jedem Fall gesprächsbereit. „Ich bin sicher, dass wir gemeinsam eine Lösung finden.“