Möckern l Dann bauen außerdem geschichtsinteressierte Vereinsmitglieder in Ladeburg ihr diesjähriges Biwak auf, um an das zu erinnern, was vor über 200 Jahren viel Leid in die Region gebracht hat, die Befreiungskriege. Auf den Feldern zwischen Ladeburg, Zeddenick und Möckern nahm der Kampf gegen Napoleon am 5. April 1813 mit dem „Gefecht bei Möckern“ eine Wendung.

Abordnung historischer Darstellungsgruppen

Am Nachmittag wird – wie in jedem Jahr – eine Abordnung der historischen Darstellungsgruppen am Möckeraner 1813-Denkmal ein Gesteck niederlegen, im Gedenken an die Opfer der Befreiungskriege und des Gefechtes bei Möckern am 5. April 1813. Wie immer werden auch Vertreter der Möckeraner Ortschaftsrates daran teilnehmen. Und wie immer – so befürchtet Ortsbürgermeister Detlef Friedrich – werden nur wenige Bürger des Ortes zur Kranzniederlegung um 16.30 Uhr an der Yorkstraße kommen.

Dabei geht es nicht nur darum, an die schrecklichen Folgen von Krieg und Gewalt zu erinnern. Darüber hinaus ist der Auftritt der Akteure durchaus sehenswert. In historischen Uniformen der damals kämpfenden Streitkräfte marschieren die Teilnehmer des Biwaks am Freitagnachmittag auf, Trommelwirbel und Salutschüsse inklusive.

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In den Schulen kein besonderer Schwerpunkt

Dennoch ist das Interesse an diesem Stück Stadtgeschichte eher gering. Auch in den beiden Schulen der Ortschaft Möckern hat sich das historische Ereignis vor den Toren Möckerns keinen besonderen Platz im Stundenplan erkämpfen können. Lediglich im Jubiläumsjahr 2013 wurde das Thema in der Gemeinschaftsschule „Am Park“ in Möckern intensiv behandelt, bestätigt Schulleiterin Heike Fischbach. In einer Projektwoche setzten sich die Schülerinnen und Schüler mit dem Gefecht von Möckern und seinen Folgen für die örtliche Bevölkerung auseinander und präsentierten ihre Ergebnisse auch der Öffentlichkeit.

Aber diese Projektwoche sei sehr zeitintensiv gewesen, so Heike Fischbach. Im Regelunterricht werde kein Schwerpunkt auf das „Gefecht bei Möckern“ gelegt. Die Fachkräfte könnten jedoch nach eigenem Ermessen darauf eingehen, wenn die Befreiungskriege auf dem Lehrplan stehen. Und: „Die Heimatstube im Schloss Möckern wird immer wieder mal von unseren Schulklassen besucht“, so die Leiterin der Gemeinschaftsschule Möckern.

Auch die Kinder der Grundschule im Schloss Möckern besuchen im Rahmen des Sachkundeunterrichtes die „Heimatstube von 1813“, bestätigt Grundschulsekretärin Sabrina Beck.

Heimatstube im Schloss

Diese Heimatstube befindet sich im Schloss und befasst sich über mehrere Etagen ausschließlich mit dem Gefecht bei Möckern. Mit einem beeindruckenden Nachbau einer Kanone, einem nicht großen Diorama, welches eine Gefechtsszene bei Vehlitz darstellt und zahlreichen Fundstücken vom Schlachtfeld kommt der „Heimatstube“ eigentlich Museumsstatus zu. Doch es gibt keine festen Öffnungszeiten. Wer sich die Ausstellung ansehen möchte, muss sich bei der Stadtverwaltung melden. Hochinteressante Führungen boten in der Vergangenheit meist der frühere Stadtbürgermeister Dr. Udo Rönnecke, der Burger Historiker Klaus Nusser oder Möckerns Stadtbürgermeister Frank von Holly an.

Anlässlich der Kranzniederlegung am Freitag wird die Heimatstube im Schloss Möckern ab 17 Uhr für alle Interessierten geöffnet sein, informiert Stadtchef Frank von Holly. Einlass erfolgt über den Seiteneingang hinten links.

Zugang ist ein Problem

Der amtierende Ortsbürgermeister Detlef Friedrich sieht ein Problem im Zugang der Heimatstube. „Der Eingang über die Wendeltreppe und einen Nebeneingang ist sicherlich nicht für alle interessierten Besucher geeignet. „Es ist immer etwas umständlich, und man braucht jemanden, der sich da reinkniet“, findet der Möckeraner Ortschef.

Viel Theater vor sechs Jahren in Möckern

Er selbst hat noch eine andere ‚1813-Baustelle‘, die noch bearbeitet werden muss: Das Denkmal, an welchem am Freitag wieder die Kranzniederlegung stattfindet, ist sanierungsbedürftig. Die Feldsteine müssten fach- und denkmalgerecht neu verfugt werden. Es gab Gespräche mit dem Denkmalschutz, aber noch keine Kostenschätzung. Auch gibt es die Idee, das Umfeld des Gedenksteines so herzustellen, wie es vor 100 Jahren angelegt worden ist. Früher gab es hier eine Kirschlorbeer-Hecke, Ketten zwischen der Steinumrandung und vorne einen kleinen Zaun.

Viel los vor 100 Jahren

Vor hundert Jahren spielte die Erinnerung an das Gefecht bei Möckern eine größere Rolle im Ort als heute. Zum 100-jährigen Jubiläum des Gefechtes wurde mit einem großen „Tanz in allen Sälen“ der Ortschaft gefeiert. Im Jubiläumsjahr 2013 hatte die Stadt Möckern das Thema auch vielfältig aufgestellt, wenngleich nicht so patriotisch, wie noch die Amtsvorgänger ein Jahrhundert zuvor. Anlässlich des 200. Jahrestages des Gefechts am 5. April 1813 bei Möckern fanden in Möckern und in Ortschaften der Einheitsgemeinde Gommern diverse Veranstaltungen statt. Darunter – wie vor 100 Jahren – eine Tanzveranstaltung sowie drei „Geschichtsstunden“, unter Federführung von Möckerns ehemaligem Bürgermeister und Geschichtsfreund Dr. Udo Rönnecke.

Ein weiterer Höhepunkt war die Wiederaufführung eines Theaterstückes von Augusta Clara Elisabeth Gräfin vom Hagen. Das Stück handelt vom Gefecht am 5. April 1813. Verfasst hatte „Gräfin Aga“, das Stück anlässlich der 125. Wiederkehr des Gefechtes.

Ein Zeichen gegen Gewalt

Für alle, die ein Zeichen gegen Gewalt und Krieg setzen wollen, oder sehen möchten, wie man vor 200 Jahren in den Krieg gezogen ist, hier die Zeiten der Kranzniederlegungen: In Möckern erfolgt die Ehrung am Freitag, 5. April, um 16.30 Uhr am Denkmal Yorckstraße/Magdeburger Straße. Am Sonnabend werden Biwak-Teilnehmer gegen 10 Uhr in Zeddenick an der St.-Elisabeth-Kirche einen Kranz niederlegen. Das für alle öffentliche Biwak an diesem Wochenende findet in diesem Jahr in Ladeburg statt.