Hohenwarthe l Das Thema Nachhaltigkeit wurde Erzieherin Sarah Hobusch sozusagen in die Wiege gelegt: „Mein Papa hat sich schon immer viel damit beschäftigt und auch mein Mann ist jemand, der mit der eigenen Tupperdose zum Schlachter geht, um Verpackung zu sparen“, erklärt sie. Als Jugendliche hielt sich ihr Interesse daran in Grenzen, doch inzwischen ist auch für sie das Thema Nachhaltigkeit zentral geworden, sodass sie dies nicht nur in ihr eigenes Leben integriert hat, auch ihre Arbeit wird davon beeinflusst. „Je älter man wird, desto bewusster wird einem, wie viel Plastik eigentlich verbraucht wird und wie unsere Welt und unser Leben davon in Mitleidenschaft gezogen wird“, führt sie weiter aus.

So erklärte sie ihren Kolleginnen im Kindergarten Storchennest in Hohenwarthe ihre Idee, den Alltag in der Einrichtung möglichst plastikfrei zu gestalten und dieses Material schrittweise zu reduzieren. „Die Idee wurde begeistert aufgenommen, alle waren sofort dabei“, freut sie sich. Der erste Schritt war es, das Geschirr zu ersetzen. „Vorher hatten wir Plastikteller. Und ich fand das nicht ganz unbedenklich, wenn diese rund zweimal am Tag in den Geschirrspüler kommen, erhitzt werden und die Kinder mit so vielen Weichmachern in Kontakt kommen“, gibt sie zu bedenken. Also wurden Teller und Getränkebehälter ausgetauscht. „Die Kinder finden das super, sie kommen sich damit beim Essen damit vor wie im Restaurant“, lacht sie.

Kinder sofort begeistert

Während Kinder und Kolleginnen sofort Feuer und Flamme waren, mussten auch die Eltern von dem Projekt plastikfreie Kita informiert und überzeugt werden. Doch auch hier rannte die Erzieherin offene Türen ein. „Die Eltern fanden die Idee gut und von vielen kamen auch Angebote, uns dabei zu unterstützen.“

Sarah Hobusch ist klar, dass nicht von einem Tag auf den anderen die Einrichtung plastikfrei werden kann. „Es wäre ja auch nicht nachhaltig, Plastikgegenstände, die noch in Ordnung und funktionstüchtig sind, wegzuwerfen und auszutauschen. Wir verwenden diese, bis sie kaputt sind und dann werden sie durch neue Gegenstände aus nachhaltigeren Materialien ersetzt.“ Die Umstellung soll also nach und nach erfolgen und einige Plastikgegenstände werden auch bleiben. „Wir werden den Kindern natürlich ihre Lego-Steine lassen. Und die halten ja auch ewig“, erläutert sie.

Die Kinder in dieser Einrichtung sind bereits im Vorschulalter, sie können also schon verstehen, was Plastikverbrauch, Natur und Umwelt bedeutet. „Als wir das Projekt gestartet haben, haben wir mit den Kindern eine Gesprächsrunde gemacht und ihnen erklärt, was der Plastikkonsum von Menschen anrichtet. Wir haben ihnen beispielsweise erklärt, dass es gefährlich für Jungvögel ist, wenn überall Plastik herum liegt, dass die Elternvögel für den Nestbau verwenden. In diesem Fall kann Wasser nicht richtig aus dem Nest ablaufen und Jungvögel könnten darin ertrinken“, erinnert sich die Erzieherin.

Pailetten-Shirts problematisch

Seitdem achten die Kinder sehr darauf, dass keine Plastikstücke herum liegen und auch bei Ausflügen wollen sie diese aufsammeln, damit keine Jungvögel gefährdet werden. „Die Kinder sind wirklich offen für das Thema“, freut sich Sarah Hobusch. „Viele von ihnen möchten auch keine Pailetten-Shirts mehr tragen, obwohl diese gerade sehr angesagt sind. Aber beim Waschen dieser gelangt Mikroplastik ins Wasser und deswegen möchten die Kinder darauf lieber verzichten.“

Gestartet ist das Projekt plastikfreie Kita im Winter 2019 und seitdem hat sich schon eine Menge in der Einrichtung getan. Nicht nur Essen und Trinken werden in und auf nachhaltigem Geschirr serviert, auch die Spielzeuge werden nicht mehr in Plastikbehältern aufbewahrt, sondern in waschbaren Stoffsäcken. Eine Plastikküche zum Spielen wurde durch einen Kaufmannsladen aus Holz ersetzt. Die Waren, die zu diesem gehören, sind aus Stoff. Auch ein hölzernes Puppenhaus ist hinzugekommen.

Die Geschenke, die die Kinder an ihrem Geburtstag erhalten, beinhalten ebenfalls Geschicklichkeitsspiele aus Holz. „Diese sind nicht nur nachhaltig, sondern auch pädagogisch wertvoll“, erklärt die Erzieherin. Finanziert wird das Projekt unter anderem aus Spenden. Erst kürzlich erhielt der Kindergarten 500 Euro vom Lions Club für das außergewöhnliche Projekt.

Mehr Holzspielzeug für Kita

Auch in Zukunft soll sich bei den Storchenkindern noch einiges tun. Zur kommenden Weihnachtszeit sollen noch weitere Holzspielzeuge Einzug erhalten, das Besteck wird ersetzt und auch die Seifenspender werden ausgetauscht. „Ich habe mir außerdem überlegt, dass wir mit den Kindern Seife selbst machen können“, kündigt sie an. Zukünftig sollen auch die Zahnbürsten durch jene aus Bambus ersetzt werden.

Sarah Hobusch ist bewusst, dass das Projekt bei ihnen so gut funktioniert, weil sie Vorschulkinder betreuen. „Sehr kleine Kinder können mit dem Thema natürlich noch nichts anfangen und die interessiert es eher, wie ein Teller klingt, wenn man darauf haut als aus welchem Material dieser ist“, lächelt sie.

Dennoch ist sie sich bewusst, welche große Vorbildfunktion die Erzieherinnen für die Kinder haben. „Wenn wir von den 32 Kindern der Gruppe nur fünf langfristig für das Thema begeistern, haben wir schon eine Menge geschafft.“