Genthin l Immer am 24. Juni ist ein außergewöhnlicher Feiertag, den wohl viele gar nicht kennen: Der Tag der Feen. Ein Tag zu Ehren der kleinen Fabelwesen – die, entgegen der geläufigen Meinung, sowohl weiblich als auch männlich sein können. Um Feen ranken sich so einige Mythen und Sagen, so sollen sie zum Beispiel das Schicksal von neugeborenen Kindern bestimmen und spezielle Gaben haben, mit denen sie Kinder glücklich machen können.

Und auch in den verwunschenen Wäldern des Jerichower Lands ist es möglich – mit ein wenig Glück – eine waschechte Fee zu treffen. Evelin Dieter ist quasi eine ehrenamtliche Berufsfee und verzaubert seit November regelmäßig Jung und Alt im Tierpark Zabakuck.

Mut machen

Ihre selbst gewählte Aufgabe ist es, den Kleinkindern im Jerichower Land Mut zu machen, ihren geliebten Schnuller abzugeben. „Das braucht natürlich auch ganz viel Vorarbeit von den Eltern der Kinder. Ohne geht es nicht. Danach zählt dann die Konsequenz, keinen anderen Schnuller wieder herauszugeben“, erzählt Elvira Dietert. Die Idee dazu kam ihr, als sie nach einer Möglichkeit gesucht hatte, ihren eigenen Kindern den Schnuller abzugewöhnen. „Ich habe damals in einer Gruppe für Mütter nach einer Lösung gesucht. Dabei bin ich auf die Idee gestoßen mit den Schnullerbäumen und Feen“, sagt die zweifache Mutter über die Entstehungsgeschichte ihrer ehrenamtlichen Arbeit. Das Schönste an ihrer Arbeit als Fee sei es, dass die Kinder wirklich an sie glauben und ganz in die Fantasiewelt eintauchen.

Sie hörte sogar schon von ein paar Müttern, dass einige Kinder sich als Schnullerfee verkleiden. „Sie haben mir erzählt, dass sie sich mit einem türkisen Tüllkleid verkleiden. Toll, wie sie sich in die Fantasiewelt hineinversetzen können“, sagt Dietert.

Brauch kommt aus Dänemark

Damit hätte sie im letzten Jahr, als die Idee entstanden ist, nicht gerechnet. Ursprünglich kommt der Brauch des Schnullerbaums aus Dänemark, auf der Insel Thurø werden bereits seit 1920 Schnuller an einem Baum befestigt.

Eine Idee, die sich immer mehr durchsetzt, auch in Deutschland und eben im Jerichower Land.

„Es kam einmal ein Mädchen mit seinem Schnuller zum Baum. Es war tapfer und verabschiedete sich von seinem Schnuller, hing ihn in den Baum und ging mit der Mutter zum Auto. Doch kurz bevor sie losfuhren, meldete sich der Abschiedsschmerz. Johanna wollte doch noch ein letztes Mal an ihrem Schnuller nuckeln. Ihre Mutter ermöglichte ihr den Wunsch und so ging Johanna nochmal allein auf die Wiese und sagte zu ihrem Schnuller lebewohl“, erzählt Schnullerfee Elvira Dietert.

Eine Geschichte, die sie immer noch rührt, denn ihr ist durchaus bewusst: Für viele Kinder ist das ein großer Abschied und ein sehr wichtiger Moment. Den meisten Kindern sei es vollkommen bewusst, dass sie sich von ihrem Begleiter, dem Schnuller, in dem Moment wirklich trennen. Es sei für die ehrenamtliche Fee immer wieder ein Grund zur Freude: „Die Jüngsten bei so einem wichtigen Schritt zu begleiten, das ist einfach nur schön.“

Doch auch wer noch nicht für den Schritt bereit ist, kann auch zu einem späteren Zeitpunkt zu dem Baum zurückkehren und den Schnuller hinhängen. „Für mich ist es sehr wichtig, dass kein Zwang stattfindet. Wobei die meisten Kinder mutig sind und ihren Schnuller abgeben. Die Gruppe steckt auch oft an, dann machen viele umso lieber mit“, sagt Elvira Dietert.

Um auch eine Urkunde zu bekommen, wenn die Schnullerfee grade nicht vor Ort ist, können die Kinder einen Brief in den Postkasten werfen – der ist zu diesem Zweck extra neben dem Baum aufgestellt worden. Eine gute Fee müsse schließlich auch später für die Kinder da sein. Und so bekommt sie immer wieder Briefe von den Kindern und den Eltern – die seien über die Hilfe der Fee auch immer sehr dankbar..