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Kanalsanierung Mit Spezialtechnik gegen Schlamm

Die Sanierung des Niegripper Altkanals geht weiter. Die Europäische Union stellt dafür 1,2 Millionen Euro bereit.

Von Mario Kraus 27.02.2018, 06:00

Niegripp/Burg l In wenigen Tagen werden kräftige Baggerschaufeln von morgens bis abends Schlamm aus dem Niegripper Altkanal fördern. Ganze 14.200 Kubikmeter sollen es mindestens sein, die bis Ende Mai auf einer Länge von 530 Metern von der Landstraße 52 (Kanalstübchen) bis zur alten Schleuse Richtung Elbe aus dem Wasser geholt werden. Für Ulf Möbius, Leiter des Außenbezirks Niegripp des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Magdeburg, ist der Tag der so genannten Bauanlaufberatung „einer der schönsten überhaupt“. Die Tatsache, dass ein weiterer und damit letzter Sanierungsabschnitt starten kann, „ist ein großer ökologischer Nutzen“, sagt der Fachmann. Immerhin hat sich der Faulschlamm in den vergangenen Jahrzehnten in unterschiedlicher Höhe unter der Wasseroberfläche aufgetürmt. Teilweise bis zu 1,50 Meter. „Schlamm und Faulschlamm führen durch Sauerstoffentzug und Freisetzung von Schadstoffen zu einer Belastung für das Kanalwasser. Bei hohen Temperaturen können Fische dann verenden“, erläutert Konrad Spiegler, der mit seinem Ingenieurbüro die Planung und Bauoberleitung des Vorhabens inne hat.

Neben der Entschlammung des Kanals werden auch die teilweise beschädigten Uferböschungen saniert. Die waren in Mitleidenschaft gezogen, weil mit dem Kiesabbau im Niegripper See der Altkanal übermäßig als Transportweg durch große Lastschiffe genutzt wurde. „Was dazu führte, dass das ohnehin schwach abgesicherte Trapezprofi immer mehr zusammenrutschte“, resümiert Spiegler. An einigen Stellen kam es deshalb zu Böschungsverschiebungen, Abrissen oder Unterspülungen. Dadurch stürzten auch Bäume in den Kanal.

Jetzt muss erst einmal Bau- freiheit geschaffen werden. So ist vorgesehen, einen Kranstellplatz aufzubauen. Von dort aus wird die Entschlammungstechnik in den Altkanal eingesetzt und später wieder geborgen. Die gefüllten Schuten werden in Richtung der alten Schleuse gefahren und dort wieder in größere Schuteneinheiten gepumpt.

Die Arbeiten übernimmt eine Spezialfirma aus Gerwisch, deren Mitarbeiter auch bei den vorhergehenden Abschnitten dabei waren und über große Wasserbauerfahrungen verfügen. Als Träger dieses Projektes fungiert wieder der Ehle/Ihle-Unterhaltungsverband. Dessen Geschäftsführer Oliver Uhlmann ist zufrieden, dass die Arbeiten weitergehen. „Wir sind dankbar, dafür wieder entsprechende Fördermittel bekommen zu haben.“ Von der Entschlammung profitiere nämlich die Tier- und Pflanzenwelt ganz besonders.

Der Faulschlamm hat sich in den zurückliegenden Jahren nach und nach aufgebaut, weil der Altkanal mit Fertigstellung des Elbe-Havel-Kanals, Mittellandkanals und Niegripper Schleuse (1938) für die Schifffahrt zunehmend an Bedeutung verlor. Mit dem Kiesabbau im Niegripper See wurden ab 1954 Teile des Altkanals stark frequentiert – was aber dazu führte, dass das so genannte Trapezprofil zu einem flachen Muldenprofil zusammenrutschte. Gleichzeitig wurden Unterhaltungsarbeiten nur noch spärlich durchgeführt.

Und mit dem Durchstich des Niegripper Sees zum Elbe-Havel-Kanal im Jahr 1976 und dem Bau der Dammschüttung 1977/78 wurde das Gewässer nur noch von Sportbooten genutzt.

Dabei war die Wasserstraße einst für den Gütertransport enorm wichtig. Um 1912 wurden beispielsweise um die 55.000 Tonnen pro Jahr transportiert.