Niegripp l Mit der Elbe haben die Niegripper in den zurückliegenden Jahrzehnten auch leidvolle Erfahrungen gemacht. Vor allem dann, wenn sich die Wassermassen nicht mehr bändigen ließen und in Richtung Ort strömten – wie im Juni 2013, als sich die ganze Region in einem Ausnahmezustand befand. Seitdem fließen Millionen Euro in den Hochwasserschutz.

Rund 2,9 Millionen Euro nimmt das Land noch in diesem Jahr in die Hand, um ein wichtiges Nadelöhr direkt an der Grenze der Wohnbebauung Richtung Elbvorland auf den neuesten technischen Stand zu bringen. Konkret geht es um einen 900 Meter langen Abschnitt zwischen der Straße Am Deich und der Alten Schleuse, genau genommen um den Verlauf zwischen Deich-Kilometer 3,7 und 4,57.

Teilbereich schon 2002 saniert

Zwar wurde dieser Teilbereich bereits nach dem Hochwasser von 2002 saniert, bei der nächsten Flut elf Jahre später drang jedoch Sickerwasser in größeren Mengen aus. Auch das Material hielt der Belastung nicht an allen Stellen stand. Nach Berechnungen stellten Experten auch Fehlhöhen fest und kamen zu dem Schluss, dass die Standsicherheit nicht gegeben ist. Auch deshalb, weil sich die Fläche im Bergsenkungsgebiet der Firma Kali und Salz im Nachbarlandkreis befindet. „Untersuchungen haben ergeben, dass sich die Region innerhalb der kommenden 50 Jahre um bis zu 60 Zentimeter setzen wird“, erläutert Marco Schirmer, Flussbereichsleiter des Landesbetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW), die Investition. Auch darauf soll jetzt mit einer ausreichenden Deichhöhe reagiert werden. Der so genannte Freibord ist auf einen Meter festgesetzt worden. Zur Erklärung: Freibord ist der „Sicherheitszuschlag“. Damit ist der vertikale Abstand zwischen der Deichkrone und dem Bemessungshochwasserstand gemeint, sprich der beim Hochwasser verbleibende Freiraum zwischen Wasser und Deichkrone.

Vorgesehen ist, den Deichkörper als so genannten Drei-Zonen-Deich mit Dichtung, Stützkörper und Filter herzustellen. Da eine Entwässerung auf der Landseite wegen der angrenzenden Wohnbebauung nicht möglich ist, wird das anfallende Sickerwasser innerhalb des Deiches zu vier zentralen Stellen geleitet und von dort aus mit mobilen Pumpen in die Elbe geflutet, so Schirmer. Auch der Trassenverlauf wird geringfügig in Richtung Wasserseite optimiert, weshalb ein älterer Baum im Vorland weichen muss. Der Vorteil: Auf einem 150 Meter langen Abschnitt kann eine Berme (horizontaler Absatz) angelegt werden, die die Straße Am Wall und Lindenstraße verbindet.

Deichverteidigungsweg mit 3 Meter Breite

Eine bis dato existierende Schwachstelle nahe der Straße Am Winkel soll mit Hilfe einer Spundwand, die sieben Meter tief in die Erde gerammt wird, beseitigt werden. Auch ein so genannter Deichverteidigungsweg, er soll drei Meter breit sein, ist Bestandteil des Projektes.

Für Niegripp ist das Vorhaben „ein besonders wichtiger Meilenstein, um die Gemeinde gegen künftige Hochwasser noch effektiver zu schützen“, sagt Ortsbürgermeister Karl-Heinz Summa. Aus diesem Grund stehe auch der Ortschaftsrat dahinter.

Burg verfügt über knapp 21 Kilometer Elbdeich, davon sind bislang rund elf Kilometer normgerecht ausgebaut. Beim Deichbau wird in den kommenden Monaten nicht nur im Altkreis Burg Hand angelegt, auch bei Hohenwarthe und bei Zerben (Elbe-Parey) sind umfangreiche Sanierungsarbeiten geplant.