Dornburg l Beim Jahrhunderthochwasser der Elbe im Juni 2013 war die Lage in Dornburg kritisch. Der vorhandene Hochwasserschutz wies eine Reihe von Mängeln auf. Die Deiche waren zu niedrig und teilweise schlecht erreichbar, es fehlten beidseitige Schutzstreifen, und Probleme mit Dräng- und Sickerwasser traten auf.

Bis Ende 2014 hatte das Landesamt für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt (LHW) ein Konzept für zwei der vier Abschnitte der Schutzbereiche in Dornburg entwickelt. Zwischen dem Neuen Krug und der Schlossmauer wurde der vorhandene Deich erhöht und verbreitert. Das gilt auch für den Abschnitt zwischen Seestraße und Kreisstraße und darüber hinaus. Bis Anfang 2018 waren die umfangreichen Arbeiten größtenteils abgeschlossen. „Die Firmen und Planungsbüros haben unter der Leitung des LHW eine sehr gute Arbeit geleistet“, sagte Dornburgs Ortsbürgermeister Andreas Steinz (Freie Wählergemeinschaft Dornburg). Es seien ernorme Erdmassen bewegt und viel Geld investiert worden.

Planung soll 2020 abgeschlossen werden

Der dritte Abschnitt des Dornburger Hochwasserschutzes betrifft das Schloss, an dem von vornherein keine Arbeiten vorgesehen waren. Der vierte Abschnitt entlang der Hauptstraße stellte sich von Anfang an als größte Herausforderung dar. Auf der Einwohnerversammlung Ende 2014 hieß es, ein Baubeginn vor 2016 sei nicht zu erwarten. Nun ist vermutlich im nächsten Jahr mit der Realisierung zu rechnen, wie Ronald Günther, Flussbereichsleiter des LHW, auf Nachfrage der Volksstimme mitteilte. In diesem Jahr sollen die Planungen abgeschlossen werden.

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Vorgesehen ist am südwestlichen Ortsrand die Lücke zum Deich über eine Hochwasserschutzwand zu schließen. Für die Hauptstraße wird ein operativer Hochwasserschutz vorgesehen. „Für die wenigen Bereiche, die bei Extremhochwasser in Höhe des Bemessungshochwassers mit einhundertjährigem Wiederkehrintervall betroffen sind“, reiche die Variante aus. Ronald Günther geht von einem Bedarf von 300 Sandsäcken auf maximal zwei Lagen aus. „Damit wird der Schutz von Dornburg gewährleistet, aber auch die Belange direkt betroffener Anwohner berücksichtigt.“

Keine weitreichende Maßnahme erforderlich

Ende 2014 war noch eine durchgängige Hochwasserschutzwand mit Durchgängen und mobilen Elementen als Aufsätze in den privaten Gärten der Hauptstraße eine mögliche Variante gewesen.

Dass eine so weitreichende Maßnahme inzwischen nicht mehr notwendig sei, liege an der veränderten Bemessungsgrundlage. Diese sei aufgrund von Deichrückverlegungen, Schaffung von Polderflächen und technischen Veränderungen im Umflutkanal niedriger als das Jahrhunderthochwasser 2013, erklärte Andreas Steinz.

Kein Schutz für Scheunen und Hühnerställ

„Die Wohngrundstücke in der Hauptstraße liegen oberhalb der Anschlagslinie. Da für Bereiche ohne feste Hochwasserschutzanlagen kein Freibord (Sicherheitsaufschlag) erforderlich ist, muss lediglich ein operativer Hochwasserschutz, also Sandsäcke, realisiert werden.“

Gebäude wie Scheunen oder Hühnerställe, die nicht zum Wohnen genutzt werden, werden vom LHW nicht geschützt, setzte der Ortsbürgermeister hinzu. „Das LHW trifft die endgültige Entscheidung über die Realisierung aller Hochwasserschutzmaßnahmen in Dornburg.“

Bestes Hochwasser ist das, das nie eintritt

Persönlich wolle er die Lösung für den Hochwasserschutz in der Dornburger Hauptstraße nicht bewerten, sagte Gommerns Stadtbürgermeister Jens Hünerbein (parteilos). Er sei sich bewusst, dass man nicht immer alle Interessen unter einen Hut bekommt. Erst, wenn das nächste Hochwasser anliege, lasse sich beurteilen, wie die Maßnahmen wirken. „Dass sie ein zusätzlicher Schutz sind, ist unstreitig, aber jedes Hochwasser ist anders.“ Am besten sei es jedoch, wenn man auf ein Hochwasser vorbereitet sei und das nie eintrete.

Dass die umfangreiche Schutzanlage für die Hauptstraße vom Tisch ist, wird nicht von allen Dornburgern begrüßt. Es gibt Befürchtungen, dass sich das Wasser seinen Weg in andere Straßen bahnen könnte. Die Anlieger haben die Situation aus dem Juni 2013 vor Augen. Mit den Verbesserungen durch die Schaffung von Polderflächen etc. gibt es dagegen noch keine Erfahrung.

Zweifel an 300 Sandsäcken

Ob die 300 Sandsäcke ausreichen, ist sich Ernest Briehm, Ansprechpartner der Stadt Gommern für die Wasserwehr Dornburg, nicht sicher. Er geht eher von 1000 bis 1500 Sandsäcken aus, die im Ernstfall in Dornburg gefüllt werden müssten. Erfahrungsgemäß seien vier Gehöfte in der Hauptstraße zu sichern.

Pläne, welche Vorbereitungen bei steigendem Hochwasser wann und wie zu treffen sind, liegen für Dornburg vor. Die Wasserwehr sei für den Ernstfall gerüstet, sagte Ernest Briehm.

Für die Einlagerung der Dammbalken, mit denen im Falle eines Hochwassers die Straße in Richtung Dannigkow verschlossen werden kann, soll das ehemalige Heizhaus am Dorfgemeinschaftshaus hergerichtet werden.