Möckern l „Treppenhaus brennt komplett – kein Weiterkommen“. Diesen Zettel hatte Möckerns Stadtwehrleitung über das Schild „Ausgang“ an der Tür des Hauptamtes gepinnt. Und daran mussten sich die Kameraden bei ihrer Einsatzübung halten. Das Problem: das Hauptamt befindet sich im Dachgeschoss. Würden die Kameraden der Ortsfeuerwehren Möckern, Wallwitz und Zeddenick es schaffen, die eingeschlossenen Personen zu retten?

Vorgegebenes Szenario

Gelingen konnte das nur mit der Drehleiter, welche an die Rathausbrüstung reicht. Dort oben gibt es einen schmalen Ausgang aufs Dach, den die Mitarbeiter im Ernstfall nutzen können. Bei der Übung hatten erwachsene und jugendliche Feuerwehrleute aus Hobeck die Rolle von Rathausmitarbeitern übernommen. So stellte Kamerad Rudolf Werner Bücken einen Verletzten dar. Das von der Stadtwehrleitung vorgegebene Szenario sah ein gebrochenes Bein vor. Wieder auf ebener Erde angekommen, zollte der Hobecker seinen „Rettern“ Respekt für deren Arbeit. Der Austritt aufs Dach erwies sich für seine Körpergröße allerdings als reichlich knapp.

Defekte PC-Anlage

Das von der Stadtwehrleitung erarbeitete und vom Stadtbürgermeister abgenickte Szenario sah einen Defekt der PC-Anlage vor. Die starke Verqualmung forderte drei Personen mit Brandverletzungen und Rauchgasvergiftungen im Dachgeschoss. Die Menschenkönnten sich nicht alleine retten. Eine Etage tiefer sollten vier weitere Personen, eine davon mit Herzinfarkt, über das Fenster gerettet werden. Denn es gibt in dem historischen Gebäude nur ein einziges Treppenhaus. Aktuell hat das Verwaltungsgebäude nur wegen seines Denkmalschutzes überhaupt Bestandschutz.

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Stadtwehrleiter lobt Ablauf

Nach knapp einer halben Stunde war die Übung dann wieder beendet. Sämtliche Personen waren gerettet, das Feuer gelöscht. In einer ersten Bilanz zeigte sich Möckerns Stadtwehrleiter Meik Schulz zufrieden mit dem Ablauf der Übung: „Das Zusammenspiel der Wehren hat funktioniert, die Wasserversorgung erfolgte relativ zügig, ebenso die Personenrettung.“

Auswertung folgt

Auch Reinhard Stube, Einsatzleiter und Ortswehrleiter von Möckern, wollte nach der Übung keine Kritik üben. In den kommenden Tagen steht die interne Auswertung mit der Stadtwehrleitung und der Stadtverwaltung an, damit danach dem Landkreis Jerichower Land Bericht erstattet werden kann. Dessen untere Brandschutzbehörde hatte mit Blick auf die historische Bausubstanz und fehlende Brandschutzeinrichtungen die Übung dringend empfohlen.

Dialog mit Bürgerinitiative

Für Möckerns Stadtbürgermeister Frank von Holly stand nach der Übung indes fest, dass am Rathaus Handlungsbedarf besteht. Er glaubt, dass die Rettung von Personen im Rathaus allein mit feuerwehrtechnischen Mitteln nicht ausreiche. Besonders der Einsatz der auf der linken Rathausseite verwendeten Steckleitern sei zeitaufwändig gewesen. Für ihn sei daher fraglich, ob es im Ernstfall zur Rettung von Personen aus den oberen Etagen reiche. Konsequenz für den Stadtbürgermeister: an das Rathaus müsse ein zweiter Rettungsweg angebaut werden. Der Stadtchef glaubt zudem, dass dann auch ein Aufzug verpflichtend sei.

Bitte um Verständnis

Von Holly denkt an einen Teil des verworfenen Rathausanbaus, in dem Treppe und Aufzug vorgesehen waren. „Ich werde das Gespräch mit den Initiatoren des Bürgerbegehrens gegen den Rathausanbau suchen und um Verständnis für die Notwendigkeit von Treppe und Aufzug bitten.“ Von Holly vermutete am Freitag, dass für einen solchen Anbau der Platz des Hinterhofes vom Rathaus ausreichen könnte.

Auf den Termin der Einsatzübung hatten sich Stadtwehrleitung und Landkreis mit der Stadtverwaltung verständigt. Dabei spielten laut Stadtwehrleitung bürokratische Vorlaufzeiten, Materialkapazitäten im Feuerwehrtechnischen Zentrum des Landkreises und die Urlaubszeit eine Rolle.