Wülpen l Es geht ihnen nicht ums Geld, sagt Ines Banse. „Das können die auch nicht fressen.“ Die, das sind die Tiere, die auf dem Hof von Axel und Ines Banse leben. Und lebten. Einen Teil der Tiere musste das Ehepaar verkaufen. Nicht genug Futter.

Spätfolgen der Dürre

Es sind die Spätfolgen der Dürre, die sich in immer weiter schwindenden Mais-, Schrot- und Getreidevorräten zeigt. „Wir haben ein Drittel von dem geerntet, was wir die Jahre davor eingefahren haben“, erklärt Axel Banse. Fünf Hektar musste der Landwirt hinzukaufen. Auch beim Grünfuttermittel sieht es nicht besser aus. „Ein Schnitt, statt drei Schnitte wie in 2018.“ Will heißen: Axel Banse konnte die Grünfläche nur ein einziges mal mähen. Ein Minus, nicht nur auf dem finanziellen Konto, sondern auch in den Mägen seiner Kühe.

Die bittere Konsequenz: Die Herde der Milchkühe verkleinern. Eine schwere Entscheidung. „Wir sind mit allen unseren Kühen per du“, betont Ines Banse. Es ist ein kleiner Betrieb, mit etwa 107 Hektar und 110 Kühen im beschaulichen Fünf-Häuser-Ort Wülpen. Im benachbarten Tucheim sitzt die große Agrargenossenschaft.

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Herde verkleinert

So wie der große Bruder um die Ecke sind sie auch im Kreisverband der Bauern organisiert. Dessen Geschäftsführer Peter Deumelandt kennt die schwierige Situation. „Die Futtermittelsituation ist ziemlich prekär.“ Derzeit zehren die meisten Landwirte von den Vorräten, die eine gute Maisernte in 2017 gehabt habe. Aber: Auch diese neigen sich dem Ende zu – viele Betriebe laufen derzeit im roten Bereich.

Letztendlich geht es aber auch um Geld: Die weiten Transportwege für das Futter und die damit verbundenen Mehrkosten, die erhöhten Futtermittelpreise durch die Ernteausfälle. Zwar bietet das Land Fördermittel, der Weg dahin jedoch hochbürokratisch, monieren viele Landwirte, darunter auch die Banses. Und die endgültigen Bescheide stehen weiterhin aus. „Wir haben eine Abschlagszahlung bekommen“, erklärt Ines Banse. Diese werde nachträglich noch überprüft, es ist also möglich, dass einige Landwirte Fördermittel zurückzahlen müssten.

Was den Bauern in dieser Zeit auch Kraft – und Futtermittel – gegeben hat: die Vernetzung und der Austausch untereinander. Neben einer Futtermittelbörse haben sich die Landwirte ganz direkt untereinander ausgeholfen. „Der Mensch kann sich alleine ernähren“, sagt Axel Banse. Die Kuh nicht.Normalerweise füttert der Landwirt die Tiere mit Schrot aus eigenem Anbau, Gras, Mais und Heu. Nur – selbst das Futtermittel, das der 56-Jährige ernten konnte, sei nicht von guter Qualität.

Landwirte denken über Krisenfonds nach

Für Peter Deumelandt ist klar: „Die Landwirte wollen sich selbst helfen.“ Sollte das Wetter auch die nächsten Jahre extreme Hitze in das Jerichower Land tragen, müsse man ernsthaft über eine Dürre-Versicherung nachdenken. Laut Schätzungen sind derzeit nur um die zwei Prozent der Landwirte in Sachsen-Anhalt dementsprechend versichert. Landes-Bauernpräsident Olaf Feuerborn hatte letztes Jahr Krisenfonds für den heißen Ernstfall gefordert. Jetzt hoffen die Landwirte erst einmal, auf den Frühling. Dann kommen die Kühe raus auf die Weide. Auch das spart Futtermittel.