Möckern l Lehrermangel, Schulschließungen wegen zu kleiner Klassenstärkungen, lange Schulwege... oft genug ist das Lernen auf dem Lande mit Nachteilen verbunden. Doch es hat auch Vorteile, auf dem Land in die Grundschule zu gehen. Mal eben das Klassenzimmer gegen den Lernort „Kuhstall“ auszutauschen, so etwas geht in der Großstadt eher schwer.

In Möckern kamen die Kinder der dritten Klasse der Grundschule im Schloss Möckern am vergangenen Donnerstag dagegen ziemlich unproblematisch in den Genuss eines Kuhstall-Ausfluges. Sie durften im Stall der Agraggenossenschaft Möckern einen ausgiebigen Blick hinter die Kulissen werfen.

Ein Betrieb und ein Haustier

In der dritten Klasse stehen als Anfoderungen zwei Aspekte auf dem Lehrplan, die sich bestens kombinieren ließen: das Kennenlernen eines Betriebes und das bessere Kennenlernen eines Haustieres. So erklärt es Grundschullehrerin Birgit Schwarz. Im Kuhstall der Agrargenossenschaft ließ sich beides gut verbinden.

Wie so ein Kuhstall funktioniert, ist schon spannend. Die Kinder erlebten, wie die Kühe von einer vollautomatischen Melkanlage gemolken werden. Dabei erkennen die Computer ganz genau, welche Kuh wann in den Melkstand geht und wieviel das Tier gefressen hat.

360 Milchkühe umfasst der Bestand des Betriebes aktuell. Besonders interessant waren für die Grunddschüler freilich die Kälber. „Nehmen wir denn den Kälbern nicht die Milch weg“, fragte ein Kind nicht unberechtigt. Die Vorstandsvorsitzende der Agrarwirtschaft Möckern, Elfriede Karbe, will beruhigen: „Die Kälber bekommen natürlich zuerst etwas von der Milch“.

30 Liter Milch am Tag

Laktation nennt man die gut 305 Tage währende Milchabgabe der Kuh. Sie beginnt nach der Geburt des ersten Kalbes. Üblicherweise kalben Kühe erstmals in einem Alter von 24 bis 32 Monaten.Manch eine Kuh gibt täglich über 30 Liter Milch. Gemolken werden die Tiere dreimal täglich.

Wenn aus Milch Brotaufstrich wird

Die Kinder werden hellhörig, als sie erfahren, dass die Agrargenossenschaft Möckern ihre Milch zu einer Milchsammelstelle nach Stendal bringt, welcher wiederum einen sehr bekannten Schokoladenhersteller beliefert: die Milch von den Kühen aus Möckern wird später also zu Nutella verarbeitet.

Ihr Wissen unter Beweis stellen müssen die Kinder, als es darum geht, was Kühe eigentlich zu fressen bekommen. „Maissilage“, erkennt ein Mädchen auf den ersten Blick das krümelige Zeugs in einem der Eimer. Ob das ein „Großstadtkind“ auch erkannt hätte? Soja wird im Möckeraner Stall übrigens schon seit einigen Jahrenb nicht mehr vefüttert. Statt dessen gibt es etwa Rabs oder Lupinen. Das baut der Betrieb auf den umliegenden Feldern übrigens auch selber an, erfahren die Kinder.

Eingebettet ist der Ausflug der Klasse in den Sachkundeunterricht. Später werden die Kinder noch ein Arbeitsblatt ausfüllenmüssen und Fragen über das Gelernte beantworten.

Manch ein Kind denkt sogar schon weiter: „Kann man bei Ihnen auch einen Beruf erlernen?“, möchte eines der Kinder wissen. „Natürlich“, bestätigt Elfriede Karbe. In der Agrargenossenschaft werden Tierwirte und Landwirte ausgebildet. Mit der Führung durch den Betrieb will Elfriede Karbe den Kindern zeigen, dass der Beruf keineswegs „hinterwäldlerisch“ ist: „Von wegen, immer nur mit der Forke herumfuchteln. Wir haben ganz moderne Geräte“, erklärt sie den Kindern.

Einen Haken hat der Beruf im Stall aber doch: man muss noch früher aufstehen, als wenn es zur Schule geht. Die erste Schicht im Kuhstall beginnt um 4.30 Uhr.