Schlosspark wird Anfang 2022 zur Baustelle

Für ökologische Durchlässigkeit der Ehle rollen im Februar Baufahrzeuge durch Möckerns Landschaftspark

Im Frühjahr 2022 verwandelt sich der Schlosspark Möckern in eine Baustelle. Dann nämlich soll mit der Entschlammung der hier verlaufenden Ehle begonnen werden.

Von Stephen Zechendorf
Die Gewässer im Schlosspark sollen entschlammt werden. Hier ein Blick auf den ?Tempelteich? und den ?Zuwachs?.
Die Gewässer im Schlosspark sollen entschlammt werden. Hier ein Blick auf den ?Tempelteich? und den ?Zuwachs?. Foto: Stephen Zechendorf

Möckern - Wenn Oliver Uhlmann, Geschäftsführer des Ehle-Ihle-Verbandes, Worte wie „Baustraßen“, „Baufahrzeuge“ und „Holzungen“ benutzt, ahnt man: Es wird nicht schön aussehen, wenn zum Jahresbeginn 2022 die Entschlammung von Ehlebett und Schlossteich erfolgt. Aber Uhlmann beruhigt auch gleich wieder: „Der Schlosspark soll sein Gesicht behalten, wie er mal war. Eine gewisse Zeit wird man den Eingriff merken, aber die Vegetation holt sich alles schnell wieder.“

Im Zuge der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie an der alten Mühle von Möckern sollen die Teichgewässer gleich mitentschlammt werden. Ziel des von der Europäischen Union zu 100 Prozent geförderten Projektes ist, die Ehle wieder für Wasserlebewesen durchgängig zu machen. Ein Sohlabsturz in der ehemaligen Mühle stellt laut Ansicht des Landesbetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft derzeit eine ökologische Sperre dar und soll durch eine naturnahe Umgehung im Mühlenbereich abgelöst werden (Volksstimme berichtete).

Schlamm soll auf den alten Grünschnittplatz

Zu den Parkwegen werden sich vorübergehend Baustraßen gesellen. Das Lichtraumprofil für die hier fahrenden Baumaschinen muss freigeschnitten und Wildwuchs an den Böschungen entfernt werden. Auf der Roseninsel soll der Wildwuchs der vergangenen Jahrzehnte weichen. Die Insel soll komplett von Bäumen befreit werden und wieder mit Rosen bepflanzt werden. Die Holzungen werden in erster Linie Wildwuchs betreffen. „Die Bäume, die da schon 100 Jahre stehen, fassen wir nicht an“, so Oliver Uhlmann.

Vor wenigen Wochen gab es einen Vor-Ort-Termin. Mit dabei waren Bauplaner, Vertreter der Stadt, des Denkmalschutzes und des Schlosspark-Fördervereines. Dabei wurde auch überlegt, wo der Schlamm aus den Teichen hin soll. Erste Überlegungen sahen vor, dass der Schlamm am Ufer abgelegt wird. Mit dem ehemaligen Grünschnittplatz am Rande des Parkes böte sich aber eine Alternative an. Zwar werde diese Variante favorisiert, man müsse aber prüfen, ob der Schlamm chemisch belastet ist, so Oliver Uhlmann. Der Schlamm besteht vor allem aus vermoderten Blättern der Bäume und aus Schwebstoffen, die mit vergangenen Hochwassern angeschwemmt wurden.

Die Gewässer sollen in ihren ursprünglichen Zustand versetzt werden. Die alte Sohle sei in der Regel 30 Zentimeter tief, auch die Teiche zumeist nur 30 bis 60 Zentimeter tief.

Bedrohliche Situation im Teich in Sommermonaten

Aktuell führt der Hauptlauf der Ehle durch den Schlossteich an der B 246. Das soll sich mit der Maßnahme ändern. Denn im Teich kommt die Strömung komplett zum Stoppen, sagt Uhlmann: „Dadurch sinken Sedimente im Teich zu Boden. Dadurch wird er jährlich flacher.“

Besonders in den Sommermonaten führe dies zu bedrohlichen Lebenssituationen im Teich, heißt es im Planungskonzept. Auch der naturnahe Oberlauf der Alten Ehle verlande zusehends. „Unter einer zehn Zentimeter tiefen Wasserschicht hat sich Faulschlamm bis zu 1,20 Meter angesammelt“, heißt es im Bericht des Planers.

Künftig soll die Hauptströmung der Ehle bei Möckern über den dahinter verlaufenden Ratsgraben erfolgen und unter der Straße zum neuen Bypass führen. Durch den gezielten Einbau von Absperr- und Regulierungseinrichtungen soll der ökologische Durchlauf erfolgen.