Sport im Freien

Ist Vereinssport im Freien trotz Pandemie sicher?

Die Gesellschaft für Aerosolforschung sieht bei Sport im Freien „ein extrem geringes Infektionsrisiko“. Daher solle diese Betätigung erlaubt werden. Doch Vereine im Jerichower Land halten sich zurück.

Von Nicole Grandt und Mike Fleske
Auch individueller Sport soll laut Aerosolforschern ungefährlich sein, wenn er im Freien stattfindet. Symbolfoto: Sebastian Gollnow/dpa

Burg/Genthin. Es war fast ein Paukenschlag. Die Gesellschaft für Aerosolforschung (GAeF) hatte in einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verdeutlicht, dass die Gefahr einer Corona-Infektion bei Sport im Freien als äußerst gering einzuschätzen sei. Dies gelte für Teamsportarten, Tennis oder Individualsportarten wie Jogging. Dort fänden so gut wie gar keine Ansteckungen statt. Diese gebe es eher drinnen.

Risiko nicht verantwortbar

Laut den Forschern spräche nichts gegen Sport im Freien. Jedoch sind die Sportvereine oft zurückhaltend, was Angebote angeht. So auch Timo Gehn, Vorsitzender des SV Ihleburg/ Parchau. „Wir machen in unserem Verein gar keinen Sport zur Zeit, auch nicht im Freien“, stellt er klar. „Ich kann das als Vorsitzender nicht verantworten, es kommen dauernd neue Regelungen raus. Und ich gehe das Risiko nicht ein, auch wenn nur drei Leute mit einem Trainer zusammen Sport machen.“

Neben den sich schnell ändernden Regeln hat er auch persönliche Gründe, warum er einen Sportbetrieb in seinem Verein nicht verantworten möchte. „Ich habe im Bekanntenkreis etliche Leute, die an Covid-19 erkrankt sind, und denen geht es wirklich richtig schlecht. Und das sind junge Leute. Das Risiko, dass sich im Verein Mitglieder bei sportlichen Aktivitäten anstecken, das gehe ich nicht ein.“ Dass viele Sportler sehnsüchtig auf ein Angebot warten, kann er aber nachvollziehen. „Es ist traurig, dass es derzeit so wenige Sportangebote gibt und dass man die Leute so lange nicht sieht. In so einem Jahr kann viel passieren, aber ich hoffe, nach der Pandemie geht es dann bei uns auch wieder weiter.“

Begrenztes Angebot beim TSV Einheit Burg

Beim TSV Einheit Burg gibt es einige Angebote im Freien, wenn auch im begrenzten Rahmen, wie die Geschäftsführerin Sigrid Woszczyk berichtet. „Vor wenigen Tagen wurde Reha-Sport wieder genehmigt, und auf dieser Grundlage bieten wir Reha-Sport auch wieder an. Vor der neuen Verordnung haben wir auch den Kindersport wieder ermöglicht für 19 Kinder und einen Übungsleiter. Jetzt ist das aber alles wieder hinfällig. Jetzt dürfen wir für die Kinder nur noch Gruppen bis fünf Kinder und einen Übungsleiter anbieten.“ Der Verein bietet außerdem Live-Streams mit Übungen für die Mitglieder an. „Aber oft ist es ziemlich verwirrend, wenn wir nahezu jede Woche neue Vorgaben bekommen und diese den Mitgliedern mitteilen und begreiflich machen müssen“, merkt die Geschäftsführerin an. Die Senioren des Vereins können derzeit keinen Sport machen, was bei Sigrid Woszczyk auf Unverständnis stößt: „Die Senioren sind deswegen sehr enttäuscht, denn sie können ja genauso wie die Reha-Sportler draußen mit großem Abstand Sport machen.“

Seit Anfang März trainieren die Leichtathletikkinder des SV Chemie wieder. Insgesamt 20 Teilnehmer dürfen diese Übungsstunden haben.
Foto: Susanne Christmann

Viele Vereine sind zurückhaltend

Auch in Genthin hat Fritz Mund, Vorsitzender des SV Chemie Genthin immer ein Auge auf die aktuellen Regeln. Man wolle im Verein abwarten, wie sich das geplante Infektionsschutzgesetz des Bundes auswirke und welche Inzidenzwerte dann greifen. „Wir hätten gern im April mit Angeboten für Erwachsene begonnen, aber es bringt derzeit nichts, zu beginnen und nach einer Woche wieder einstellen zu müssen.“

Zurückhaltend ist man auch beim SV Traktor Tucheim. „Wir sind sehr vorsichtig, was das Training angeht“, sagt der Vereinsvorsitzende Hartmut Britzke. Problem sei, dass es quasi jeden Tag neue Informationen und Erkenntnisse gebe. „Für uns ist es derzeitig allerdings schwierig zu entscheiden, was richtig und was falsch ist.“ Man wolle nicht leichtfertig Trainingsstunden anbieten, bei denen sich Teilnehmer am Ende anstecken. Britzke sieht in den Eindämmungsverordnungen gewisse Lücken, die schwer zu deuten seien. Daher ruhe der Vereinsbetrieb zunächst.

Wissenschaft: Sport ist förderlich, nicht schädlich

Wissenschaftliche Daten lassen vermuten, dass der Sport eher förderlich als schädlich auf das Pandemiegeschehen einwirken könnte. Daten aus Irland sehen nur 0,1 Prozent der Infektionen bei Aktivitäten im Außenbereich. Gleichzeitig haben weitere Studien belegt, dass regelmäßiges Sporttreiben vor schweren Covid-Verläufen schützt. Ernährungsforscher betonen derzeit die Gesundheitsrisiken für Kinder durch anhaltenden Bewegungsmangel.