Vatertag

„Nächstes Jahr gibt es kein Halten“

„Nächstes Jahr fahren wir wieder“, so hatten es die „großen“ Männertags-Gesellschaften in Möckern versprochen. Sie sollten sich irren.

Von Stephen Zechendorf
Warten auf die nächste Ausfahrt: das Himmelfahrtskommando aus Möckern.
Warten auf die nächste Ausfahrt: das Himmelfahrtskommando aus Möckern. Foto: Stephen Zechendorf

Möckern/Loburg. Es sieht schlecht aus mit dem diesjährigen Vatertag in Möckern. Da ist zum Einen der Paragraf Zwei der aktuell gültigen Verordnung, deren Abkürzung auch in der zwölften Mutante nicht wirklich kürzer ist, als der Langname: 12. SARS-CoV-2-EindV.

Besagter Paragraf erlaubt auch weiterhin den Aufenthalt im öffentlichen Raum „ausschließlich alleine, im Kreis der Angehörigen des eigenen Hausstandes und mit Angehörigen eines weiteren Hausstandes mit maximal fünf Personen.“ Und auch der letzte Satz in diesem Paragrafen wird vermutlich nicht helfen: „Der zulässige Betrieb von Einrichtungen, in denen Menschen bestimmungsgemäß zumindest kurzfristig zusammenkommen müssen, bleibt unberührt.“

Dabei wissen es die Männer in Möckern schon seit über 40 Jahren, dass sie am Herrentag „bestimmungsgemäß“ zusammenkommen „müssen“.

Warten auf die 42. Fahrt

Seit dem Jahr 1979 gibt es die „Himmelfahrtsgesellschaft von Möckern“, in welcher meist 15 gut gekleidete Herren mit Frack, Stock und Zylinder sich in einer prächtigen Kutsche durchs Jerichower Land zuckeln lassen. Auf die 42. Ausfahrt warten die Herren schon seit nun zwei Jahren. Anrufe bei den Urgesteinen der Gesellschaft ergeben, dass keiner daran glaubt, am Donnerstag „Hoch auf dem Gelben Wagen“ zu sitzen und zu singen.

Nachdem im zurückliegenden Jahr wenigstens auf Abstand kurz das Glas auf das „starke Geschlecht“ erhoben wurde, geben die bereits zitierten Verordnungen selbst das nicht mehr her.

Aber wer weiß, vielleicht treffen sich die Mitglieder der Himmelfahrtsgesellschaft ja morgen auf einem Acker vor den Toren der Stadt, um an die Gründungszeiten zu erinnern: Im Jahr 1979 hatte man sich erstmals bei der damaligen LPG Pferde ausgeliehen, vorgeblich mit dem Versprechen, damit Steine vom Acker aufzulesen. Auf Abstand Feldarbeit leisten und Steine sammeln - davon steht in der 12. Verordnung nichts.

Ähnlich in ihrem Optimismus gebremst sehen sich die Mitglieder des „Möckeraner Himmelfahrtskommandos. „Nächstes Jahr greifen wir wieder an und ziehen durchs Land“, hatten die Jungs zum ersten Herrentags-Lockdown im Jahr 2020 verkündet. Nun geht das Warten in die Verlängerung: „Corona knockt uns aus. Nächstes Jahr gibt es kein Halten“, lautet jetzt die Durchhalteparole. Im Jahr 2016 hatten die jungen Leute einen Hänger zum herrentagstauglichen Ausflugsmobil umgebaut, der von einem Traktor gezogen wird.

Freisitze bleiben zu

Auch das Männerballett des MKK ist erneut gezwungen, die Füße still zu halten. Mit Kutsche und Pferdestärken waren die Herren der närrischen Schöpfung zuletzt ohnehin nicht mehr unterwegs. Stattdessen wurde im Vereinsraum „Bütt“ mit den Frauen gefeiert.

Längst ist der Vatertag zum Familientag geworden, die Radtour im Familienkreis ist zulässig. Dämlicherweise fällt aber der Herrentag in diesem Jahr mitten in die Eisheiligen, und so sind morgen vor allem diese vier Herren plus Dame unterwegs: Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und die Kalte Sophie.

Zum Aufwärmen in die nächste Kneipe? Auch hier spielt die Corona-Verordnung nicht mit. Gaststätten sind für den Publikumsverkehr zu schließen. Für das in zurückliegenden Jahren beliebte Ausflugsziel in Loburg, das Rittergut Barby, bedeutet das: keine Öffnung des Außenbereiches. Lediglich der Außer-Haus-Verkauf von Kuchen und Shop-Ware läuft dieser Tage in dem Rittergut am Münchentor. Der Verzehr der Kuchen ist auch erst 50 Meter vom Rittergut entfernt gestattet, erinnert Betriebsleiter Peter Köppen.

Bis zuletzt hatte man gehofft, dass der Inzidenzwert fünf Tage unter 100 bleibt, dann hätte man den Freisitz öffnen dürfen. Mit dem zuletzt gestiegenen Wert im Jerichower Land hat sich diese Hoffnung zerschlagen.

Auf der hochgekippten Ladefläche eines 40-Tonners präsentierte sich die Möckeraner Himmelfahrtsgesellschaft vor zehn Jahren ihrem treuen Kutscher Herbert Dommasch anlässlich dessen Geburtstags.
Auf der hochgekippten Ladefläche eines 40-Tonners präsentierte sich die Möckeraner Himmelfahrtsgesellschaft vor zehn Jahren ihrem treuen Kutscher Herbert Dommasch anlässlich dessen Geburtstags.
Foto: Stephen Zechendorf