Magdeburg/Lostau l Bei starkem Westwind stinkt es. Anwohner aus den östlich der Elbe gelegenen Gebieten im Jerichower Land beschwerten sich in den vergangenen Wochen wiederholt über Geruchsbelästigungen. Sie sprachen von einem „süßlich öligen Gestank“, der für Übelkeit sorge. Auch aus Magdeburg kommen Beschwerden. Wenn es um die Ursache geht, stimmen die Aussagen der Betroffenen überein: Der Gestank soll aus Richtung Rothensee, genauer gesagt dem Industriegebiet, kommen.

Dass die Geruchsquelle dort liegen könnte, bestätigt jetzt auch das Landesverwaltungsamt. An die zuständige Behörde hatten sich vermehrt Anwohner aus Lostau (Jerichower Land) gewandt, erklärt Sprecherin Denise Vopel. Um die Beschwerden zu überprüfen, waren Mitarbeiter des Landesverwaltungsamtes vor wenigen Tagen vor Ort.

Verursacher unbekannt

Dabei wurden sowohl einzelne Anlagen im Industriegebiet als auch verschiedene Punkte in Lostau angefahren. Mit dem Ergebnis: An zwei von acht Punkten haben die Mitarbeiter in dem Ort bei Westwind tatsächlich Gerüche festgestellt. „Mögliches Herkunftsgebiet ist das Industriegebiet Rothensee“, erklärt die Sprecherin des Landesverwaltungsamtes und macht deutlich: Der Verursacher der Gerüche konnte bisher „nicht eindeutig identifiziert werden“.

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Sobald sich das ändere, „werden mögliche Maßnahmen zur Beseitigung der Geruchsbelästigung erarbeitet und festgesetzt“, kündigt Denise Vopel auf Nachfrage der Volksstimme an. In dem Magdeburger Industriegebiet sitzen die verschiedensten Unternehmen. Unter anderem das Müllheizkraftwerk Rothensee. Die Volksstimme hat dort zum Thema Gestank nachgehakt.

Der Geschäftsführer des Müllheizkraftwerks Rolf Oes­terhoff versichert allerdings: Bei dem Prozess im Kraftwerk könne es keinen Gestank geben. Im Müllbunker selbst arbeite man mit Unterdruck, die Luft werde angesaugt und nicht nach außen abgegeben. Stinken könne es höchstens mal bei heißen Temperaturen im Sommer, wenn neuer Müll angeliefert werde. Aber auch dann sei es sehr unwahrscheinlich, dass der Geruch bis ins Jerichower Land zieht.

Grenzwerte eingehalten

Auch das Landesverwaltungsamt bestätigt auf Nachfrage: „Im Ergebnis der Onlineüberwachung und der regelmäßigen Kontrollen vor Ort wurde festgestellt, dass im betrachteten Zeitraum keine Überschreitung der Grenzwerte aufgetreten ist.“ Das Heizkraftwerk muss die Konzentration der Schadstoffe in der Abluft kontinuierlich messen. Ob die Grenzwerte eingehalten werden, kontrolliere das Landesverwaltungsamt fortlaufend.

Rapsöl-Produzent sagt nichts

Unweit des Müllheizkraftwerkes produziert das Unternehmen Glencore Biodiesel und Rapsöl. In einer Stellungnahme der Stadtsprecherin Kerstin Kinszorra heißt es in Sachen Geruchsbelästigung: „Bereits im Oktober gab es ähnliche Hinweise, die sich ganz gezielt auf das Unternehmen Glencore im Hafen Rothensee bezogen beziehungsweise dass die Emissionen von dort stammen könnten.“

Die Volksstimme war vor Ort und hat im Bereich des Öl-Produzenten tatsächlich einen leicht fauligen Geruch wahrgenommen. Zu einer Stellungnahme war das Unternehmen nicht bereit. „Wir geben keine Auskunft dazu“, erklärte gestern eine Mitarbeiterin gegenüber der Volksstimme.

Das Landesverwaltungsamt prüft derweil den Sachverhalt weiter. Auch der Landkreis Jerichower Land will den Hinweisen nachgehen, dass es in regelmäßigen Abständen morgens und abends intensiv in Lostau stinke.