Burg l Das Coronavirus beeinflusst derzeit das Leben von allen Menschen und auch deren Arbeit. Ganz besonders betroffen sind Menschen, die eben nicht im Home-Office arbeiten können, sondern direkt mit Menschen kooperieren müssen. Zum Beispiel mit Menschen, die Hilfe benötigen, so wie es im Frauenhaus in Burg der Fall ist.

Eine befürchtete Auswirkung der Corona-Pandemie ist die Zunahme von häuslicher Gewalt. Dies kann Susann Schuster, Leiterin des Frauenhauses in Burg in der Trägerschaft des DRK, bisher glücklicherweise nicht bestätigen: „Derzeit haben wir, wie sonst auch, eine oder zwei Anfragen in der Woche.“ Vor vier Wochen, zu Beginn der Maßnahmen zum Schutz vor dem Virus, ging es allerdings turbulenter zu. „Da waren es dann plötzlich acht bis zehn Anfragen, so viele haben wir sonst nie.“

Aufnahmestopp – ja oder nein?

Sie führt dies zurück auf die Verunsicherung, die die Vorgaben bei vielen Menschen und eben auch den Frauenhäusern auslöste. Es war unklar, ob noch Frauen aufgenommen werden können oder nicht – und falls doch, unter welchen Sicherheitsbestimmungen. Im Burger Frauenhaus selbst wurden in den vergangenen Wochen wegen der Pandemie keine Frauen aufgenommen, es stehen allerdings zwei separate Wohnungen zur Verfügung, die genutzt werden können, wenn eine Frau Hilfe benötigt. Zudem stehen gerade Überlegungen im Raum, den Aufnahmestopp in einigen Tagen aufzuheben. „Jedes Haus beziehungsweise dessen Träger entscheidet je nach Lage selbst über einen Aufnahmestopp oder dessen Dauer“, meint Susann Schuster. Die Schutzwohnungen seien beispielsweise auch geeignet, wenn eine Frau mit dem Coronavirus infiziert ist und Schutz benötigt. So könnte sie eine sichere Unterkunft bekommen, ohne dass sie mit anderen Bewohnerinnen in Kontakt kommt. „Auch in den Schutzwohnungen werden wir selbstverständlich Ansprechpartner sein und auch dort helfen, beraten und unterstützen. Ob wir noch persönlich beraten können oder auf eine Online-Beratung beziehungsweise Telefonberatung - mit und ohne Skype - zurückgreifen müssen, werden wir von der aktuellen Situation abhängig machen müssen“, so Susann Schuster.

Trotz Veränderung weiter voller Einsatz

Das Coronavirus hat viele Einschnitte bei der Arbeit des Frauenhauses verursacht. Das betrifft sowohl die Organisation als auch die praktische Arbeit. „Ich bekomme derzeit unglaublich viele Emails mit einem Schwall an Informationen“, so die Frauenhaus-Leiterin. „Auch die Kooperation mit Behörden und anderen Institutionen ist derzeit schwieriger, weil manche geschlossen oder die Mitarbeiter seltener zu erreichen sind.“

Das Virus hat den persönlichen Kontakt mit den Bewohnerinnen verändert, dennoch ist Susann Schuster mit ihrem Team nach wie vor mit vollem Einsatz für die Frauen da. Dann allerdings mit Sicherheitsvorkehrungen wie genug Abstand. „Das ist schon eigenartig, gerade bei so hochemotionalen Themen, wenn man dann mehrere Meter auseinander steht“, so die Frauenhaus-Leiterin.

Auch an den Bewohnerinnen geht die Pandemie mit ihren Einschränkungen nicht spurlos vorbei. „Sie haben alle Merkzettel mit den Maßnahmen erhalten, wie man sich jetzt zu verhalten hat. Aber es ist eben im Alltag nicht leicht, danach zu leben. In den Zimmern gibt es beispielsweise weder Radio noch einen Fernseher. Einen Fernseher gibt es im Gemeinschaftsraum, aber dort dürfen sich die Bewohnerinnen nicht zusammen aufhalten“, erläutert Susann Schuster alltägliche Schwierigkeiten. „Insgesamt ist diese Zeit für unsere Arbeit ein Ausnahmezustand. Eine Bewohnerin verlor eine Angehörige, die mit dem Virus infiziert war. Sie ist natürlich extrem verunsichert.“

Vorsicht und Hygiene sind wichtig

Normalerweise sind die Zimmer für die Frauen private Rückzugsräume. „Derzeit müssen wir aber alle verstärkt darauf achten, dass in unseren Räumlichkeiten alle Hygiene-Maßnahmen umgesetzt werden. So erinnern wir die Frauen ans regelmäßige Lüften oder auch daran, dass die Flächen desinfiziert werden.“ Derzeit beherbergt das Burger Frauenhaus mehrere Bewohnerinnen. Ihnen stehen zwei Badezimmer zur Verfügung. Hygiene-Regeln wie häufiges Händewaschen lassen sich somit also problemlos umsetzen. Wie es in den kommenden Wochen weiter geht, weiß die Leiterin noch nicht. „Wir müssen abwarten, welche neuen Regelungen es gibt und unsere Arbeit dann daran orientieren.“