Burg/biederitz/Möser l Er ist der vermeintlich schönste Tag im Leben, auf jeden Fall ein besonderer. Doch mit dem Heiraten ist es derzeit schwierig im Jerichower Land. Wie Burgs Standesamtsleiter Sven Reinald auf Nachfrage der Volksstimme mitteilte, verlegen einige Paare ihre Hochzeit von sich aus, weil sie in großer Runde im Standesamt und möglicherweise anschließend in der Kirche heiraten möchten. Auf der anderen Seite gebe es aber auch einige Kurzentschlossene, die „auf die Schnelle“ in der jetzigen Situation den Bund der Ehe eingehen wollen.

Seitens des Standesamtes werden keine Hochzeiten abgesagt. Das Land Sachsen-Anhalt hat in seiner Verordnung vom 24. März festgelegt, dass auch Hochzeiten vom Veranstaltungs- und Versammlungsverbot ausgenommen sind. Neben den Eheschließenden und dem Standesbeamten dürfen allerdings lediglich die Trauzeugen, die Eltern und Kinder der Eheschließenden teilnehmen.

Außerdem schreibt die Verordnung noch weitere Maßnahmen vor. So muss ein Mindestabstand von eineinhalb Metern eingehalten, eine Anwesenheitsliste mit mindestens Vor- und Familienname, vollständiger Anschrift und Telefonnummer geführt werden.

Personen mit erkennbaren Corona-Symptomen sind zudem gemäß der Verordnung von der Trauung auszuschließen. Ausgeschlossen werden ebenso Personen, die in den vergangenen zwei Wochen aus dem Ausland zurückgekehrt sind, Kontakt zu Rückkehrern oder Infizierten hatten. Zudem würden Informationen über allgemeine Schutzmaßnahmen wie Händehygiene, Abstand halten sowie Husten- und Nies-Etikette erteilt. Die Regelung gilt zunächst bis zum 19. April.

Eine Menge Bürokratie, viele Vorschriften, sicherlich die Ursache für die Absage einiger Paare. So hat auch Superintendentin Ute Mertens zahlreiche Absagen kirchlicher Trauungen registriert. „Für viele gehört doch auch die große Feier dazu und die ist im Moment ja ebenso nicht möglich“, sagte sie gegenüber der Volksstimme. Vom Prinzip gelte das gleiche Verbot für Trauungen wie für andere kirchliche Veranstaltungen, etwa Gottesdienste oder Taufen. Ausdrücklich davon ausgenommen sei der Kirchbesuch zur stillen Einkehr. „Deshalb setze ich mich weiter dafür ein, dass Kirchen geöffnet werden“, sagte sie. Ähnlich wie in Burg ist die Situation in Möser und Biederitz.

Das Standesamt Möser ist im Rahmen der interkommunalen Zusammenarbeit sowohl für die Ortschaften der Gemeinde Möser als auch die Orte der Gemeinde Biederitz zuständig. Hier wurde eine Trauung, die für den April im Kavaliershaus Pietzpuhl geplant war, auf das kommende Jahr verschoben, wie Standesbeamtin Christel Krawzoff sagte. Allerdings riefen auch kurzfristig zwei Paare an, die sich nun im April das Ja-Wort geben. Die genaue Motivation, dies gerade jetzt zu tun, haben die Heiratswilligen nicht mitgeteilt, so Krawzoff. Es gebe aber immer wieder einmal Paare, die sich „einfach zusammen schreiben lassen“ wollen. Denen könnten die aktuellen Beschränkungen egal sein. Außerdem haben auch Paare ihren Termin vorgezogen. So nach dem Motto: „Da wir ohnehin zur Zeit nicht feiern dürfen, können wir auch eher heiraten.“ Für den Hochzeitsmonat Mai gibt es im Standesamt Möser aktuell elf Anmeldungen und zwei Vormerkungen.