Schopsdorf l Schon in der Landwirtschaftsschule, die er vor rund 30 Jahren besuchte, begeisterte sich Nils Rosenthal für ökologische Landwirtschaft. Die Idee, möglichst nachhaltig zu leben, wollte er verfolgen und umsetzen. Mit dieser Art Leidenschaft stand er allerdings ziemlich allein da. „Meine Mitschüler konnten darüber nur den Kopf schütteln, sie hatten dafür kein Verständnis, manchmal haben wir uns sogar gestritten, aber für mich war klar, dass ich irgendwann einen eigenen Hof haben und diesen dann auch unter ökologischen Gesichtspunkten führen will.“

Diesen Traum hat sich Nils Rosenthal inzwischen erfüllt, mit tatkräftiger Unterstützung seines Sohnes Friedrich. 1999 übernahm Nils Rosenthal einen alten Hof in Schopsdorf. Die landwirtschaftliche Nutzung des Hofs war zunächst mehr ein Hobby, wurde dann aber immer mehr zentraler Punkt im Leben, da auch Friedrich Rosenthal sein Interesse an der Landwirtschaft entdeckte und dieses auf dem Hof ausleben konnte. Seit 2018 tragen der Hof und alle Produkte, die dort entstehen, ein Bio-Siegel.

Interessen ausloten

Seit 2014 kommen immer wieder jugendliche Helfer, die auf dem Hof ein Freiwilliges Ökologisches Jahr verrichten. Auf die Idee, Jugendlichen einen Einblick in die ökologische Landwirtschaft zu ermöglichen, kam Friedrich Rosenthal. Dieser absolvierte selbst ein solches Jahr auf dem Storchenhof Loburg und regte an, dies auch auf dem Ökohof einzuführen. Seit Anfang September sind Lisa Roland und Tim Mummert mit auf dem Hof. Sie werden bis zum 31. August 2021 bleiben. „Ich wusste nach der Schule noch nicht so richtig, was ich beruflich machen will, deswegen habe ich mich entschieden, erst einmal ein Freiwilliges Ökologisches Jahr zu machen, um zu sehen, welche Fähigkeiten ich habe und wo meine Stärken liegen“, erklärt Lisa Roland.

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Bei Tim Mummert war es ähnlich. „Ich möchte studieren, allerdings war ich mir auch noch nicht richtig sicher, welchen Studiengang ich wählen möchte, und dann war es irgendwann in diesem Jahr etwas zu spät, mich noch an den Universitäten zu bewerben, deswegen habe ich mich zur Orientierung für das Freiwillige Ökologische Jahr entschieden.“ Für Tim Mummert war es sogar noch ein deutlich größerer Schritt, da er nicht, wie Lisa Roland, aus der Region kommt, sondern aus Franken. „Das bedeutet, dass ich jedes Mal rund sechs Stunden mit dem Zug unterwegs bin, wenn ich meine Familie besuchen will.“ Die Mühe ist ihm das aber allemal wert, da er und Lisa Roland in den vergangenen zwei Monaten schon eine Menge Eindrücke sammeln konnten. Derzeit arbeiten sie an einem schmalen Graben, in den eine Stromleitung verlegt werden soll. Das Thema Stromversorgung ist derzeit ein wichtiges Thema auf dem Hof. „Wir würden gern in naher Zukunft ein eigenes Windrad errichten. Kein besonders großes, aber eins, das unseren Hof mit Strom versorgt“, berichtet Nils Rosenthal von den Plänen.

Das Windrad würde sehr gut in die Philosophie des Hofs passen, denn die Rosenthals wollen so gut wie möglich im Einklang mit der Natur leben, Ressourcen schonen und zahlreichen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum bieten.

Auf dem Hof lebt inzwischen eine Vielzahl an Tieren. Neben Hündin Susi übernehmen noch zwei Katzen die Rolle der Haustiere, obwohl die Katzen auch fleißig helfen, die Mäusepopulation in Schach zu halten.

70 Hühner

Hinzu kommen Gänse und etwa 70 Hühner. Diese leben größtenteils in einem mobilen Hühnerstall, der immer wieder umgesetzt wird, damit die Tiere ausreichend Grün finden. Aber auch auf dem Gelände tummeln sich die Hühner. „Manchmal büchsen sie auch aus und picken auf den umliegenden Wiesen“, meint Rosenthal lächelnd. Den Tieren soll ein größtmöglicher Freiraum eingeräumt werden. Neben dem Geflügel gibt es weitere Tiere auf dem Hof. Beispielsweise eine kleine Gruppe von Schweinen. Diese haben jetzt ein extra abgesichertes Gehege bekommen. „Wegen der afrikanischen Schweinepest“, erklärt Nils Rosenthal. Sonst hätten die Schweine auf dem Hof auch deutlich mehr Auslauf, aber das Risiko, dass sich die Tiere möglicherweise anstecken, möchte er nicht eingehen. „Auf einer etwas weiter entfernten Weide leben noch ein paar Rinder und außerdem haben wir noch Robinia, unsere Tinker-Stute.“ Diese wird auch kurzerhand auf der Weide besucht. Eine weitere Kaltblutstute verstarb vor einigen Monaten. Rosenthal überlegt aber, weitere Pferde zu halten. „Die Tiere sind auch ungemein nützlich, was Hilfe auf dem Feld angeht. Robinia allein ersetzt natürlich keinen Traktor, aber mit mehreren Tieren kann man schon eine Menge schaffen.“

Auf dem Ökohof leben nicht nur viele Tiere unter idyllischen Umständen, auch ihr Futter wird selbst angebaut – ohne chemische Pflanzenschutzmittel, dafür mit organischem Dünger. „Derzeit pflanzen wir das an, was die Tiere bekommen. Eventuell erweitern wir die Produkte irgendwann auch mal, aber das ist noch ungewiss in der Planung“, schaut Rosenthal in die Zukunft. Für die kommenden Jahre wünscht er sich, dass sich der Hof von allein trägt. „Das wäre auf jeden Fall ein Ziel, dass wir allein davon leben können.“ Derzeit ist dies noch nicht möglich, aber die Rosenthals setzen viel daran, dass dies in Zukunft möglich ist.