Qualitätskontrolle

Im Jerichower Land sind sechs Seen als EU-Badegewässer eingestuft: Kulk Gommern, Plattensee Dannigkow, Niegripper See, Parchauer See, Waldbad Theeßen, Zabakucker See. Alle sind mit ausgezeichneter Wasserqualität eingestuft. Parchau hat aktuell aber ein Blaualgen-Problem.

Die Seen werden in der Saison, vom 15. Mai bis 15. September, alle vier Wochen untersucht. Die Proben werden 30 Zentimeter unter der Oberfläche bei einer Wassertiefe von 1 Meter genommen.

Geprüft werden ph-Wert, Phosphor- und Stickstoff- sowie Bakterien-Gehalt (Intestinale Enterokokken und Escheria coli). Bei Bedarf und Hinweisen wird auf Blaualgen untersucht.

Parchau/Niegripp l „Die Blaualgen sind noch da“, sagt Michael Helmecke. Der Hygieneüberwacher aus dem Gesundheitsamt des Kreises stapft am Mittwochmorgen den Strand hinab zum Ufer des Parchauer Sees. Er sieht die grünen Schlieren im Sand und im Wasser schon von weitem. Badegäste sind keine da. Einsam flattern an zwei Bäumen die amtlichen Anschläge der Stadt Burg. Darin rät die Eigentümerin des Badesees seit dem 3. August 2018 vom Baden in dem mit Blaualgen belasteten Gewässer ab.

Belastung der Seen

Helmecke ist an diesem Tag für die turnusgemäß während der Badesaison alle vier Wochen vorgeschriebenen Beprobungen der EU-Badegewässer unterwegs. Sechs gibt es im Landkreis. Heute sind der Parchauer und der Niegripper See dran. Die anderen, der Kulk in Gommern, der Plattensee Dannigkow, das Waldbad Theeßen und der Zabakucker See, folgen zeitnah.

„Unsere Badeseen haben ausgezeichnete Wasserqualität“, erklärt Helmecke. Seit zehn Jahren kontrolliert er sie. „Wir lagen etwa bei der bakteriellen Belastung der Seen immer weit unter den Grenzwerten, die von der EU-Badegewässerverordnung vorgegeben werden.“

Bilder

Untersucht werden in den Badeseen pH-Wert, Phosphor- und Nitrat-Gehalt, Bakterien (Intestinale Enterokokken und Escherichia coli). Sie alle gelten als Indikatoren für Fäkal- und Abwasserbelastung. Vermerkt wird im Protokoll auch die Anzahl von Badegästen oder Wildvögeln.

Bei den beiden beprobten Bakterienarten liegt der vorgeschriebene Grenzwert für „ausgezeichnete Qualität“ bei 200 beziehungsweise 500 Einheiten. „Wir hatten in den allermeisten Fällen Werte von jeweils unter 10“, versichert Helmecke. Das ist bisher auch in dieser Badesaison so.

Große Hitze als Problem

Einzig die Blaualgen am Parchauer sind in dieser Saison ein Problem. Der See hat zwar Zulauf über Gräben und Ablauf. Aber wenig Wind, kaum Niederschläge, große Hitze, die den See aufheizt und sinkender Wasserstand sorgen für ein Mikroklima, in dem sich Blaualgen explosionsartig vermehren. Ändert sich daran nichts, bleiben die Algen.

„Wenn Landwirtschaft in der Nähe ist, das Düngen, auch Gülle ausfahren können dazu beitragen“, erläutert der Spezialist. „Eine einzige Ursache für die Blaualgenbildung, oder schlechte Wasserqualität gibt es nicht“, begründet Helmecke die umfangreiche Vermerkliste.

Wenig später am Niegripper See ist das Wasser glasklar. „Der See ist größer und tiefer, der Zugang zum Kanal, auch Motorboote sorgen für reichlich Bewegung im Wasser, auch in dieser sehr warmen und niederschlagsarmen Zeit“, benennt Helmecke einen Unterschied zum Parchauer See.

Grünliches Wasser

„Wenn der grünglänzende Film auf dem Wasser schwimmt, sind die Algen schon tot. Sie sind schon viel früher da“, warnt Helmecke. Schon grünliche Schwebstoffe und Schlieren unter Wasser würden auf sie hinweisen.

Blaualgen sollten nicht auf die leichte Schulter genommen werden, warnen Gesundheitsamt und Stadt. Gesundheitliche Folgen können von Unwohlsein über Muskelzittern bis hin zu Atemlähmung reichen. Für Kinder ist das Gesundheitsrisiko noch größer. Auch Hunde können erkranken.

Die Proben aus den beiden Seen hat Michael Helmecke am Ende der Kontrolle fein säuberlich gekennzeichnet, steril und kühl in einer Transportbox verpackt. Im Labor des Landesamtes für Verbraucherschutz werden sie untersucht werden. Das wird einige Tage dauern.

„Wir untersuchen, stellen die Ergebnisse zur Verfügung, informieren bei Risiken die Öffentlichkeit“, sagt Michael Helmecke. „Am Ende muss jeder selbst entscheiden, ob er in einem belasteten Gewässer baden geht.“