Endlich wieder Kinogenuss

Leben kehrt auf die Leinwand zurück: Burg-Theater öffnet nach langer Pause am 1. Juli seine Pforten

Nach acht Monaten öffnet sich am 1. Juli im Burg-Theater wieder der Vorhang. Als erster Film wird am Nachmittag „Clara und der magische Drache“ laufen, am Abend gibt es „Der Spion“.

Von Thomas Pusch
Catweazle mit Otto Waalkes ist einer der ersten Filme, der nach der monatelangen Schließung im Burg-Theater gezeigt wird. Kinoleiter Jochen Frankl sagt: "Ein Knaller"
Catweazle mit Otto Waalkes ist einer der ersten Filme, der nach der monatelangen Schließung im Burg-Theater gezeigt wird. Kinoleiter Jochen Frankl sagt: "Ein Knaller" Foto: Burg-Theater

Burg - Seit dem 1. November ist es still gewesen im Burg-Theater. Die Eindämmungsverordnung verbot den Kinobetrieb. Lautstark meldete es sich nur am 28. Februar zu Wort. Zur deutschlandweiten Aktion „Kino leuchtet“ wurde die Fassade farbig angestrahlt, dazu sang Queen „The Show must go on“. Ja, die Show sollte weitergehen, der Zeitpunkt war aber fraglich. Ende Mai plädierten die Verbände der Kinowirtschaft dafür, bundesweit am 1. Juli wieder zu öffnen. Und so kommt es nun, im Gespräch mit der Volksstimme steckte Kinoleiter Jochen Frankl voller Vorfreude.

Anträge und kleine Reparaturen

„In den vergangenen Monaten war es natürlich pandemiebedingt sehr ruhig, die meiste Arbeit hat das Beantragen der Überbrückungshilfen und der Programmpreise von MDM und der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien gemacht“, so Frankl. Im Kino seien einige kleinere Instandhaltungsreparaturen ausgeführt und eine Außenfassadenbeleuchtung angeschafft worden. Jetzt warte er nur noch auf die Handwerker, die sie installieren sollen. Die Dienstleistenden im Freiwilligen Kulturellen Jahr hat das Kino ans Impfzentrum ausgeliehen, so dass sie die Zeit sehr sinnvoll nutzen konnten. Und ein bisschen Verwaltungszeit brauche man für den Stillstand durchaus auch. „Und schließlich haben wir uns Gedanken darüber gemacht, wie es mit dem Kino mittel- und langfristig weitergehen soll. Da haben wir durchaus Pläne, über die ich aber noch nicht weiter sprechen kann“, blieb er schweigsam.

Ganz konkret wurde er aber, was die allernächste Zukunft angeht. „Wir nehmen zum 1. Juli den Spielbetrieb wieder auf, und wir halten uns selbstverständlich an die Vorgaben der Eindämmungsverordnung der Landesregierung in der dann gültigen Fassung“, stellte er klar. Was da dann allerdings drinstehen werde, sei schwer abzuschätzen. „Ich hoffe ja, dass wir es den Familien ersparen können, für einen Kinobesuch zum Testzentrum zu rennen – aber wenn die Höheren Gewalten entscheiden, dass ein Testnachweis für den Kinobesuch notwendig sei, obwohl wir dort sehr gut Abstandsregeln umsetzen können, dann sind wir da machtlos“, meinte er. Frankl erwartet allerdings, dass es am Sitzplatz keine Maskenpflicht mehr gibt, und dass auch Verzehr am Platz möglich sein wird. Alles andere wäre eine Benachteiligung gegenüber der Innengastronomie. Die Kontaktnachverfolgung gewährleistet das Burg-Theater über die Datenerhebung beim Onlineticketkauf – oder über die allseits geläufigen Apps.

Juliprogramm ist zusammengestellt

Das Juliprogramm steht, und der Kinoleiter freut sich über tolle Filme im Angebot. Allen voran zählte er den oscarprämierten Film „Nomadland“ von Chloé Zhao auf. Das Arthouse-Publikum, die Freunde des besonderen Flims, darf sich außerdem auf „Frühling in Paris“ und „Rosas Hochzeit“ freuen, Doku-Fans bekommen Pepe Danquarts Italien-Rundfahrt „Vor mir der Süden auf den Spuren Pasolinis“ zu sehen, und natürlich hat das Burg-Theater Maria Schraders Komödie „Ich bin dein Mensch“ im Programm. Sie erzählt vom Zusammenleben einer Wissenschaftlerin aus dem Pergamon-Museum mit einem Roboter, der sich in ihren Traummann verwandelt.

Mit „Der Spion“ und „Der Mauretanier“ kommt gleich zweimal Benedict Cumberbatch auf die Burger Leinwand, einmal als Agent im Kalten Krieg, und einmal als Militäranwalt bei der Aufarbeitung des Folterskandals in Guantanamo. Morgan Freeman, Robert De Niro, Tommy Lee Jones und Zach Braff bringen die Zuschauer in der rabenschwarzen Komödie „Kings of Hollywood“ zum Lachen. Ein verschuldeter Filmproduzent will darin seinen Hauptdarsteller sterben lassen, um die Versicherungssumme zu produzieren. Doch der überlebt den waghalsigen Stunt, also wird der Schwierigkeitsgrad erhöht.

Seniorenkino mit Aznavour-Film

Für die Familien gibt es mit „Catweazle“ mit Otto Waalkes einen echten Knaller, wie Frankl meinte, „da hoffen wir auf richtig viel Betrieb, der Film ist zum Schießen“. Der Ostfriese spielt darin einen Zauberer, der aus dem 11. Jahrhundert in der Jetztzeit landet, und nichts Anderes will, als wieder nach Hause zu kommen. Dazu kommen noch die Animationsfilme „Clara und der magische Drache“, der es vor dem Lockdown im vergangenen November nur auf zwei Vorstellungen gebracht hatte und „100% Wolf“, und für Pferdefans gibt es noch „Mein Freund Poly“. Die zehnjährige Cécile befreit darin das Shetlandpony aus einem Wanderzirkus, eine abenteuerliche Reise beginnt.

Und es gibt ein Wiedersehen mit dem Seniorenkino „Filmreif“. Das startet am 27. Juli um 14 Uhr mit der Doku „Aznavour by Charles“. 1948 schenkte Edith Piaf eine Kamera. Damit drehte der Chansonnier unzählige Stunden von Bildmaterial, wie für ein sehr persönliches Tagebuch. Kurz vor seinem Tod sichtete er das Material und entschied, dass daraus ein Film werden soll. Besucher, die den Film mit Kaffee und Kuchen genießen möchten, werden gebeten, ihre Tickets bis zum 23. Juli zu erwerben, am besten direkt im Kino. In der Regel ist ab 11 Uhr jemand im Haus und verkauft gerne Tickets.