Burg l „Und der Hund? Den haben wir vergessen“, sagt Felix, als sich das Haus mit Rauch füllt – zuerst im Erdgeschoss. Über Flur und Treppe zieht der weiße Qualm in die obere Etage, findet seinen Weg zum Dach nach draußen. Was ist geschehen? Andreas Stahlich, Jugendwart der Freiwilligen Feuerwehr Lübars, erklärt an einem so genannten Brand-Demohaus das richtige Verhalten in einem Brandfall. „Das Modell hat der Kreisfeuerwehrverband angeschafft“, so Stahlich, und wird genutzt für die Kinder- und Jugendarbeit. Stahlich zufolge kann damit sehr gut gezeigt werden, „wie sich der Brand in einem Haus oder einer Wohnung ausbreitet und was die Betroffenen machen müssen, um zu überleben.“ Die meisten Menschen sterben nicht an Verbrennungen, sondern an Rauchvergiftung. Einfach und effektiv ist es laut Stahlich, die Türen zu schließen und die Fenster zu öffnen. Um das zu erkennen, demonstrierte er am Brand-Demohaus einen solchen Fall. „Als Ausbilder kann ich viel sagen. Die Kinder nicken und nehmen es so hin“, erklärt Stahlich, doch wenn er es ihnen dann noch vorführe, bleibe das Gelernte besser hängen.

Deckel besser als Wasser

Sein Steckenpferd sind praxisnahe Beispiele, darauf ist der Lübarser spezialisiert: Wie lösche ich, steht plötzlich eine Bratpfanne mit Fett in Flammen. „Wenn ein Liter Wasser verdampft, werden daraus innerhalb einer Sekunde 1370 Liter Dampf“, sagt Stahlich. Den Kindern ist das Erstaunen anzusehen. „Das passiert, wenn ich den Fett-Brand mit Wasser lösche. Dazu kommt, dass sich mit dem Wasserdampf das heiße Fett verteilt und das tut weh.“ Effektiv und schnell – Deckel auf die Pfanne oder Topf! So ersticke das Feuer und das heiße Fett bleibt ungefährlich. Nicht zu vergessen: das Behältnis auch gleich vom Herd nehmen! Und ja, als Erwachsener denkt man beim Verlassen des Hauses an die Kinder und Großeltern, vielleicht noch an die Versicherungspolice, aber oft nicht an Hund und Katze. Doch Kinderaugen sehen anders. Felix, so sagt er, hätte den Hund mitgenommen.

Genau um diese Praxis ging es am Sonnabend auf dem Gelände der Kfz-Lehrbahn vor der Clausewitz-Kaserne Burg. Zum sechsten Mal trainierten beim Jugendausbildungstag die Jugendgruppen der Zivil- und Katastrophenschutzorganisationen des Landkreises Jerichower Land. An dem sogenannten „Blaulichttag“ übte der Nachwuchs der Ortsfeuerwehren Parchau, Lübars und Güsen, des Ortsverbandes des THW Burg und der Wasserwacht/DRK Regionalverband Magdeburg-Jerichower Land. Unterstützt wurden sie dabei von der 2. Kompanie des Logistikbataillons 171, die mit Soldaten und Lkw vor Ort waren. Die Mitglieder der Burger Reservistenkameradschaft „Generalmajor von Clausewitz“ organisierten die Veranstaltung.

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Üben, üben, üben

Sechs Stationen, unter anderem mit Themen wie Erste Hilfe, Brandbekämpfung oder das Bedienen einer Seilwinde, orientierten sich an der Realität. „Alles, was wir üben, passiert täglich auf unseren Straßen“, sagt René Reinhold, Jugendwart der Feuerwehr Güsen. Bewusst habe man auch die Gruppen durchmischt, damit „sich der Nachwuchs kennenlernt“. So können auch alle voneinander lernen und haben dann die gleiche Ausbildungshöhe. Solche Fähigkeiten wie die Handgriffe und Abläufe zur Wiederbelebung, stabilen Seitenlage oder das Anlegen eines Verbandes müssen sitzen. „Sie sind elementar“, sagt der Jugendwart. Kenntnisse wurden abgefragt, altes Wissen aufgefrischt und neue Routinen eingeübt. Denn, gerade im Bereich Herz-Lungen-Wiederbelebung ändern sich, je nach Stand aktueller Erkenntnisse, die Tätigkeiten. Paul Schuhknecht und Erik Hohmann mühen sich redlich an einem Torso mit Kopf. Unter den wachen Augen von Ausbilderin Sandra Heinrich beatmen und führen die beiden Jungs die Herzdruckmassage durch, im steten Wechsel 30 x Drücken, 2 x Beatmen. Anstrengung pur. Heinrich beherrscht ihr Thema perfekt. Als ausgebildete Rettungsschwimmerin wird sie alle zwei Jahre geprüft, so auch in der Wiederbelebung.

Blaulichttag seit 2013

Der Gesamtleitende, Martin Lübke, erklärt: „Seit 2013 finden wir uns zu diesem Ausbildungstag zusammen.“ Impulsgeber war der die Reservistenkameradschaft Burg. Anlass war der Kampf gegen das Elbehochwasser. „Wir Reservisten reihten uns beim Sandsackschleppen ein, und auf einmal stand einer vom THW vor mir und sagte, dass er auch Reservist sei“, erinnert sich Olaf Thiel von den „Clausewitzern“, „Wir kamen bei der Deichverteidigung ins Gespräch, stellten fest, dass wir kaum etwas voneinander wussten.“ Formell kenne man die Ansprechpartner der verschiedenen Organisationen, doch „richtige Partnerschaft entstehe nur durch gegenseitiges Kennenlernen“, durch Miteinander, durch Üben. Vernetzung untereinander, hieß das Stichwort. „Seitdem organisieren wir auf unterschiedlichen Ebenen Veranstaltungen, damit die Leute sich in die Augen sehen.

Essen aus großen Töpfen

Selbst aus Magdeburg kamen Übungsteilnehmer: Der Katastrophenschutz aus Magdeburg unterstützte mit einer Kochgruppe den Jugendausbildungstag. Chefkoch Uwe Thierschmann: „Wir haben enge Kontakte zum THW und den Reservisten.“ Wichtig sei, so der gelernte Koch und Fleischer, dass jeder wisse, wo sein Platz ist. „Dazu dient eben auch der Blaulichttag.“ Die Magdeburger Köche schrieben Nudeln mit Tomatensoße auf den Speiseplan. Wie früher in der Schule, so bereiteten die drei Männer das Gericht zu: Jagdwurst, Zwiebeln und jede Menge Tomatenmark, abgeschmeckt mit Pfeffer, Salz und Zucker. Dann noch als Grundlage bissfeste Spirelli – und fertig war das beliebte Freiluftessen. Thierschmann: „Wir bringen zu solchen Gelegenheiten unseren Küchenwagen mit, damit meine Mitstreiter lernen, auch mit großen Töpfen zu kochen.“ Es gebe schon Unterschiede, ob man in einer Gulaschkanone Essen zubereite oder in Töpfen, „man muss ein Gefühl dafür bekommen.“

Gemeinsamkeit ist Trumpf

„Wir möchten den Kindern und Jugendlichen in jedem Jahr etwas Neues anbieten. Und zeigen, dass gegenseitiges Kennenlernen für die Ausbildung sowohl bei der Jugend als auch bei den Aktiven ein wichtiger Faktor ist“, so Reservistenchef Martin Lübke. Er betont: „Im Ernstfall müssen alle zusammenarbeiten, sollten auch wissen, wer kann was – und das muss geübt werden. Gemeinsam!“