Katzen

Kastration für Freigänger?

In Möser wird gefordert, dass freilaufende Katzen kastriert oder sterilisiert sein müssen.

Möser l Die Aufnahme eines Passus „Hauskatzen/ Freigängerkatzen“ in die Gefahrenabwehrverordnung der Gemeinde Möser hat jetzt die Fraktion FDP/Wienke beantragt. Dies sei vor dem Hintergrund der kürzlich vorgestellten Fundtierstatistik für das Jahr 2020, nach der 57 von 61 Tieren Katzen waren, „zwingend erforderlich“, heißt es in der Begründung zum Antrag.

In die Gefahrenabwehrverordnung sollen auf Antrag der FDP/Wienke-Fraktion vor allem drei wichtige Punkte kommen. So soll künftig jeder Halter einer Katze verpflichtet werden, sein Tier bei der Gemeinde zu melden. Darüber hinaus soll es zur Pflicht werden, alle Katzen mittels Mikrochip zu registrieren. Katzen sollen außerdem nur dann als Freigänger gehalten werden dürfen, wenn sie kastriert oder sterilisiert sind.

Mit Blick auf die Fundtierstatistik könnte nach Ansicht der FDP/Wienke-Fraktion insbesondere die Kennzeichnungspflicht durch Mikrochip eine Zuordnung von Fundtieren zu ihren Besitzern ermöglichen.

„Andere Städte und Kommunen haben hier bereits regulierend entsprechende Satzungen aufgestellt oder ihre Gefahrenabwehrverordnung angepasst“, heißt es in der vom Fraktionsvorsitzenden Christian Luckau (FDP) unterzeichneten Begründung zum Antrag an den Gemeinderat. Zu diesen Kommunen gehörten unter anderem die Stadt Neuss, der Kreis Coesfeld und in Sachsen-Anhalt die Städte Bitterfeld-Wolfen und Zerbst.

Der finanzielle Aufwand, um Fundkatzen zu kastrieren beziehungsweise zu sterilisieren, sei enorm hoch. Der das Tierheim Burg und Umgebung tragende Verein gerate dadurch an seine Grenzen, heißt es in der Begründung zum FDP/Wienke-Vorstoß weiter.

Das Burger Tierheim ist mit Katzen überfüllt. Immer wieder kämen neue Jungtiere nach, weil unkastrierte Freigänger sich untereinander paaren. Die Situation eskaliere, hatte die Vorsitzende des Tierschutzvereins, Astrid Finger, im Interview mit der Volksstimme im Sommer 2020 erklärt. Die Katzenpopulation habe sehr stark zugenommen. Die Gründe seien nicht genau bekannt. Einerseits habe die Katze kaum natürliche Feinde. Und wenn sich erst ein Kater mit einer Kätzin paare und die Kinder sich dann untereinander paaren, könnten es in ein paar Jahren schon 30 oder mehr sein, hatte Finger zum schnellen Aufwuchs der Population erklärt.

Die Chefin des Burger Tierheims hatte zudem gesagt, die Kastration helfe nicht nur, die unkontrollierte Vermehrung einzudämmen. Sie diene auch dem Tierwohl. „Durch die Kastration werden Katzen insgesamt ruhiger. Die Rolligkeit kann im dauerhaften Zustand ein großer Stressfaktor sein. Zudem kommt es durch die Verkleinerung der Population zu weniger Tierleid“, sagte Astrid Finger damals. Und: Wer meine, dass viele Katzen kein Problem seien, solle gern einmal im Tierheim in Schartau vorbeischauen. Die „Masse an kranken und schwachen Kitten“ sei nichts für schwache Nerven.

Die FDP/Wienke-Fraktion sieht darüber hinaus einen Einfluss der Katze auf die Vogelpopulationen. Millionen Vögel würden laut Naturschutzbund (Nabu) jährlich den Hauskatzen zum Opfer fallen, weil diese ihren Jagdtrieb nicht kontrollieren könnten.

Lars Lachmann ist Vogelexperte beim Nabu. In einem Interview unter www.nabu.de erklärt er dazu, Katzen könnten „aufgrund ihrer durch menschliche Zufütterung unnatürlich hohen Bestände dem Vogelbestand mancherorts empfindlich schaden“. „Vogelbestände im Siedlungsbereich, und vielleicht auch in unmittelbar angrenzenden Teilen der Agrarlandschaft, sind in vielen Fällen sicherlich niedriger als sie ohne Katzen wären. In extremen Fällen bei sehr hoher Katzendichte kann es sogar den Anschein haben, als gäbe es fast keine Vögel mehr in den Gärten“, so Lachmann. Aus seiner Sicht könnte dem entgegen gewirkt werden, „mit einem umfassenden Programm zur Kastration beziehungsweise Sterilisation aller verwilderten Hauskatzen, kombiniert mit einer entsprechenden Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für Hauskatzen mit Freigang“.

Aus Sicht der FDP/Wienke-Fraktion im Möseraner Gemeinderat würde die Eingrenzung der Katzenpopulation zudem der Gesundheitsfürsorge dienen. Elf Krankheiten könne die Katze auch an den Menschen übertragen. Einige der Krankheiten könnten auch einen tödlichen Verlauf nehmen.

Besonders Freigängerkatzen, die Spielplatzsand und Sandkästen auf Privatgrundstücken als Toilette benutzten, stellten eine Gefahr auch für die Gesundheit von Kindern dar. „Darüber hinaus können verwilderte Freigänger zu Verletzungen durch Bisse und Kratzer führen, wenn sich ihnen Kindern zu sehr nähern“, heißt es in der Antragsbegründung für die Befassung im Gemeinderat auch .