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PodcastLebensmittel Beziehung: Sexualwissenschaftlerin Franziska Stawitz klärt auf

In Gommern lebt Franziska Stawitz – sie ist Sexualwissenschaftlerin, Autorin – und Podcasterin. Warum sie über Beziehungen spricht.

Von Katharina Schwanz 18.09.2023, 08:09
Sexualwissenschaftlerin Franziska Stawitz ist Podcasterin zu Themen wie  Liebe, Sex und Beziehungen.
Sexualwissenschaftlerin Franziska Stawitz ist Podcasterin zu Themen wie Liebe, Sex und Beziehungen. Foto: Franziska Stawitz

Gommern - Ein Telefongespräch eröffnet den Podcast vom 14. Juli zum Thema offene Beziehungen. Nach einem kleinen Einspieler von leichter Musik folgt eine kleine Einführung ins Thema.

So leitet die Wahl-Gommeranerin Franziska Stawitz ihren Podcast „LebensMittel: Beziehung“ ein.Sie ist Host des Podcasts und spricht über Themen wie dem Konzept offene Beziehung, Masturbation, sexuelle Bildung im Kindesalter und noch viel mehr.

Der Name „LebensMittel: Beziehung“, entstand aus ihrer eigenen These heraus: „Beziehungen sind für Menschen als soziale Wesen genauso wichtig wie Lebensmittel.“

Kommunikation ist das wichtigste

Franziska Stawitz ist Sexualwissenschaftlerin und ehemalige Radiojournalistin, studierte erst Soziologie und Pädagogik in Magdeburg, gefolgt von einem späteren Studium im Bereich Sexualwissenschaften. Im Laufe der Zeit erkannte sie, dass sie eine Frage ganz besonders interessiert: „Wie leben Menschen eigentlich Beziehungen?“ Dabei stellte sich ein immer wiederkehrendes Problem heraus: Fehlende Kommunikation. „Beziehungen sind kein Selbstläufer, sondern viel Arbeit“, erklärt sie. Ob bei Problemen in der Beziehung oder auch im Bett, oft fehlen die richtigen Worte. Um genau diese Thematik der Kommunikation kommt man in der Sexualität nicht herum.

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Besonders wichtig auch im Bereich von BDSM-Praktiken und Vorlieben. In diesem Bereich, würde selbst Franziska Stawitz, die sich selbst nicht als „Sexpertin“ bezeichnen würde, von ihren Gesprächspartnern aufgeklärt, erzählt sie. BDSM ist ein Akronym und bezeichnet viele verschiedene sexuelle Verhaltensweisen, die sich meist um Dominanz und Unterwerfung sowie spielerische Bestrafungen mit gewissen „Schmerzkomponenten“ drehen.

Tabuisiertes „Untenrum“?

„Die Beziehung zu uns selbst und unsere Selbstwahrnehmung sind die Grundlage für alles andere.“ Denn wenn man selbst nicht wisse, was einem Spaß mache, wie solle man es dann seinem Partner mitteilen, erklärt Franziska. Alles andere als einfach, in einer Welt, in der noch so viele Tabus bestehen: ob Masturbation, Pornografie oder das offene Gespräch über die Sexualität. Franziskas Meinung: „Wo kein Leidensdruck, da kein Änderungsbedarf.“ Tabus müssen nicht gezwungenermaßen „gebrochen“ werden und man müsse auch nicht alles ausprobieren. „Bin ich mit meinem Sexleben, meiner Sexualität und oder meiner Beziehung zufrieden, dann darf all das auch getrost so bleiben“, stellt sie im Gespräch mit der Volksstimme klar.

Besser früh als spät

„Sexualität begleitet uns von der Wiege, bis zur Bahre“, sagt die Podcasterin, die selbst eine kleine Tochter hat. Sie ist Befürworterin von frühzeitiger Aufklärung, denn oft wird eine gewisse Wortlosigkeit in Bezug auf die Sexualität bereits im Kindesalter vermittelt. Es fange bei kleinen Sachen an, wie beispielsweise dem Benennen von Geschlechtsteilen und daraus nichts Schamhaftes oder Niedliches machen zu wollen. „Alles, was wir können und wissen, haben wir irgendwann erlernen müssen. Man vergisst oft, dass es bei Sex und Sexualität genau das Gleiche ist“, stellt sie fest.

Der gebürtigen Magdeburgerin, die auch für das deutsche Erotikmagazin „Séparée“ schreibt, fehlen selten die Worte. Als Texterin für Unternehmen, Zeitungen und Zeitschriften, zog sie ihr eigenes Business auf und verleiht sogar hin und wieder ihre eigene Stimme.

Wir dürfen uns zeigen

In ihrem Podcast möchte Franziska nicht nur ein Stück weit sexuelle Aufklärung betreiben und Geschichten von und mit Menschen erzählen, sondern auch eine andere Art der Aufklärung vorantreiben.

Ob im Bereich BDSM, der Beziehung zum Partner oder der Partnerin, oder einfach im alltäglichen Miteinander: „Was uns hilft, ist Verbindung“. Sich in Beziehungen zu zeigen, mehr die eigene Maske abzunehmen und sich einander mitzuteilen, mache uns menschlich, sagt sie. Sich aber auch zu fragen, wer man sei, was man fühle und wie man denke, hebt sie am Ende des Gesprächs noch einmal hervor.

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In einer Welt, in der die alltägliche Maske schon fast zur Gewohnheit geworden ist, kann sich das als herausfordernder erweisen, als man denken oder auch zugeben möchte. Mit ihrem Podcast möchte Franziska Stawitz die Menschen bei diesem Prozess ein Stück weit unterstützen und und die vielschichtigen Themen der Sexualität mehr beleuchten.