Stegelitz l Es geht doch nichts über einen im Wald bereitstehenden Ersatzreifen. Nur für den Fall, dass man mal eine Panne hat. Und wie toll, wenn sich daneben dann auch noch ein Kühlschrank findet, in dem vielleicht sogar ein lecker Kaltgetränk wartet. Wie bitte? Die Flasche liegt nicht im Kühlschrank, sondern zerbrochen daneben? Nun, so ist das nun einmal, wenn der zivilisierte Mensch den Lebens- und Erholungsraum „Wald“ mit einer Müllkippe verwechselt. Und das macht er schon immer. Leider.

Auch die Mitglieder der Jägerschaft Stegelitz machen diese frustrierende Erfahrung alle Jahre wieder. Seit 13 Jahren sammeln sie einmal im Frühjahr den Müll aus den Wäldern, in denen sie doch eigentlich nur Rehwild und Schwarzkitteln begegnen wollen.

Grünschnitt im Plastikbeutel

Auch am vergangenen Sonnabend fanden sie stattdessen wieder Autoreifen, Kühlboxen und Kühlschränke, Tapetenreste und sonstigen Hausrat. Besonders obskur: in Plastikbeutel gestopfter Grünschnitt. An fünf Stellen haben sich über die Jahre regelrechte „Stammplätze“ entwickelt, an denen Unbekannte ihren Schrott ablegen, „den sie genauso gut auch hätten zur Kleinannahmestelle hätten bringen können“, ärgern sich die Jagdpächter Michael Schönewolf, Klaus Gaßmann,Holger Schulze und Guido Wegner mit Sohn Paul.

Es sind die strategisch gut gelegenen Stellen an der Bundesstraße, an denen man prima mal eben stoppen kann: Kofferraum auf, Müll in die Hecke, Kofferraum zu. Weiterfahren.

Entsorgung in Eigenregie

Auch an den Einfahrten zum Wald, nahe dem Industriegebiet Dammfeld, gibt es solche Stellen, an denen sich der Unrat türmt. Schnell haben die ehrenamtlichen Jäger und Sammler aus Stegelitz den Kfz-Anhänger voll. Und die Nase sowieso. Die anschließende, ordnungsgemäße Entsorgung erfolgt in Eigenregie. Denn die Annahmestellen im Landkreis nehmen solchen aufgesammelten Müll nicht kostenlos an.

„Eine pauschale kostenfreie Abgabe an den Kleinannahmestellen durch Privatpersonen ist nicht möglich“, erklärte Landkreissprecherin Claudia Hopf-Koßmann bereits bei einer früheren Volksstimme-Anfrage. Bei Abfall im Wald oder der übrigen freien Landschaft soll die Entsorgung eigentlich ausschließlich durch die Abfallwirtschaft des Landkreises Jerichower Landes (AJL) erfolgen, wenn kein Verursacher festgestellt werden kann. Der Landkreis ist auch verpflichtet zu überprüfen, ob es Hinweise gibt, wer die Abfälle abgelagert hat, da diese Entsorgung in der Natur eine Ordnungswidrigkeit darstellt.