Körbelitz l So ganz einfach ist das ja nicht mit dem Nähen. Nicht nur die Muster müssen ausgewählt und korrekt zugeschnitten werden, auch Ober- und Unterfaden müssen korrekt in die Nähmaschine eingelegt sein, sonst gibt es Fadenknäule und Stirnrunzeln.

Eine Leidenschaft

Nähen, nein Schneidern, wie es korrekter heißt, ist längst kein Beruf mehr, der von der Allgemeinheit lebt. Vielmehr ist es eine Leidenschaft, die mehr kann als korrekte Herrenanzüge und hübsche Damenabendkleider. Nähen, das ist für Johanna Wagner, die das Kreativ- und Handwerksgen von Mutter und Vater geerbt zu haben scheint, wie ein Ausgleich. Ein Lebensgefühl, die inneren Ideen in Stoff umsetzen zu können. Dieses Gefühl begann bei ihr mit der Lehre zur Grafikdesignerin und setzte sich in einem Architekturstudium fort, das für die junge Designerin so etwas wie ein verlorener Faden war. Schließlich ist auch nicht jede Naht gerade. Letztendlich fand sie zur Nähmaschine, zur Lehre als Damenmaßschneiderin und zu ihrer Berufung sowie ihrem Label „Mein Design by johanna wagner“.

Damit ist der berufliche Lebensfaden aber längst nicht fixiert und abgeschnitten. Im Gegenteil. Ihre Freude am Rattern der Maschine und klippen der Schere will sie weitergeben: an Eltern und Kinder.

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Eigene Mode ist heimlicher Wunsch

Darum hat Johanna Wagner jetzt einen Kindernähkurs eingerichtet. Der setzt schon Vertrauen voraus, schließlich muss jedes Kind seine eigene Nähmaschine mitbringen und an Modellen mangelt es nicht auf dem Markt. „Deshalb gibt es auch zunächst eine Einweisung und dann einfache Übungen wie das Geradeaus-, Zickzack- und Kreisnähen. So lernen die Kinder ihre Maschine kennen und wissen, wie sie reagiert“, erklärt die junge Designerin.

Routiniert und mit viel Geduld steht sie neben den drei ersten Mädchen, die sich ihrem neuen Kindernähkurs angeschlossen haben. Keine von ihnen hatte bisher an einer Nähmaschine gesessen. „Bei uns stand eine in der Ecke und verstaubte, die haben wir jetzt herausgeholt“, erzählt Klara (10).

Eine Tasche samt Futter

Ihr, Stella (8) und Nora (10) gefallen die ersten Stunden bei Johanna Wagner „gut“, wie sie fokussiert und konzentriert zwischen ihren Nähübungen meinen. Den Mädels macht das Nähen sichtlichen Spaß. An eine Karriere als Designerin oder Schneiderin denken sie dabei aber nicht. „Es ist ein anderes Hobby als das, was die anderen so machen“, geben sie zu verstehen, während sie bereits an ihrem ersten kleinen Meisterstück arbeiten: einer kleinen Tasche samt Innenfutter.

Ein klein wenig Ehrgeiz ist bei den Dreien trotz allem mit dabei. Vor allem deshalb, weil sie im Kindernähkurs Mode aus eigener Hand herstellen und später auch tragen können. „Dann trage ich etwas, das kein anderer hat“, verrät Klara ihre bisher unausgesprochene Intention, am Kindernähkurs teilzunehmen.

„Die Nachfrage nach dem Kindernähkurs war groß“, berichtet Johanna Wagner indes. „Immer wieder kamen Mütter auf mich zu und fragen danach, also habe ich jetzt damit begonnen“, fügt sie an.

Die ersten zwei Stunden an Schere und Nähnadel vergingen wie im Fluge. Auch deshalb, weil sich die Kinder im großen Stofflager schon fast verloren. „Das richtige Muster zu finden, das darf schon ein wenig Zeit in Anspruch nehmen“, weiß auch Kursleiterin Wagner.

Schnittmuster vorgegeben

Der Stoffauswahl folgte dann die Handarbeit. Die ist beim Schneidern noch immer das A und O. „Bei falschem Zuschnitt wird aus einer rechteckigen Tasche sehr schnell eine trapezförmige, und in der verlieren sich die Dinge in der untersten Ecke“, wie es hieß. Nur gut, dass die Schnittmuster von der Schneiderin vorgegeben waren und nur noch nachgeschnitten werden mussten, das brachte zumindest etwas Erleichterung und auch Mut in die erste Kursstunde. Der Kurs ist auf zwei Stunden pro Woche ausgelegt. „Alles andere macht auch keinen Sinn, länger ist die Konzentration noch nicht aufrechtzuerhalten“, meint Wagner, die auch schon ein Kind im Erwachsenenkurs betreut, das den Umgang mit der Nähmaschine bereits beherrscht und seine eigenen Oberteile und Mützen schon zur Schule trägt.

Für „Mein Design by johanna wagner“ arbeitet die Kreativschneiderin natürlich weiter an neuen Kreationen und Produkten, die sie auf Märkten und durch Mund-zu-Mund-Propaganda in die Modewelt entlässt. „Es ist noch immer ein schönes Gefühl, die eigenen Accessoires, Taschen und Kleider bei anderen zu sehen“, erzählt sie, während sie die Nählampe für diesen Tag ausschaltet.