Burg l Karl-Heinz Sperfeldt hat immer zu tun. Wenn er in diesem Jahr ausreichend Honig abfüllen will, muss er jetzt dafür Hand anlegen. Reparaturen an den fünf Bienenwagen, neue Waben bauen, Gläser reinigen oder eben die Kontrolle der Winterbienen. Und dabei räumt der Fachmann gleich mit der Mär auf, die Bienen würden in den Winterschlaf verfallen.

Zuckerwasser

Das Gegenteil ist der Fall. Mitten in einem urigen Waldstück, wo Erlen, Eichen, Fichten und Kiefern verschiedener Jahrgänge wachsen und im Frühjahr Wildkräuter sprießen, besucht Sperfeldt regelmäßig einige seiner Völker. Die tummeln sich dort an freien Stellen in so genannten Magazinen. In solch einem Magazin sind etwa 15.000 Bienen zu Hause. Sperfeldt hebt den Deckel – und die emsige Traube dreht und wendet sich lebhaft. Allein durch die Futteraufnahme, in diesem Fall eingelagertes Zuckerwasser aus den Waben, und durch die gegenseitigen Berührungen entsteht Wärme, die die Tiere auch bei Eiseskälte überleben lässt. So ist es innerhalb dieses Bienenvolkes um die 15 bis 20 Grad Celsius kuschelig warm.

Von Winterschlaf ist tatsächlich nichts zu sehen. Zu viele Störungen und Besuche sind aber auch nicht gut. Wichtig ist, dass die Bienen genügend Luft bekommen und vor Lärm oder Erschütterungen gut geschützt sind. Um aber dennoch auf dem Laufenden zu sein, ist Sperfeldt an einem Standort per Funk mit einem Magazin verbunden. So werden wichtige Daten wie Temperatur, Niederschlag oder Windstärke automatisch auf das Handy oder den heimischen Computer übertragen. „Die Technik erleichtert auch unserem Berufsstand ein wenig die Arbeit, um schneller reagieren zu können“, sagt der Gütteraner.

Etwa 30 solcher Magazinkästen hat der Imker in den Wäldern um Burg aufgestellt – natürlich mit Zustimmung der Eigentümer. Richtig Leben wird bei den Bienen aber erst einsetzen, wenn die Tage länger und die Außentemperaturen deutlich über zehn Grad Celsius ansteigen. Dann lösen sich die Bienentrauben und die Tiere unternehmen ihre ersten Reinigungsflüge, um den Darm zu entleeren.

Königin beginnt mit Eierlegen

„Allerdings werden diese Winterbienen den Sommer nicht überleben. Sie existieren etwa bis zum März und sind vielmehr für die Aufzucht der neuen Generation verantwortlich“, sagt der Experte. „So ist die Natur gestrickt.“ Zeitgleich wird die Königin mit dem Eierlegen beginnen, um Tausende von fleißigen Arbeiterinnen zu produzieren. Bis zu 2000 Eier kann sie pro Tag legen. Schnell wächst so das jeweilige neue Volk, um in der Haupttrachtzeit von Mai bis August den lebensnotwendigen Honig und Pollenvorrat einzubringen.

Wie sich dabei dieses Jahr entwickeln wird, darüber kann der Berufsimker, der 2007 den Weg der Selbstständigkeit beschritten hat, heute nur spekulieren. „Ich habe einen guten und festen Kundenstamm mit einer großen Supermarktkette, aber die Wetterkapriolen sind eben eine unberechenbare Größe, die nicht beeinflussbar ist“, sagt er. Die extreme Dürre habe voriges Jahr den Umsatz um 30 bis 40 Prozent geschmälert. Zu schaffen mache den Imkern zudem der Einsatz von Pestitziden und der großflächige Anbau von Monokulturen wie beispielsweise übergroße Maisschläge. „Dadurch gibt es viel zu wenig Begleitflora.“

Der 60-Jährige blickt dennoch optimistisch in die Zukunft. Vor allem, weil die Nachfrage nach Honig ungebrochen hoch ist und er Hobby und Beruf vereinen kann. Grundlage dafür bilden seine rund 100 Völker.

Seit 1975 ist er der Imkerei treu und seit 2009 auch Vorsitzender des Imkereivereins Burg und Umgegend 1899 mit 43 Mitgliedern. Und seinen Berufsstand will Sperfeld auch in diesem Jahr wieder auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin, die heute eröffnet wird und bis 27. Januar andauert, vertreten. „Das Interesse war jedes Mal groß, und für mich ist es wichtig, auch neue Leute kennenzulernen und auf die vielfältigen Honigprodukte aufmerksam machen zu können“, begründet er. „Auch deshalb, weil sie so gesund sind.“