Briest/Genthin l „Adel verpflichtet und kennt keine Grenzen“, sagt Maren von Bismarck und lächelt. Die Altmärkerin streckt ihre Fühler ins Jerichower Land aus und will gerade die Jugend in dem Landkreis für den uralten Namen und das Herrenhaus in Briest bei Tangerhütte begeistern. Das Bismarck-Gymnasium in Genthin ist für sie schon des Namens wegen eine erste Adresse. „Vielleicht lässt sich sogar ein kleines Netzwerk aus Schulen und weiteren Einrichtungen in beiden Landkreisen knüpfen. Die Gegend links und rechts der Elbe ist Bismarck-Land.

„Ferchland, Derben, Parey, Rogätz...“ – von Bismarck fährt mit dem Finger auf einer historischen Karte den Fluss entlang. Ihr Mann Friedrich, 2001 verstorben, habe das Gebiet noch viel besser gekannt. „Kreis Jerichow“ steht dick an einer Stelle geschrieben, ein Gebilde, das von 1816 bis 1950 bestand. Schönhausen, der Geburtsort des Reichskanzlers Otto von Bismarck, zählte damals auch dazu. „Wenn man so will, begann die Karriere dieses Staatsmanns im Jerichower Land, gehörte er doch einige Zeit dem Kreistag an. Heute säße er im Stendaler Kreistag.“

Royale Hochzeit

Die Briesterin ist überzeugt, mit Geschichte und Geschichten den Nerv der jungen Leute zu treffen. „Die Hochzeit von Prinz Harry und Meghan in England hat Millionen Menschen begeistert und in Deutschland an den Fernseher gefesselt. Nun gut, wir sind nicht die Royals, aber etwas Glanz und Gloria gibt es bei uns auch“, meint die Altmärkerin und schmunzelt. Wenngleich der Adel in der Bundesrepublik natürlich nicht mehr den Einfluss und die politische Funktion wie anderswo habe, fasziniere er mehr denn je.

Bilder

„Warum das so ist?“ Die Briesterin, die aus einer bürgerlichen Familie stammt, muss nicht lange überlegen und meint: „Es ist die Art und Weise, Regeln einzuhalten, die für alle gelten oder gelten sollten: Sorgfalt, Ordnung, aber auch Liebe, Freundschaft und Sinn für das Schöne und die Natur. Die Verbindung zum Ort, zur Region und zum Staat ist wichtig. Und: Man lebt nicht nur für sich, sondern auch für die Nachfahren.“ Von Bismarck schaut aus dem Fenster des Herrenhauses. Der Fachwerkziegelbau aus dem 17. Jahrhundert ist außen saniert. Im Inneren wartet noch einiges an Arbeit. Alles atmet Geschichte.

Und diese Atmosphäre soll die Schüler aus dem Jerichower Land begeistern. Die Briesterin kann sich größere Projekte zu historischen Themen, Naturlehrgänge und sogar Zeichenkurse vorstellen. Im Gebäude ist eine Ausstellung zu den zwei Bismarck-Teilen Briest und Schönhausen aufgebaut. Das Uradelsgeschlecht ist reich an Linien und Zweigen. „Bismarck-Türme, früher noch die Bismarck-Eichen und anderes mehr – der Name ist auch im Jerichower Land präsent und bezieht sich fast immer auf den Herrn Reichskanzler.“ Er lebte in den 1830er-Jahren auch kurz in Genthin, das Gymnasium dort trägt seinen Namen.

Bibliothek mit Briefen

Die Briesterin will noch weitere Dinge ergründen, die das Jerichower Land mit dem Namen von Bismarck verbinden und Kontakt zum Kreismuseum suchen. Der spätere Reichskanzler war nicht nur Abgeordneter im Jerichower Kreis, sondern auch Deichhauptmann. „Hochwasser war auf beiden Seiten der Elbe immer ein Thema.“ Die Briesterin zeigt eine alte Deichordnung. Die humanistische Bibliothek soll übrigens in einigen Jahren komplett an ihren alten Standort zurückkehren. Es handele sich um 300 Bücher und weitere Werke, darunter auch Briefwechsel zwischen dem Reichskanzler und seinen Vettern in Briest. Die Familie dort hatte ihr Domizil nach der politischen Wende in Ostdeutschland neu erworben, es war ihnen nach dem Zweiten Weltkrieg weggenommen worden. Das Briester Herrenhaus befindet sich in Privatbesitz, soll aber der Öffentlichkeit regelmäßig offen stehen.