Biederitz l Der Verkehrsminister hält den druckfrischen Koalitionsvetrag in den Händen und trägt rund eine Dreiviertelstunde aus einer Zusammenfassung die wichtigsten Inhalte vor. Doch gespannter sind die rund 15 Christdemokraten aus der Region auf Fragen, die ihnen der Minister zu dringenden Verkehrsfragen rund um Biederitz beantworten soll: Kommt die ersehnte Brücke über die Bahnschranke der Dessauer Bahnline an der B 1? Und wie weit sind die Planungen für die Ortsumfahrung Heyrothsberge-Wahlitz? Aufgegriffen wird auch noch einmal das Thema der seit Jahren stillgelegten Bahnlinie Magdeburg-Altengrabow.

Zur Ortsumgehung gibt der Minister zu Protokoll, dass es gelungen sei, dieses Projekt im Bundesverkehrswegeplan in den vordringlichen Bedarf einzustufen. Das bedeutet, dass sie – nicht absehbarere Ereignisse ausgeschlossen – bis zum Jahr 2030 fertig sein sollte.

Webel führt aus, dass wegen naturschutzrechtlicher Belange der Bogen der Trasse sehr weit um Heyrothsberge herumgeführt werden muss. Deshalb werde die neue Straße über die Bahnlinie Magdeburg-Dessau geführt. Die unsäglichen Staus an der permanent geschlossen Bahnschranke würden damit Geschichte werden.

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Kaum noch wesentliche Änderungen

Ansonsten wird es an der Trassenführung nördlich der jetzt vorhandenen B 184 kaum noch wesentliche Änderungen geben, so Webel. Schon bei der Diskusssion um die Eingliederung in den Bundesverkehrswegeplan sei darauf geachtet worden, sensible, schützenswerte Areale nicht zu durchschneiden.

Der weitere Weg sei jetzt so, sagte der Minister, dass die naturschutzrechtlichen Belange untersucht werden müssen. Ende diesen oder Anfang nächsten Jahres würde das Projekt europaweit ausgeschrieben.

Das Vorhaben setzt ein Planfeststellungsverfahren und die umfassende Beteiligung aller Betroffenen voraus. Thomas Webel meint, dass bei größtem Optimismus mit einem Baubeginn im Jahr 2025 gerechnet werden könne. Die Baukosten der mehr als zehn Kilometer langen Trasse liegen bei rund 34 Millionen Euro. Nach der Fertigstellung wird mit einem Verkehrsaufkommen von rund 7000 Fahrzeugen pro Tag gerechnet.

Für den Biederitzer Gemeindebürgermeister Kay Gericke (SPD) und auch für die CDU-Ortsbürgermeisterin Karla Michalski ist dies ein zu langer Zeitraum für die dringend notwendige Überquerung der Dessauer Bahn. Schon jetzt komme es immer häufiger bei Bauarbeiten und bei Umleitungen wegen Unfällen auf der Bundesautobahn 2 vor, dass der Rückstau von der Bahnschranke vor Heyrothsberge bis nach Gerwisch hinein reicht. „Dieser Belastung durch Lärm und Gestank können wir unsere Einwohner nicht noch zwölf Jahre lang aussetzen“, so die Gerwischerin in der Biederitzer Runde. Dieser Auffasuung ist auch Kay Gericke. Er steht schon seit einiger Zeit mit dem Landkreis im Kontakt, damit es zu einer schnellstmöglichen Lösung kommt.

Schon Anfang der 1990er Jahren sollte hier eine Brücke errichtet werden. Damals jedoch sprach sich eine Mehrheit der Bürger dagegen aus. Eines der Argumente damals: „Eine Brücke passe nicht ins Landschaftsbild“. Diese Meinung hat sich mittlerweile geändert, denn das Verkehrsaufkommen auf Straße und Schine hat sich in den letzten 25 Jahren deutlich erhöht. Bei einer Verkehrszählung im Jahr 2010 wurden innerhalb von 24 Stunden 8000 Fahrzeuge gezählt, die die B 1, aus Burg kommend, in Richtung Magdeburg befahren haben.

Für die langen Staus sind die Schließzeiten der Bahnanlage eine entscheidende Ursache. 130 Zugdurchfahren täglich gibt die Deutsche Bahn AG für den Streckenabschnitt Magdeburg-Dessau an. 8,66 Stunden pro Tag sollen die Schranken dadurch geschlossen sein. Gericke und Landrat Steffen Burchhardt (SPD) sehen zusätzlich die Möglichkeit einer Verdoppelung des Güterverkehrs auf der Schiene, denn ein Planfeststellungsverfahren für den Bau einer zweiten Ehlebrücke ist bereits abgeschlossen und auf 25 Jahre festgeschrieben.

Altengrabow-Linie bleibt stillgelegt

Zur Sprache kam in der Runde auch die seit Jahren stillgelegte Bahnline Magdeburg-Altengrabow. Karla Michalski sagte, es sei den Bürgern kaum zu vermitteln, dass auf dieser gut ausgebauten Linie zwar die Bundeswehr und die Nato-Verbündeten fahren, aber die Bürger unberücksichtigt bleiben.

Diesem Verlangen, das auch von der Biederitzer Verwaltung untertsützt wird, erteilte Thomas Webel eine kategorische Absage. Er führt allein finanzielle Gründe an.

Man habe erhoben, dass die Bahnlinie täglich von rund 200 Personen genutzt wurde. Die Bahn hätte die Strecke für rund 14 Millionen ertüchtigt, um Tempo 80 erreichen zu können. Aber die Bahn wollte vom Land eine Bestandsgarantie für 15 Jahre. 15 Jahre sollte das Land die Leistungen an die Bahn vergeben mit einem jährlichen Zuschuss von zwei Millionen Euro. 14 Millionen für die Ertüchtigung und 30 Millionen Euro Landeszuschuss, das wären 45 Millionen Euro Steuergelder. Über 15 Jahre hätte jeder Fahrgast rund 225.000 Euro Steuergeld gekostet.