Burg l Die Aula des Burger Roland-Gymnasiums verwandelte sich am Freitag in ein Lyzeum, einen Ort der „schöngeistigen Erziehung“, und das im tiefsten Wortsinn. In dem traditionellen Weihnachtskonzert der höheren Burger Schule sangen spielten und musizierten Schüler aller Jahrgangsstufen, unterstützt durch Lehrer und die Big-Band der Kreismusikschule „Joachim a Burck“.

Selten der Anblick des hell erleuchteten Gymnasiums in der Brüderstraße an einem Freitagabend. Da ist ein Vergleich schnell gezogen: Die Lichtpunkte der Fenster ähnelten Kerzen an einem Tannenbaum - passend zum Anlass. Ute Baenke, Mitarbeiterin im Schul-Sekretariat: „Wir haben keinen Stuhl mehr frei, das Publikum ist in Erwartung auf die vielfältige Darbietung der kleinen und großen Künstler.“ Es wurde nicht enttäuscht. Für die Eröffnungsrede haben die Organisatoren sogar einen Schweitzer Kabarettisten gewonnen.

Erfrischend

Der startete gleich durch und nahm dem Publikum den Atem, in dem er eine Unterweisung in geschlechtergerechter Sprache führte. Da standen „Stuhl und Stühlin“ nebeneinander oder der „Geist und die Geistin“ für eine undeutliche Sprache, in der die Kernaussagen erst freizulegen sind. Das Publikum dankte der erfrischenden Sprachakrobatik mit schallendem Gelächter.

Bilder

Selbstredend, es war natürlich Kunstlehrer Andreas Korbmachers alter Ego, der in der Rolle eines modernen Till Eulenspiegel dieses heiße Eisen im Feuer des Humors zum Glühen brachte. Gelebter Alltag zu Weihnachten: „Haben wir diesmal endlich einen schönen Baum“ und „Warum hat Lisa vier Paar Ballettschuhe und ich nur drei?“, hier schlug die Theater-AG humoristische Pflöcke in den Abend.

Musikalisch

Mit ihrer allzu lebensnahen Sicht auf den Heiligen Abend zwischen Hoffnungen und Erwartungen, zwischen persönlichen Geschenken und dem Wunsch auf Frieden weltweit zimmerten die Mädchen und Jungen schauspielerisch-ironisch das Gerüst der Veranstaltung. Dann wurde es musikalisch: mit Ukulele und einem Flötensolo brannten „die Lichter am Weihnachtsbaume“. Jeder der Schüler aus den Jahrgangsstufen 11 und 12 schlug bedächtig die Saiten des kleinen Instruments. Warum gerade die Ukulele? „Sie ist klein, handlich und nicht zu teuer“, weiß Josie Ohle und erklärt: „Außerdem ist sie recht leicht zu erlernen.“

Hervorzuheben bei diesem hawaiianischen Zupfinstrument ist auch der besondere, exotische Klang Und: Sie ist nie laut, tritt nicht in Konkurrenz mit Gesang oder anderen Instrumenten. Das macht sie so beliebt als Begleitung von Chören oder Singegruppen. Dann plötzlich, mitten im „Stil, still, still“, ein falscher Ton. Chorleiter Christian Hoffmann schlagfertig und ganz in seinem Element: „A Es - der Ton passt nicht zur Tonart.“

Pflichtbewusst

Was war passiert? Im angrenzenden Stützpunkt der Freiwilligen Feuerwehr ertönte die Sirene: Alarm. Ein Gast sprang sofort auf. Der alarmierte Vater war nur kurz abwesend und lauschte später wieder den harmonischen Klängen der Chöre. „Es war nur Fehlalarm einer Brandmeldeanlage“, so der pflichtbewusste Feuerwehrmann.

Drei Türen, drei Farben, drei Stimmen: die Jahrgangsstufe 10 sang dreistimmig. Wie aus einem Varieté entsprungen versprühten sie Schwung und Leichtigkeit mit der Gospel-Hymne „Heaven is a wonderful place“. Der Auftritt wäre eines Friedrichstadtpalastes würdig gewesen. Es darf in keinem Weihnachtskonzert fehlen: das zum Evergreen erwachsene „Last Christmas“.

Zeitlos

Hier zeigte die Bigband der Kreismusikschule, was leidenschaftliche Musiker einem Pop-Song für Zauberkraft geben können, indem sie mit Querflöte und Swing die Zeitlosigkeit des Themas betonten.

Nach Oberstufenchor, Lehrerchor und einem weiteren Pflock der Theater-AG wurde es feierlich, mit dem Trio Lena Franke an der Querflöte, Jonathan Konkolewski am Cembalo und Christian Hoffmann am Kontrabass.

Hoffmann und Konkolewski schlugen mit ihren wuchtigen Instrumenten die musikalischen Stufen in das Notengestein, in das Lena Franke mit ihrer Querflöte aufsteigen konnte. Die 14-Jährige beherrscht ihr Instrument aus dem Effeff. Selbst komplizierte Tremolo, dieses Trillern zwischen zwei Tönen, ging ihr mit bewundernswerter Leichtigkeit von den Lippen. „Ich übe jeden Tag, mal länger, mal kürzer, aber jeden Tag“, so Franke.

Die 200 Akteure des Weihnachtskonzerts wurden durch Musiklehrer, Chorleiter und Multiinstrumentalist Christian Hoffmann angeleitet, betreut und dirigiert. Der Burger hat sich ganz der Musik verschrieben. Als Kind brachte er sich selbst das Klavierspielen bei, später lernte er professionell weiter, besuchte eine Schule für musikalische Talente und studierte auf Lehramt Musik.

Talentiert

Seit vier Jahren legt er am Burger Roland-Gymnasium das musikalische Talent der Schüler, aber auch der Lehrer, frei. Mit Erfolg, wie der Abend zeigte. Hoffmann sagt: „Dieses Konzert wäre nicht möglich ohne die breite und vielfältige Unterstützung der gesamten Lehrerschaft. Ob im Unterricht oder danach, zusammen mit der Schulleitung fördern sie in ganz besonderen Maße unsere Projekte.“

Auch Schulleiter Dr. Malte Theuerkauf zeigte offen seine Freude über die gekonnten Auftritte der Chöre, Ensembles und der Schauspielgruppe: „Es erfüllt mich mit Stolz, wenn ich sehe, was für Talente in unseren Kindern innewohnen. Auch wie die Akteure agieren, wie alles ineinander greift und daraus eine gelungene Veranstaltung wird, das begeistert mich. So gehe ich wohlgestimmt in die Weihnachtszeit.“