Dornburg l Straff in Folie eingeschlagen ist das Speichergefäß, damit seine Wände nicht nachgeben. Es steht im Maurerkübel auf einem Sandbett und erhält durch den seitlich eingefügten Karton zusätzliche Stabilität. Vorsichtig nimmt Rüdiger Werner mal einen Handfeger, mal eine Kelle zur Hand, um den Inhalt des Speichergefäßes zu leeren. Das, was wie Sand aussieht, kommt in eine große, verschließbare Plastiktüte. Beim Sieben könnten die Archäologen noch fündig werden. Getreidereste wären beispielsweise vorstellbar. Zu denen können dann Archäo-Botaniker genauere Auskunft geben. Bislang befanden sich neben dem Sand ein paar Stückchen Holz im Gefäß. Und eben die Mergelschicht in einer Ecke, die Rüdiger Werner mit Handfeger und Kelle behutsam freilegt. Was aber hat die Mergelschicht in dem Gefäß zu suchen?

Eine Antwort hat Johanna Kutowsky, die seit letztem Herbst die archäologischen Ausgrabungen des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie in Dornburg leitet, nicht sofort parat. Aber ein paar Theorien.

Das Pinseln mache nur einen kleinen Teil seiner Arbeit aus, erzählt Rüdiger Werner, während er mit der Kelle Sand in die Tüte füllt. Der Großteil bestehe aus harter, körperlicher Arbeit.

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20 Kisten

Etwa 20 große Kisten an Keramik wurden bei den Ausgrabungen in Dornburg in Vorbereitung des Deichbaus gefunden. Jede einzelne Scherbe wurde vor Ort mit den wichtigsten Angaben wie Fläche, Lage und Fund eingetütet. Im Dorfgemeinschaftshaus in Dornburg werden die Funde derzeit gewaschen (außer Metall), genauer untersucht und in die Datenbank eingepflegt. Jedes einzelne Fundstück erhält maschinell die Kurzfassung des Fundzettels aufgedruckt. In einigen Fällen müssen die Archäologen auch ganz klassisch mit Tusche und Feder schreiben. Ein Barcode wird später noch helfen, die Funde schnell im Depot wiederzufinden.

Neben den Scherben konnten die Archäologen verschiedene Spinnwirteln in unterschiedlichen Größen und einige sogar mit Verzierungen bergen. In den Grubenhäusern wurden zudem Wetzsteine zum Schleifen und Ahlen zum Durchbohren von Leder und grobe Nadeln zum Knüpfen oder Reparieren von Netzen entdeckt.

Reibesteine gefunden

Zu den schönsten Funden zählen ein komplett erhaltenes Gefäß und ein Gefäß, das wieder zusammengesetzt werden konnte. Ein drittes Gefäß, das sehr anschaulich ist, wurde aus Teilen zusammengefügt, die aus verschiedenen Grubenhäusern stammte. Das erkennt man unter anderem dadurch, dass die einzelnen Oberflächen anders korrodiert sind.

Zwischen zehn und 15 Reibesteinen sind über die gesamte Ausgrabungsfläche geborgen worden. Auf einem Unterlegstein wurde mit ihnen Getreide gemahlen.

Das so viele Gebrauchsgegenstände gefunden wurden, sei für eine Ausgrabung in einer ehemaligen Siedlung völlig normal, erklärte Johanna Kutowsky. Auch, dass sich die Gegenstände nicht im besten Zustand befanden. „Wurde eine Siedlung aufgegeben, hat man das Wertvolle mitgenommen. Zurück blieb nur, was man nicht mehr brauchte.“ Metall wurde so und so wieder eingeschmolzen, um es wiederverwenden zu können.

Anders seien Ausgrabungen auf einem ehemaligen Gräberfeld. „Dort kann man dann Sachen finden, die extra in die Gräber mit reingepackt worden sind.“

Die Einladung von Ortsbürgermeister Andreas Steinz, auf einer Veranstaltung in Dornburg die archäologischen Funde vorzustellen, will Johanna Kutowsky gern annehmen. Nach bisherigem Stand wird es bis jedoch noch Ende März dauern, bis sie soweit ist.