Burg l Stadt und Janin Niele als Betreiberin der Stadthalle werden ihre Geschäftsbeziehung mit großer Wahrscheinlichkeit nicht erst zum 30. April, sondern bereits im März beenden. Die Zusammenarbeit bezeichnen beide Seiten schon seit Langem als schlecht. Dass Ende der Kooperation zwischen Pächter und Verpächter zeichnete sich bereits auf der jüngsten Sitzung des Stadtrates ab. Hinter verschlossenen Türen hatte Bürgermeister Jörg Rehbaum (SPD) darüber informiert, dass Niele darum gebeten habe, aus dem Vertrag im März aussteigen zu können. Der Stadtrat stimmte zu. Allerdings: Für Niele wäre dann eine Vertragsstrafe fällig.

Seit wenigen Tagen ist das Band zwischen beiden Partnern ohnehin zerschnitten. Sowohl die Stadt als auch Niele bestätigten gegenüber der Volksstimme, dass gegen die PSE Service GmbH als Betreiberin der Stadthalle ein Insolvenzantrag gestellt wurde. Nach Recherchen der Volksstimme am Amtsgericht Stendal. Michael Steenbuck, Sprecher am Langericht Stendal, sagte, dass „die vorläufige Verwaltung des Vermögens am 4. Februar angeordnet wurde“. Zur Insolvenzverwalterin sei eine Anwältin aus Halle bestellt worden.

Diskussion um 4000 Euro

Laut Niele gehe es um eine ausstehende Summe von etwa 4000 Euro Summe bei der Knappschaft. „Wir sind deshalb nicht pleite und weiter handlungsfähig. Wir werden den Rechtsweg beschreiten.“ Stadt-Pressesprecher Bernhard Ruth bestätigt der Redaktion, dass der Stadt ein entsprechendes Schreiben vorliege. Der notwendige Schriftverkehr dazu laufe jetzt über das Anwaltsbüro.

Ob es zu einer Vertragsauflösung komme, werde in der kommenden Woche endgültig entschieden. „Wir bereiten uns darauf vor, die Halle möglicherweise vorfristig zu übernehmen.“

Keine Zusammenarbeit möglich?

Dass Stadt und Niele noch im Guten auseinander gehen, daran glaubt indessen niemand mehr. Niele: „Mit der Stadt war keine Zusammenarbeit möglich, sogar Gesprächstermine wurden mir verweigert“, Ruth kontert: „Das stimmt nicht. Wir haben geholfen, wo wir konnten. Auch dann, wenn es Frau Niele finanziell nicht so gut ging.“

Die „Ehe“ zwischen der Stadt und der PSE-Chefin entwickelte sich schon wenige Monate nach dem Einstieg von Niele zu einem schwierigen Verhältnis. Zu keinem Thema (außer Landesgartenschau) hat der Stadtrat in den zurückliegenden Jahren mehr Beschlüsse gefasst und getagt als zur Stadthalle. Räte bezeichneten das Thema sogar öffentlich als „Drama“ oder „bühnenreife Tragödie“.

Erster Vertrag 2015 unterschrieben

Nur zu Beginn herrschte noch Freude pur, als Rehbaum Janin Niele als geeignete Pächterin präsentierte und auf ihre vielfältigen Erfahrungen mit dem Rock im Stadtpark in Magdeburg verwies. Der erste Vertrag wurde im Dezember 2015 unterschrieben, dauerte bis Januar 2016 und wurde bis Juni 2016 verlängert. Schon damals gab es erste Spannungen. Mit der Folge, dass der Stadtrat im Juni 2016 beschlossen hatte, die Betreibung der Stadthalle bis 31. Januar 2017 erneut auszuschreiben. Allerdings gab es nur zwei Bewerber und nach vielen Diskussionen war die PSE wieder im Boot.

Im Jahr 2017 erreichten die Diskussionen über eine weitere Zusammenarbeit ihren Höhepunkt mit mehreren Stadtratssitzungen. Sogar die Bildung eines Stadthallenbeirates wurde angeregt. Hatte der Stadtrat erst eine Vertragsverlängerung bis 30. April 2020 beschlossen, wurde der Beschluss später wieder aufgehoben. Als Grund wurden seinerzeit neue Erkenntnisse über die finanzielle Situation der PSE genannt. Die rechtliche Lage war jedoch so verworren und eine Klage vor dem Verwaltungsgericht Magdeburg anhängig, dass Stadt und Stadtrat letztlich zurückruderten. Mit einem neuen Beschluss kam dann im Juni 2017 die Vertragsverlängerung bis 30. April 2020 mit denkbar knappen 15:15-Stimmen zustande.

Ende der Zusammenarbeit 2020

Im März 2019, quasi ein Jahr vor Vertragende, stimmte der Stadtrat dann mehrheitlich dafür, die Zusammenarbeit 2020 zu beenden. Auch vor dem Hintergrund, dass nach der Laga ein neuer Fachbereich Kultur/Tourismus aufgebaut werden sollte. Das Verwaltungskonstrukt steht und der Chef Maximilian Steib wird auch für die Stadthalle mit verantwortlich zeichnen. In den kommenden Wochen soll nach einer Ausschreibung auch ein neuer Veranstaltungsmanager eingesetzt werden.

Niele hatte bereits über facebook mehrfach angekündigt, Burg in Richtung Brandenburg verlassen zu wollen. Ein Stadt-Mitarbeiter bezeichnete die Situation gestern so: „Die Scheidung wird jetzt vollzogen. Mehr geht nicht mehr.“