Corona-Pandemie

Impfskepsis größer als Virusangst

Die Impfkampagne ist in Burg und Genthin angelaufen. Doch die Skepsis beim Pflegepersonal ist groß.

Von Thomas Pusch

Burg l Am kommenden Dienstag besucht ein mobiles Impfteam den DRK-Seniorenwohnpark „An der alten Eiche“ in Gerwisch. Dort waren drei Wochen zuvor die ersten Coronaimpfungen gespritzt worden, nun ist es an der Zeit für die zweite Dosis. Neben dem ersten Geimpften im gesamten Jerichower Land, Walter Fleischer, hatten sich noch 33 weitere Bewohner impfen lassen. Das waren insgesamt 85 Prozent. Wesentlich geringer war die Quote bei den Mitarbeitern. Nur 14 der 35 im Seniorenwohnpark tätigen bekamen den Wirkstoff in den Oberarm – 40 Prozent.

Und es gab sogar noch geringere Quoten. Im Burger Seniorenzentrum Bethanienstraße von Pro Civitate waren es 75 Prozent der Bewohner und 25 Prozent der Mitarbeiter. „Unter ihnen herrscht noch eine große Unsicherheit“, sagte Heimleiterin Ute Dominé im Gespräch mit der Volksstimme. Ähnlich sah es im DRK-Seniorenzentrum „C.A. Gottfried Pieschel“ aus. Dort gab es die gleichen Prozentsätze, und Heimleiter Sebastian Rudolph hat nicht nur Verunsicherung als Grund für die Verweigerung ausgemacht. „Viele meinen, sie brauchen keine Impfung, weil sie nicht zur Risikogruppe gehören, jung und ohne Vorerkrankungen sind“, erklärte er.

Auch die Helios-Klinik hat Impfdosen bekommen, und dort ist die Impfbereitschaft wesentlich größer. „Mit der nächsten Impfrunde in dieser Woche werden wir bereits 68 Prozent unseres medizinischen Personals geimpft haben“, beantwortete Pressesprecherin Katja Boese eine Anfrage der Volksstimme. Begonnen wurde mit dem Ärzte- und Pflegepersonal, das ein hohes Risiko hat, dem Virus ausgesetzt zu sein, beispielsweise in der Notaufnahme, in der medizinischen Betreuung von Covid-19-Patienten sowie mit engem Kontakt zu gefährdeten Gruppen.

Die Klinik hatte im Vorfeld eine Aufklärungskampagne vorbereitet. Dazu gehören allgemeine Informationen zum Virus, den Covid-Impfstoffen sowie Aufklärungsvideos zur Impfung. Außerdem setzt man auf Mundpropaganda durch Mitarbeiter, die sich bereits haben impfen lassen oder es tun wollen. Die Aufklärung spielt auch beim Landkreis eine große Rolle.

„Dadurch haben wir höhere Quoten erreicht, als zunächst angenommen worden war“, sagte Thomas Barz. Leiter der Arbeitsgruppe Corona, gegenüber der Volksstimme. Bislang seien in den Einrichtungen etwa 80 Prozent der Bewohner und zwei Drittel des Personals geimpft worden. Eine Impfpflicht für medizinisches Pflegepersonal hält er schon allein deshalb nicht für angezeigt, weil es derzeit gar nicht genügend Impfdosen gebe.

Seit vergangenen Montag wird das Impfzentrum durch acht Bundeswehrsoldaten aus der Clausewitz-Kaserne unterstützt „Dadurch wollen wir uns einen strategischen Vorteil verschaffen und werden ab kommenden Montag mit den Soldaten und Krankenschwestern ein temporäres Aufklärungsteam bilden, welches die noch nicht bedachten Heime aufsucht“, erläuterte Barz. So könne, falls in der Woche eine erneute Impfstofflieferung erfolgt, mit drei bis vier Teams gearbeitet werden.

Und der Landkreis geht auch noch auf einem zweiten Feld in die Offensive. Über die Städte und Gemeinden lässt er ein Schreiben verteilen, um den über 80-Jährigen, die zu Hause leben, also nicht zu der Hauptprioritätsgruppe gehören, die Unsicherheit zu nehmen. „Der Landkreis ist derzeit dabei, sämtliche Pflegeheime inklusive des Personals sowie die Krankenhäuser zu impfen“, heißt es darin unter anderem. Des Weiteren sei der Rettungsdienst des Landkreises bereits mit der ersten Impfdosis versorgt worden. Sobald sämtliche Bürger der genannten Prioritätsstufe geimpft worden und freie Kapazitäten vorhanden seien, werde der Landkreis auf den Empfänger zukommen und das weitere Verfahren bezüglich der Terminvergabe klären.

„Wir bitten Sie demnach vorerst, von einer eigenständigen Termineinholung über die Hotline bzw. über den Onlinedienst Abstand zu nehmen“, lautet der abschließende Appell.