Genthin l Mohamad Rakans Lieblingsspeise ist Reis mit Auberginen und Fleisch – ein syrisches Nationalgericht. In Syrien hatte er ein eigenes Restaurant, ein Auto, ein Haus. Er ist ein gelernter Koch. Während des Krieges ist er geflohen. Jetzt lebt er in Genthin und will arbeiten. „Ich würde gern etwas in einem Restaurant machen“, sagt er.

Dieses Schicksal teilt er mit 142 Asylbewerbern. Sie wohnen in 25 Wohnungen in der Genthiner Einsteinstraße. Hier teilen sie sich zu fünft 70 Quadratmeter. Die Einrichtung ist schlicht. Fünf Betten, ein Tisch, Stühle und eine Küche. „Für die Übergangszeit ist das wirklich in Ordnung. Da habe ich schon Schlimmeres gesehen“, sagt Bundestagsabgeordneter Manfred Behrens (CDU). Zusammen mit Genthins Bürgermeister Thomas Barz (parteilos) und Kreistagsmitgliedern schaute er sich gestern die Unterkunft der Asylbewerber an. „Wir präferieren die dezentrale Unterbringung“, betont der Genthiner Bürgermeister.

Verhandlungen für weitere Unterkünfte

29 Wohnungen gibt es auch in Burg. Dazu eine Gemeinschaftsunterkunft, die 150 Asylbewerber beherbergt. Mit dem Beschluss des Kreistags in der vergangenen Woche wird ein zweites Gebäude für weitere 150 Asylbewerber in Anspruch genommen. Weitere Alternativen sind gefragt, da sich die Anzahl der Bürgerkriegsflüchtlinge und Asylbewerber bis Jahresende auf 1000 verdoppeln wird. Alle Gemeinden seien aufgefordert, geeignete Objekte zu melden. „Wir haben einen Mitarbeiter abgestellt, der alle möglichen Varianten auf die Realisierbarkeit, tatsächliche Verfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit prüft“, erklärt Landrat Steffen Burchhardt (SPD). Dabei kämen alle Varianten auf den Tisch: von Wohnungen und Gemeinschaftsunterkünften bis hin zu Containerbauten. Ende der Woche soll es einen vorläufigen Überblick geben. „Da wir vor dem sprunghaften Anstieg nicht untätig waren, laufen bereits die ersten Vertragsverhandlungen. Auch werden parallel weitere Möbel angeschafft, da mittlerweile auch hier mit deutlichen Lieferverzögerungen zu rechnen ist“, betont Burchhardt. Derzeit arbeite der Landkreis an einem Notfallplan, falls die zugewiesenen Zahlen die aktuellen Prognosen stark übersteigen. „Der Landkreis hat die Situation momentan aber weitestgehend unter Kontrolle“, macht er deutlich.

Das bestätigt auch der Genthiner Bürgermeister. „Wir haben Wohnungsleerstand, aber ein Problem bei der Unterbringung? Das können wir niemandem vermitteln. Darum ist es gut, dass der Kreis auf die Kommunen zugeht.“ Man müsse auch die momentane Situation als Chance begreifen, gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels.

In der Genthiner Einsteinstraße sitzen Ingenieure, Ärzte, Handwerker, die gern arbeiten wollen. Dürfen es aber nicht, weil sie den Status eines Asylbewerbers haben. Das weiß auch Wahid Kulijew, der als ihr Ansprechpartner in Genthin fungiert. „Die Lage hat sich schon verbessert. Sie verstehen, dass sie unbedingt unsere Sprache lernen müssen, um sich zu integrieren“, sagt der Sozialarbeiter. Dabei packen viele auch mit an, wenn Arbeiten an den Häusern zu verrichten sind. Demnächst soll ein Integrationskurs für die Asylbewerber beginnen. Reibereien oder Auseinandersetzungen hat es in der Einsteinstraße bisher nicht gegeben. „Wenn man gegenseitig Respekt füreinander hat, dann funktioniert auch eine Integration“, ist sich Kulijew sicher.

Mohamad Rakan ist dankbar, dass er in Deutschland sein darf. Das sagt er in gebrochenem Deutsch. Und Kulijew weiß: „Hier hat er alles, was er braucht. Ruhe ohne Krieg.“