Burg l Mit weichen Knien meldete sie sich. Katharina Helmholz war die Erste, die ihr Wissen über Burg und den Goethepark preisgab. 20 Augenpaare waren auf sie gerichtet, als sie die Gästeschar mit auf eine florale und historische Reise auf dem Gelände des Landesgartenschau (Laga) nahm. Die Gäste, ebenfalls Prüflinge, durften Katharina Helmholz mit Fragen löchern.

„Wie alt ist denn der Wasserspeicher?“, fragt einer der Kollegen. Katharina Helmholz ist verunsichert, die Zahl fällt ihr nicht mehr ein. Eine Gedächtnislücke zum falschen Zeitpunkt. Doch gekonnt überspielt sie die Unsicherheit mit ihrem einnehmenden Lächeln. „Auf meinem Merkzettel steht nun definitiv der Wasserspeicher“, sagt sie nach der Prüfung lachend.

Wissen und Auftreten werden beurteilt

Dabei musste die 38-Jährige vielleicht ein wenig mehr pauken als die anderen, denn sie stammt aus Zielitz und zog erst vor zwei Jahren nach Burg. Mehrere Kurse über die Historie der Stadt, die Laga-Gärten und Rhetorik hat sie seit September mit den anderen Gästeführern besucht. Das Gelände kennt die Versicherungskauffrau inzwischen wie ihre Westentasche.

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„Es geht uns nicht darum, dass die Gästeführer Zahlen runterbeten können, sondern dass sie flexibel auf Fragen reagieren und Persönlichkeiten sind“, sagt Erhard Skupch, Geschäftsführer der Laga. Vier Prüfer waren vor Ort, um den Anekdoten der Gästeführer zu lauschen. Kriterien waren das Wissen um die Historie, aber auch das Auftreten.

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Letzteres dürfte bei dem Prüfling Sven Blankenburg mit Note 1 bewertet worden sein. Der gebürtige Burger legt die vergessenen Daten des Wasserspeichers souverän nach und führt die Gäste entlang der Themengärten. Er reagiert auf Anfragen, ist locker im Umgang mit den Gästen – ein „Mitbringsel“ seines Berufs.

In der Gastronomie hat Sven Blankenburg täglich mit Gästen zu tun – mit freundlichen und weniger netten. „Ich habe keine Furcht vor Gruppen und traue mir die Arbeit als Gästeführer zu“, sagt der 35-Jährige. In Burg aufgewachsen, kehrte er der Stadt aus Berufsgründen elf Jahre den Rücken. Nun will er den Gästen seine Heimatstadt zeigen.

Weinberg als Favorit

„Ich finde es unglaublich, wie die Stadt sich gewandelt hat. Daran wollte ich gern teilhaben“, sagt er. Zur Geschichte Burgs habe er durch die Kurse viel gelernt und möchte das mit guter Laune an die Gäste weitergeben. Sein größter Favorit sei der Weinberg, erzählt er. In den Führungen, die jeweils zwei Stunden dauern, möchte er den Gästen dieses besondere Areal nicht vorenthalten. Am Mittwoch erhalten die Prüflinge ihr Zertifikat und können sich offiziell Gästeführer nennen. Sven Blankenburg ist sich sicher: „Wir haben nichts zu verlieren, wir können nur gewinnen.“