Lostau l Er ist die fünfthäufigste Todesursache: der Lungenkrebs. Rund 60 000 Patienten jährlich, eher Männer als Frauen, sehen sich in Deutschland mit dieser Diagnose konfrontiert. In Sachsen-Anhalt finden sie in der Lungenklinik Lostau ein auf diese Krebsart spezialisiertes Zentrum. Gerade erst hat die Deutsche Krebsgesellschaft die Klinik erneut zertifiziert, weil sie – zusammen mit weiteren Kooperationspartnern – „die hohen Anforderungen für die Behandlung von Lungenkrebs“ erfüllt, wie auf der Internetseite der Gesellschaft nachzulesen ist. Im Klartext heißt das, dass sich hier tagtäglich Chirurgen, Radiologen, Onkologen, Pneumologen und Strahlentherapeuten mit nichts anderem beschäftigen als dem Lungenkrebs.

„Patienten mit Verdacht auf Lungenkrebs werden als erstes einer ausführlichen Diagnostik unterzogen“, erklärt Dr. med. Steffen Frese, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Klinik für Thoraxchirurgie. Und weiter: „In der hauseigenen Funktionsdiagnostik werden die Lungenfunktionen der Patienten überprüft sowie umfängliche Voruntersuchungen durchgeführt. Es müssen bestimmte Anforderungen erfüllt sein, damit ein Patient operiert werden kann beziehungsweise für bestimmte Behandlungsarten infrage kommt.“

Diagnose per Lungenspiegelung

Mittels Bronchoskopie, einer „Lungenspiegelung“, kann der Tumor betrachtet, eine Probe entnommen und auf diese Weise festgestellt werden, um welche Tumorart es sich handelt. Unterschieden wird in das kleinzellige und das nichtkleinzellige Lungenkarzinom. Neben der Bestimmung der Tumorart erfolgt die Einteilung in Stadien. Zudem wird geschaut, ob gegebenenfalls Lymphknoten befallen sind.

Bilder

Auf der Basis aller Untersuchungsergebnisse wird die weitere Vorgehensweise in der sogenannten Tumorkonferenz der Klinik besprochen. Hier sitzen dann neben den Thoraxchirurgen rund um Steffen Frese auch Kollegen der Pneumologie, der Anästhesie und Intensivmedizin, Radiologen, Nuklearmediziner und Strahlentherapeuten. Ein Teil der Mediziner ist bei der Tumorkonferenz in der Lungenklinik direkt vor Ort. Ein anderer Teil wird aus anderen Kliniken per Video zugeschaltet. Zum Beispiel aus der Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Magdeburg, einem Kooperationspartner der Lungenklinik Lostau. Bis zu 30 Patientenakten kommen bei der wöchentlichen Tumorkonferenz auf den Tisch. Intensiv werden dann die Untersuchungsergebnisse und die Behandlung des Patienten diskutiert. Unter Abwägung aller Daten wird eine individuelle Therapie festgelegt. Dabei wird auch überlegt, ob eine Operation auf Basis des Gesamtgesundheitszustandes möglich ist oder nicht. Moderne Thoraxchirurgie finde heute aber auch bei über 80-Jährigen statt, erklärt Steffen Frese. Die Zeiten, in denen Patienten aufgrund ihres hohen Alters nicht mehr operiert wurden, seien vorbei.

Chemotherapie nach Operation

Die Chirurgie allein helfe aber nicht in allen Fällen. Regelmäßig sei eine so genannte trimodale Therapie notwendig. Dann folgen auf die Operation noch Chemotherapie und Bestrahlung. „Das ist eine anstrengende Sache“, weiß Steffen Frese. Für den Patienten und auch für die Angehörigen ist das keine leichte Zeit. In der Lungenklinik Lostau findet deshalb auch eine psychologische Betreuung durch eine Psychoonkologin statt. Ein Sozialdienst hilft darüber hinaus unter anderem, die weitere Versorgung des Patienten nach seiner Entlassung sicherzustellen, beispielsweise eine Rehabilitationsmaßnahme zu beantragen.

Als zertifiziertes Lungenkrebszentrum diagnostiziert die Lungenklinik Lostau jährlich etwa 250 Fälle von Lungenkrebs neu. In der Thoraxchirurgie werden pro Jahr mehr als 100 sogenannte anatomische Resektionen durchgeführt. Dabei werden vom Krebs befallene Lungenlappen, Lungensegmente oder sogar ganze Lungenflügel entfernt – als offene Operation oder auch mit der Schlüssellochmethode. „Wir können Lunge, weil wir hier nichts anderes machen“, sagt Steffen Frese. Und: Die Klinik in Lostau sei „ein kleines Haus mit kurzen Wegen“. „Das macht es familiär“, beschreibt der Arzt. Und das kommt neben den Patienten auch den Ärzten und Mitarbeitern der Lungenklinik zugute.

Rauchen fördert Lungenkrebs

Das Coronavirus habe im Lungenkrebszentrum Lostau zu keinem Einbruch geführt, betont Steffen Frese. Denn: „Lungenkrebs ist nicht aufschiebbar." Vermeidbar wären etliche Fälle aber schon, sagt Steffen Frese: „Wenn niemand rauchen würde, hätten wir als Chirurgen wenig zu tun.“

Zurzeit gebe es keinerlei Vorsorgeuntersuchungen, die dafür sorgen könnten, den Lungenkrebs öfter in einem noch frühen Stadium zu erkennen. Allerdings, so der Chirurg, gebe es eine aktuelle Debatte um ein Lungenkrebs-Screening. Solche Vorsorgeuntersuchungen könnten Leben retten.