Burg l „Dass die Landwirtschaft an sich nachhaltig ist, ist hinlänglich bewiesen, sonst gäbe es sie ja nicht seit Jahrhunderten“, so Peter Deumelandt, Geschäftsführer des Bauernverbandes Jerichower Land. Das Thema Nachhaltigkeit sei äußert komplex. „Es geht ja nicht nur um Ökologie, sondern auch ökonomische und soziale Aspekte spielen eine wichtige Rolle.“ Oft stehe aber nur die Ökologie im Fokus. „Und in diesem Bereich gibt es in der Landwirtschaft auch Baustellen, aber es ist eben nicht alles.“

Die Menschen müssten sich bewusst werden, dass eine Veränderung an einer Stellschraube in der Landwirtschaft auch Auswirkungen in anderen Bereichen regional, national und international verursachen würde.

Dreiklang ist entscheidener Punkt

„Ich glaube dieser Dreiklang aus Ökologie, Sozialem und Ökonomie ist bei vielen Menschen noch nicht richtig angekommen“, so Deumelandt. Nachhaltigkeit sei derzeit ein populäres Schlagwort, aber das große Ganze müsste betrachtet werden.

Er sei keinesfalls gegen Naturschutz, gibt aber Folgendes zu bedenken: „Was nützt der beste Naturschutz, wenn die Betriebe pleite gehen, da die erbrachten Leistungen für die Gesellschaft nicht honoriert werden?“ Die Aufgabe einer nachhaltigen Landwirtschaft habe deswegen viele Variablen. „Diese nur auf eine – die Ökologie – zu reduzieren ist eine enorme Vereinfachung.“

So habe es im ökologischen Bereich bei den Landwirten im Jerichower Land viele positive Entwicklungen gegeben. „Aber es stehen eben Betriebe dahinter, die an den Flächen verdienen müssen.“ Als Beispiel nennt er die Blühflächen, die von den Landwirten nicht mit Nutzpflanzen bestückt werden, sondern Insekten als Nahrungs- und Rückzugsort dienen. Dafür bekommen die Landwirte vom Land Sachsen-Anhalt einen Nachteilsausgleich. „Aber die betreffenden Landwirte bekommen damit immer noch deutlich weniger als wenn sie Nutzpflanzen zur Nahrungs- oder Futtermittelproduktion anbauen würden“, gibt der Geschäftsführer des Bauernverbandes Jerichower Land zu bedenken.

Ein oft diskutiertes Thema ist auch die Düngung von Pflanzen. Auch wenn diese oft in die Kritik gerät, gibt Deumelandt zu bedenken, dass ein großer Nutzen daraus gezogen wird: „Die Düngung sichert Erträge und Qualität.“ Auch Pflanzenschutz können nach ihm gern ökologisch ablaufen, allerdings ist er sich des Risikos bewusst, dass weniger Erträge möglich sind und Energie- und CO2-Emmissionen aufgrund des steigenden Maschineneinsatzes steigen. „Fehlende Erträge müssen dann aus anderen Ländern nachgekauft werden, dann fehlen diese Erträge, bei einer steigenden Weltbevölkerung woanders“, erklärt er diesen komplexen Sachverhalt.

Importe und Käufe können zum Problem werden

Auch Preissteigerungen sind dann eine mögliche Folge. „Wir können es uns leisten, anderen Ländern beispielsweise den Weizen wegzukaufen. Aber dann muss man sich die Frage stellen, ob das richtig ist“, gibt er zu bedenken. Ein anderes, folgenreiches Beispiel bei Importen seien Eier. „Wir haben in Deutschland die Tierhaltung in den letzten Jahrzehnten enorm verbessert. Die Käfighaltung für Hühner ist beispielsweise verboten. Aber jetzt werden Eier aus eben dieser Haltungsweise aus Osteuropa für die Nudelproduktion importiert“, kritisiert er die Vorgehensweise einiger Produzenten.

Ökologische Landwirtschaft sei aber nicht der Segen, den sich viele Menschen erhoffen. „Das gilt auch für den bio-veganen Anbau, denn er ist eher eine Nische und nicht dafür ausgelegt, die Massen an Menschen in Deutschland zu versorgen. Denn man muss hier auch sehen, wo die Nährstoffe für den Boden herkommen und ohne mineralische oder organische Dünger wird dies eine große Herausforderung“, überlegt er. „

Es muss ja auf den Flächen letztendlich genug geerntet werden, dass die Menschen auch ausreichend zu essen haben“, geht er weiter auf das Thema ein. Die Betriebe, die in Deutschland im landwirtschaftlichen Bereich arbeiten, müssten die Versorgung der gesamten Bevölkerung sicherstellen. Und diese Aufgabe ist nicht leicht zu stemmen, wenn man sich allein den personellen Bereich ansieht. Während im Jahr 1960 noch rund 3,5 Millionen Menschen in Deutschland in der Landwirtschaft gearbeitet haben, waren es 2017 nur noch etwa 600 000 Personen, die in diesem Wirtschaftssektor tätig waren.

Schon heute gibt es viele Bereiche, wie beispielsweise die Spargel- oder Erdbeerernte die nicht mit Einheimischen erledigt werden kann, da das Personal nicht da ist. Für den bio-veganen Anbau, der viel mehr Handarbeit erfordert, sehe ich geringe Chancen, wenn nicht Leute aus der Stadt auf den Feldern in der Landwirtschaft arbeiten wollen.“

Ministerien haben anderen Blickwinkel

Deumelandt betont, dass er nicht gegen Ökologie ist. „Wie kann ein Landwirt auch dagegen sein, nur mit einer gesunden ökologischen Basis ist die Produktion hochwertiger Nahrungs- und Futtermittel langfristig zu sichern. Wenn die Nachfrage nach ökologischer Landwirtschaft da ist, dann ist das natürlich gut und es wird sich daraus ein Angebot entwickeln.“

Ob die Nachfrage nach diesen Produkten in dem Maße steigen würde, wie in Sachsen-Anhalt die ökologische Landwirtschaft gefördert wird, ist sich Peter Deumelandt nicht sicher. Er vermutet, dass dies daran liegt, dass die Ministerien einen anderen Blickwinkel auf das Thema haben als die Landwirte, die tagtäglich auf dem Feld und mit Tieren arbeiten. „Die arbeiten in ihrem Bereich und wir produzieren das was nachgefragt wird. Und die Aufgabe der Landwirte ist es eben auch, die Betriebe ökonomisch nachhaltig zu betreiben, damit sie an die nächste Generation weitergegeben werden können.“

Er macht darauf aufmerksam, dass konventionelle Landwirtschaft nicht automatisch schlecht sei im Vergleich zur ökologischen. „Was den CO2-Ausstoß, in dem Fall den Carbon-Footprint angeht, sind ökologische und konventionelle Landwirtschaft in etwa gleich. Ökologische Landwirtschaft hat andere Vorteile, was beispielsweise Dünger oder Pflanzenschutzmittel angeht, aber man sollte die konventionelle Landwirtschaft nicht verteufeln, denn sie sorgt für den Großteil unserer Lebensmittel zu einem sehr hohen Qualitätsstandard, die alle brauchen.“